echt praktisch

ComicZwölf Gebote
für die Krise

Es kommt anders, als man denkt. Damit es besser kommt: Zwölf Tipps und Argumente für schlechte Zeiten. Durch Erfahrung geprüft und wissenschaftlich bestätigt.

 

1. Zieh kluge Vergleiche. Wir vergleichen sowieso immer. Unseren Bauchumfang, unseren Arbeitsplatz, unseren Geldbeutel. Ganz wichtig: Vergleiche dich nicht mit den Sonnenkindern. Vergleiche dich mit denen, die es nicht so gut haben. Es erfüllt dich augenblicklich mit Dankbarkeit. Ein ausgesprochen gesunder Zustand.

2. Bleib gelassen. Eine Nacht kann lang sein. Aber jeden, wirklich jeden Morgen ist es wieder hell geworden. Manchmal sogar strahlend schön.

3. Lass dir helfen. Für wirklich alle Kümmernisse dieser Welt gibt es wunderbare Beratungsstellen. Für Dicke, für
Dünne, für Verschuldete, Süchtige, Einsame, für Betrogene, Ängstliche, Todtraurige, für Hoffnungslose und Überforderte. Nimm den Kummer und trag ihn hin.

4. Bleib zugewandt. Es gibt immer ein Du. Es kann viele Gesichter haben. Ein lebendiges Gegenüber. Eines, das wir geliebt haben und im Herzen bewahren. Eines, das wir erträumen. Eines, an das wir glauben.

5. Zahl ein. Die sichere Bank heißt Freundschaft. Bezahl mit Zeit und Herzlichkeit. Gute Beziehungen steigern unter allen Umständen die Lebenszufriedenheit. Man nennt sie auch „soziales Kapital“.

6. Sei gewärtig: Schönheit, Kunst und Poesie sind immer da. Ob du sie siehst oder nicht.

7. Vertrau auf Lebendigkeit. Ist die Krise da, bäumt sich der Organismus auf. Er lässt uns Dinge positiver sehen als zuvor. Und aktiviert unsere Kräfte. Nach einer Krise sagen viele Menschen: Ich war stärker, als ich dachte.

8. Sieh die Bewegung. Was sich anfühlt wie Stillstand, ist ein Übergang. Wer Abstand nimmt, kann sehen: Klagen hat seine Zeit, Weinen hat seine Zeit. Lachen hat seine Zeit. Und nichts bleibt, wie es ist. Leider. Gott sei Dank.

9. Teil die Salami. Große Ziele motivieren. Aber nur, wenn die Etappen machbar scheinen. Teile die Strecke in machbare Schritte. Prüfe sorgsam, was du heute schaffen kannst. Dann fang an.

10. Tu was. Aktivität macht glücklicher als Nichtstun. Sorgen haben leichtes Spiel, wenn dem Gehirn andere Beschäftigung fehlt. Grübelei und Unlust verstärken sich, wenn wir ihnen nichts entgegensetzen. Schmiede Pläne. Pflanz einen Baum!

11. Stifte Sinn. Daran hängt alles. Wer der Krise einen Sinn geben kann, gewinnt Kraft und langen Atem.

12. Tauch ein. Neben deiner Welt gibt es ungezählte andere. Du kannst sie besuchen und darin verweilen. Der Körper schenkt ein Glückshormon, wenn wir uns versenken. Minutenlang dem Fluss beim Fließen zusehen. Den Wolken beim Ziehen. Ein Kinderbuch lesen. Einem Straßenmusiker zuhören. Die Krise ist nicht die einzige Wahrheit.

Monika Held

+++ Wer ein Programm für die Zukunft verfasst, ist ein Reaktionär. Karl Marx +++ Von dem, was man heute denkt, hängt das ab, was morgen auf den Straßen und Plätzen gelebt wird. José Ortega y Gasset +++ Ich glaube, dass der Mensch, der eine enge Verbindung mit der Zukunft hat, auf dem richtigen Weg ist. Henrik Ibsen +++


 

erschienen in echt, 3. Quartal 2009
Copyright by EKHN, Darmstadt
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