echt Glaube kompakt

Glaube

Von echten Veilchen und falschen Rosen

Ich habe, das ist nun vierzig Jahre her, in der kleinen, schmucken Heidekirche in Udeloh geheiratet. Nichts Spektakuläres. Ein paar Rosenblätter streuende Nichten, gewiss. Aber sonst? Das fast verspielte
Bauwerk mit dem hölzernen Turm, der schon vielen Jahrhunderten trotzte, war Ambiente genug.


Ein oberflächliches Spektakel

Für das Gelingen und die Bewährung einer ehelichen Gemeinschaft ist es nicht gleichgültig, wie wir sie beginnen. Dabei muss nun wirklich keine verrückte Aktion her, die den Pfarrer zum Erfüllungsgehilfen einer
exotischen Handlung abstuft. Keine Fassadenkletterei, keine Zirkusmanege, kein Autoskooter. Kein extravaganter Ort, der das Einzigartige und Bleibende des Trautages in Erinnerung brennen soll. Und der über dem Spektakel nur Oberflächlichkeit zurücklässt.

Die Lebensordnung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die die Richtlinie für das kirchliche Handeln vorgibt und vorsieht, dass Trauungen (wie auch Taufen) im Allgemeinen in einem Gotteshaus gefeiert werden, hat wohl im Blick, dass die vertraute Form mit dem heimischen Umfeld nicht nur Gemeinschaft fördert, sondern den Protagonisten auch Verhaltenssicherheit verspricht. Der Tag ist schließlich aufregend genug.

Lust aufs Gelingen

RingeAuch muss die Liturgie des sakralen Raums nicht jedes Mal neu erfunden werden. Gottes Wort und sein Segen sind und bleiben Brennpunkte der Feier. Gottes Wort: vielleicht Erinnerung, ein Bogen rückwärts zur Konfirmation und ein Wiederhören mit ihrem Geleitvers aus der Offenbarung des Johannes: „Halte, was du hast, dass niemand
deine Krone nehme.“ Darüber eine möglichst gute Predigt, die deutlich macht, dass die Verkündigung des Evangeliums allemal wichtiger ist als seine Verwaltung. Und Segen über allem. In ihm spiegelt sich der Wunsch nach Gabe, Güte und Hilfe Gottes, nach Wohlstand und Gedeihen, Bewahrung und Heil. Im Segen drückt sich Vorfreude aus, Erwartung, positive Gestimmtheit, Lust und Hoffnung aufs Gelingen, Ja zum Leben. Es wird nicht alles gut werden, aber bitte doch das meiste. Segen tut der Seele wohl. Es gibt nichts Persönlicheres.

Segenswünsche wollen bewirken, was sie sagen. Und Gesten des Segnens reichen über das Sagbare hinaus. Segen bündelt voller Zuversicht den Abglanz der großen Freude in den kleinen Freuden des Lebens.

Ehe das Leben Lügen straft

Es hat also sein Gutes, die Kirche im Dorf zu lassen und den Segen in der Kirche zu empfangen. So wird es auch in der EKHN gehalten und so soll es bleiben.

Ehe der Lauf das Leben Lügen straft, sollen Stunden und Tage gesegnet sein. „Die Geste der Zärtlichkeit, das Glück, das einen leise berührt, der weite Horizont, der das enge Herz füreinander öffnet“ (Helge Adolphsen).

 

Hans-Albrecht Pflästerer

* Hans-Albrecht Pflästerer, freier Journalist, lebt im Ruhestand
in Barsbüttel bei Hamburg.

+++ Der vernünftige Genuss der Gegenwart ist die einzig vernünftige Sorge für die Zukunft. Ludwig Andreas Feuerbach +++ Man sichert sich die Zukunft, wenn man die Vergangenheit ehrt. Augusta +++ Wenn du die Welt verändern willst, beginne mit dem Menschen, den du jeden Morgen im Spiegel siehst. Simone Weil +++


 

erschienen in echt, 3. Quartal 2009
Copyright by EKHN, Darmstadt
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