Das Magazin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Casa de los Tres Mundos

eine Initiative von Dietmar Schönherr

Das "Haus der drei Welten" wurde im Jahr 1986 von Ernesto Cardenal und Dietmar Schönherr gegründet und hat seinen Sitz in Granada, mit 100.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Nicaraguas. Ziel war und ist es, mit der CASA DE LOS TRES MUNDOS ein geistig-kulturelles Zentrum zu schaffen, um den nationalen und internationalen Austausch von Künstlern und Kulturschaffenden zu fördern, die kreativen Kräfte der heimischen Bevölkerung zu wecken, verschüttetes kulturelles Erbe wiederzuentdecken und bei der Identitätssuche der jungen Nation Unterstützung zu bieten.

Die Initiatoren kauften einen verfallenen Kolonialbau im Herzen von Granada, der vor dem endgültigen Zusammenbruch gerettet und im Laufe eines Jahrzehnts sorgfältig instand gesetzt wurde. Heute betritt man durch das mächtige steinerne Casa-Tor in eine blühende Oase. Das U-förmige Haupthaus umgibt den ersten Innenhof, der auch als open-air-Bühne fungiert. Im Oberg-schoß gibt es für Künstler und Gastdozenten fünf großzügige Wohnräume, von deren Balkon man auf den zentralen Platz der Stadt und den Vulkan Mombacho blickt. Durch einen Säulengang - fast immer befindet sich hier eine Ausstellung - gelangt man in den tropisch bepflanzten zweiten Innenhof, der von einem großen Mangobaum überspannt wird, und von dort an der Bibliothek vorbei ins Auditorium, das gut 300 Zuhörern Platz bietet. Hieran schließt sich ein dritter Innenhof mit Atelier, Werkstätten und einem klimatisierten Seminarraum an.

Heute ist das historische Gebäude nicht länger "nur" eine wunderschöne Hülle, sondern ist erfüllt mit Leben. Mit der CASA DE LOS TRES MUNDOS existiert in Granada ein aktives Kultur- und Bürgerzentrum, das dazu beigetragen hat, in einer konfliktbeladenen Zeit die Spannungen landesweit abzubauen und eine Kultur des Friedens zu propagieren. Die CASA ist ein Podium für Kulturveranstaltungen jeder Art (Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Theater, Tanz). Es gibt eine rege Zusammenarbeit mit den Kulturabteilungen vieler Auslandsvertretungen in Managua.

Mit ihrem pädagogischen Angebot (Musikschule, Malschule, Kurse für arbeitende Straßenkinder) wendet sich die CASA an Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten der Stadt. Mit zahlreichen Kursen zur Weiterbildung von Multiplikatoren ist sie eine musikalische und künstlerische Bildungsstätte. Es gibt Sprachkurse, Internationale Symposien und Festivals, außerdem beherbergt die CASA das historische Stadtarchiv von Granada.

Kinder des Vulkans

Unter dem Eindruck der Verwüstungen durch den Hurrikan Mitch hat Dietmar Schönherr zur Hilfe für die "Kinder des Vulkans" aufgerufen. Bei einer Reise im Dezember 1998 machte er sich selbst ein Bild von der Lage, und hat sich dann zur Durchführung eines Projektes im Dorf Malacatoya entschlossen. Auf Wunsch stellen wir gerne das Reisetagebuch von Dietmar Schönherr sowie nähere Informationen zum Fortgang des Projektes zur Verfügung. Ziel ist es, auf die Folgen der von Mitch verursachten Überschwemmungen zu reagieren. Die ländliche Bevölkerung von Malacatoya war hiervon in lebensbedrohender Weise betroffen, sie ist ohnehin häufig von Überschwemmungen der Flüsse Tipitapa und Malacatoya betroffen. Es ist nun eine Umsiedlung in sichere Wohn- und Anbaugebiete für ungefähr 250 Familien geplant, hierzu wurden bereits 17 Manzanas Land in einem höhergelegenen, Gebiet gekauft.

Das neue Malacatoya soll über ein Versammlungshaus, ein Gesundtheitszentrum, eine Polizeistation, je einen Treffpunkt für die Frauen und die Kinder, sowie eine Grund- und eine Vorschule verfügen. Zudem sollen eine Scheune zum Lagern der Ernte, ein landwirtschaftlich-technisches Beratungszentrum, ein Kinderspielplatz und ein Baseballfeld entstehen. Besonderes Gewicht sollen musische Angebote haben, da die Casa de los Tres Mundos über ein ausgezeichnetes Lehrpersonal mit großer Erfahrung in der Ausbildung unterprivilegierter Kinder und Jugendlicher verfügt.

Die Fundación Casa de los Tres Mundos wird die Grundstücke gemeinsam mit der Stadt Granada umsiedlungswilligen Familien zur Verfügung stellen und in einer späteren Phase an diese übereignen. Für die Dorfplanung wird SOFONIAS (Schweiz) beauftragt, die eng mit mit kubanischen Ingenieuren kooperiert. Verschiedene nationale und internationale Organisationen haben Mittel für den Bau von Häusern und Latrinen angeboten, die Bevölkerung wird sich an den Arbeiten des Projekts aktiv beteiligt.

Pan y Arte e.V. und die Stiftung CASA DE LOS TRES MUNDOS werden ein neues Gesundheitszentrum finanzieren, das den bisherigen desolaten Gesundheitsposten von Malacatoya ersetzen soll (u.a. lag die Gebährstation / Mütterberatung Tür an Tür mit dem Raum, in dem nach Mitch Cholerakranke behandelt wurden). Die staatliche Gesundheitsbehörde hat die Finanzierung des medizinischen Personals garantiert. Eine ländliche Kreditbank, die nach einem Rotativ-System funktioniert, finanziert Saatgut, Werkzeug etc.

Zum Interview mit Dietmar Schönherr  

[Home] [Aktuell] [Pro und Contra] [Service] [Archiv] [Redaktion]