Aus der Redaktion
Es gäbe genug Gründe, an sich und der Welt zu verzweifeln – oder, liebe Leserinnen und Leser? Und manchmal scheint es so, als seien Jammern und Klagen, Einfordern und Reklamieren die einfachste Art und Weise, Gemeinsamkeit und Übereinkunft zu stiften. Da muss man nicht erst lange überlegen – ein Besuch in der Kneipe um die Ecke oder eine gemeinsame Vesper mit der Wanderbekanntschaft reichen aus, um diese Erfahrung zu belegen.
Aber wer das Empfinden ausspricht, nicht recht bedacht und übervorteilt zu werden, hat zumindest noch eine Ahnung von Schwäche und Überforderung. Und vom Verlangen nach Anerkennung, nach Kraft und Überwindung. Aus diesem Grund haben wir für unsere Ausgabe den Titel „Kraft“ gewählt.
Er könnte auch „Lebensmut“ lauten. Denn von dieser Stärke handeln unsere Geschichten. Sie erzählen vom Scheitern und Gelingen, von Lebensstationen und -krisen. Und davon, wie aus „Seelenmüll“ Lebenskraft wachsen kann – wie ein Mitarbeiter der Telefonseelsorge drastisch beschreibt. Denn der dumm-dreiste Rat „Nimm’s als Chance!“ hat noch niemand geholfen,
Verzweiflung oder Trauer zu überwinden.
Zu einer echten „Grenzüberschreitung“ gehört mehr. Man muss die eigene Grenze erkennen und anerkennen, Wege zur Überwindung suchen und finden – und Menschen, die Wegstrecken teilen.
Christinnen und Christen gelangen beim Nachdenken über Kraft oder Lebensmut recht geradlinig zum Segen: Menschliches Leben ist fragil und verletzlich, recht rudimentär plan- und gestaltbar. Ob man wirklich sein Ziel erreicht, ist nicht nur eine Frage der Orientierung. Die Bitte ist daher alles andere als archaisch: „Gott möge uns schützen und geleiten“.
Ich grüße Sie herzlich
Rainer Didszuweit
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