„Man muss sich plötzlich ganz massiv mit dem Tod auseinandersetzen. Und sich fragen, ob man selbst den Tod sucht, um das Leiden zu verkürzen. In dem Moment, in dem ich mich gegen den Tod und für die begrenzte Zeit des Lebens entschieden hatte, habe ich begonnen, ganz bewusst zu leben. Rigoroser – nicht im Sinne von böse, sondern von konsequent. Aber die Angst vorm Tod bleibt wie eine dunkle Wolke, die einen überschattet.“
„Man hat mehr Verantwortung. Auch dem Partner gegenüber. Gerade weil man selbst erlebt hat, wie es einem ergeht, wenn einen jemand tödlich ansteckt. Das hat mich schwer beschäftigt und das Merkwürdige ist, dass ich ihm nicht böse sein kann. Er war einfach naiv, blauäugig, positiv im Leben stehend nach dem Motto: Wird schon alles in Ordnung sein.“
„Die Momente, Schluss zu machen, weil ich das Leid nicht ertragen möchte, hatte ich zweimal. Und das Verrückte ist, ich hab weder an meine Familie oder Freunde oder wen immer gedacht, sondern an meinen Hund und diese traurige Kreatur und was mit ihr wird, wenn ich einfach gehe und sie allein zurücklasse...“
„Und dann kommt das Leben wieder zurück. Diese extreme Haltung kann man nicht durchhalten, alles radikal zu ändern. Aber ich bin wachsam in Bezug auf das, was ich tue. Das prägt mich so, dass fast jeder Tag wirklich gefüllt ist. Mit Verstand und Emotionen im Einklang zu machen, was richtig ist. Mein Gefühl zeigte mir schon lange, dass mich mein Beruf belastet, und mein Verstand sagte mir, es gibt bessere Möglichkeiten. Aber ich suchte keinen Ausweg für mich, war zu faul und träge, zu mutlos, einen Schnitt zu tun in meinem Leben. Um was Neues zu beginnen.“
„Wenn man dann solch eine Diagnose hat, hat man die kleinen Ängste nicht mehr. Man hat eine viel größere Angst. Das hat Vorund Nachteile. Der Vorteil ist sicherlich, dass man nicht mehr so schnell angreifbar ist. Der Nachteil, dass man auch manchmal die Zwischentöne im Leben nicht mehr wahrnimmt. Man sich durch Gedanken oder Sachen unangemessen in Beschlag nehmen lässt.“
„Ich habe Gott sei Dank wieder gelernt, die kleinen Dinge, Gerüche, Farben, Töne wieder wahrzunehmen. Das war alles weg, Wie unter einer dunklen Decke. Wie eingehüllt.“
„Loslassen zu können hat mit Glauben zu tun. Es gibt ja diese Grundbausteine des Lebens: Glaube, Liebe, Hoffnung. Die so banal hintereinander weg gesprochen werden können. Ich habe diesen Glauben und die Hoffnung auf ein Leben danach. Und wenn ich mir das Leben genommen hätte, dann mit der Gewissheit, dass mich nichts von der Liebe Gottes trennen kann. So ein Glaube hilft, über viele Grenzsituationen hinweg, anders mit dem Leben umzugehen. Zum Beispiel auch mit der Schuldfrage. Wenn man erkennt, dass man auch schuldig ist und nicht schuldfrei, macht es das auch leichter, dem zu vergeben, der mich in diese Situation gebracht hat.“
„Ich liege mit Gott schon im Clinch: Warum mir? Diese Frage kommt auf jeden Fall. Wo Wut hochkommt. Auch gegen Gott. Gerade wenn es mir wie in letzter Zeit mal gesundheitlich richtig dreckig geht. Ich möchte nichts verschönern, sondern einen Frieden für mein Leben, in dem ich bin. Und ich bin auf einem guten Weg dahin.“
„Dabei hilft, dass ich im Umgang mit Menschen direkter geworden bin. Ich sage, das ist mir wichtig, das halte ich für falsch oder angemessen. Und lernte, besser zuzuhören. Oder mich mit dem Tod zu beschäftigen, weil ich lernte, dass das Freiheit bedeuten kann. Dass man nicht Angst davor hat, sondern die Angst vor dem Tod ein Stück weit überwindet. So gut das Menschen möglich ist. Und dann erst eigentlich frei lebt. Definitiv. Auch wenn es diesen Schatten, dieses Bewusstsein vom Tod gibt. Und sage nicht mehr, das werde ich irgendwann tun. Kinder zum Beispiel leben relativ zeitlos. Weil sie nicht versuchen, morgen oder übermorgen was zu tun, sondern jetzt was zu erleben, Neues zu lernen und zu erfahren. Jetzt und hier.“