Aus der Redaktion
„Zeige mir deinen Garten und ich sage dir, wer du bist.“ Hinter dieser leicht flapsigen Feststellung, liebe Leserinnen und Leser, steckt bei sorgfältigem Nachdenken viel Tiefgründiges. Denn das Thema Gärten, das zunächst so leicht daherkommt, konfrontiert uns mit existenziellen Fragen. Und lenkt die Aufmerksamkeit unweigerlich auf Gottes Schöpfung. Die Sehnsucht nach einer heilen Welt lässt viele ihre eigenen kleinen Paradiese gestalten. Auf Balkonen, in Klein- oder Vorgärten, mit Blumenrabatten, Kräuterbeeten und mediterranen Terrakottavasen ...
Doch man entdeckt auch anderes: Hinter dem Idyll Bauerngarten erscheint beispielsweise die Geschichte von Nutzgärten, die dem Lebensunterhalt der früher großen Familien dienten. Und dieser Teil war, wie uns eine alte Bäuerin anschaulich erzählt, Frauensache – und ist es zum Teil heute noch. Notwendige, harte Arbeit zum Lebensunterhalt, die Möglichkeit, mit knapperem Geld und eigener Kraft haushalten zu können.
Ganz anders als bei unserem Besuch einer Familie am Taunusrand: Die berufstätigen Eltern erwerben Haus und Grundstück, um es mit ihren Kindern, viel Energie und Einsatz zu nutzen. Obwohl es ökonomisch nicht nötig ist. Gartenarbeit sei sinnstiftend, sagen sie, Energiequelle für den Alltag.
Dass sinnliches Gärtnern und Internet kein Widerspruch sein müssen und auch Schülerinnen und Schüler ansteckt, verdeutlicht vorbildlich eine Lehrerin. Sie geht mit ihnen in einem Bibelgarten querbeet durch die Heilige Schrift.
Auch inmitten der Großstadt, Hörnähe Autobahn und Blicknähe Hochhäuser, wird die integrierende Kraft wachsenden Grüns, exotischer Kräuter auf 300 Quadratmeter Gartenland erlebbar. In einem Kleingartenverein pflanzen und ernten Menschen aus 22 Nationen Gemüse – und oft auch Freundschaft.
Ganz sicher dabei ist bei alledem ein kleiner Mann, der, glaubt man der Statistik, rund 25 Millionen Mal unsere Zierflächen bevölkert – und den wir allein schon darob nicht außen vor gelassen haben: der gemeine Gartenzwerg.
Ich grüße Sie herzlich
Rainer Didszuweit
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