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echt Glaube

Gottesacker,
Ruhegarten
Es gibt nicht wenige Menschen, die gehen regelmäßig auf den Friedhof, um dort einen schönen Spaziergang zu machen. Wo sonst findet man, vor allem in den Städten, so liebevoll gepflegtes Grün? Alte Bäume mit mächtigen Kronen, bunte Blumen, Brunnen, Bänke und sauber gerechte Wege. Dazwischen ist eine große Vielfalt an Vögeln zu entdecken. Es stimmt bis heute, was vor zweihundert Jahren in einem Artikel zu lesen war: Friedhöfe sind „heitere Ruhegärten der Abgeschiedenen“.
Ist ein Friedhof ein Garten? Irgendwie schon: Man spricht ja auch von Gräberfeldern und Rabatten und benutzt Gartenschere und Gießkanne, um alles in Ordnung zu halten. Gräber werden wie kunstvolle Beete angelegt und die nicht belegten Flächen werden als Rasen gepflegt. Aber das war nicht immer so.
Die Toten eingefriedet
Der Gottes- oder Totenacker war in vergangenen Jahrhunderten oft alles andere als ein Garten und eng um die Kirche herum angelegt, damit man sich bei der Auferstehung dicht bei dem Heiligen befand, dessen Reliquien unterm Altar lagen. Nicht zuletzt Martin Luther verdanken wir die Einsicht, dass es beim Weltende keine besseren und schlechteren Plätze geben würde. Und so wurden dann später Friedhöfe immer öfter außerhalb des Ortes angelegt. Das Hauptziel des Begräbnisses war einfach, die Toten loszuwerden. Kirch- und Friedhöfe waren keine Gärten der Erinnerung an die Verstorbenen, sondern so etwas wie deren neue Adresse. Dort konnten sie sein und dort sollten sie bleiben, vor allem wenn sie sich bisweilen nachts zum makabren Totentanz aufstellten. Das findet sich auch im Wort Friedhof wieder. Der hat weniger mit dem Frieden dort zu tun, als mit der Praxis, diesen Platz vorsichtshalber „einzufrieden“, also zu umzäunen. Damit wollten die Menschen sich von ihren Toten abgrenzen und vor deren unangemeldeten Besuchen sicher sein.
„... und legen sie in Gottes Erde“
Unsere Friedhöfe heute haben einen anderen Charakter. Es sind freundliche und nun wirklich friedliche Plätze geworden. Das liegt wohl auch daran, dass wir gelernt haben, nicht mehr die Toten zu fürchten, sondern allenfalls den Tod.
Wir legen die Verstorbenen in die Erde eines Gartens. Es gibt kaum einen Ort, an dem wir so handgreiflich und mit allen Sinnen erfahren, was das Leben ist, wie ein Garten. Die Gärten selbst lehren uns, was der Platz des Menschen in der Schöpfung ist. Sie erzählen uns von dem Geheimnis des Lebens und vom nötigen Gottvertrauen. Wer merkt, was im Garten passiert, versteht, dass das eigene Planen und Machen eine Grenze hat. Was hier im Garten gilt, gilt für das ganze Leben: Es gibt eine Zeit des Werdens und Wachsens und eine Zeit des Sterbens und Vergehens. Wir legen die Toten in die Erde eines Gartens. Aber nicht irgendeines Gartens hinterm Haus. So sehr wir schätzen, wenn ein Friedhof als „heiterer Ruhegarten“ gestaltet und gepflegt ist, so begraben wir doch, wie es bei der Beerdigung heißt, einen Menschen „in Gottes Erde“.
Ein starkes Stück Hoffnung
Das ist ein starkes Stück Hoffnung: Die Toten kehren zu Gott zurück, dem sie ihr Leben verdanken. Jemanden in Gottes Erde zu legen heißt zugleich, dass es mit unserem Sorgen und Mühen nun eine Ende haben darf und haben soll. Das christliche Begräbnis ist ein Vertrauensakt: Um die Toten kümmert sich Gott.

Helwig Wegner-Nord ist Pfarrer und leitet das MEDIENHAUS der EKHN in Frankfurt.
Es lohnt sich, auf einem der wunderschönen alten Friedhöfe abseits vom Alltag diese besondere stille Atmosphäre zu genießen. Die Wege zwischen den Gräbern führen uns nicht nur in die Erinnerung der Toten. Wer im Wechsel der Jahreszeiten das Werden und Vergehen der Pflanzen in diesen eigenartigen Gärten erlebt, hat vor Augen, dass der Tod zum Leben gehört. Darum sind solche Friedhofswege gut für uns.
Helwig Wegner-Nord
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