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Der Macher Dem jungen Johann Hinrich Wichern stockte der Atem. Er war gekommen, um die Eltern von Kindern zu besuchen, die schmutzig und in Lumpen manchmal in seine Sonntagsschule kamen. Erschüttert notierte er später: „Der Mann schneidet Schwefelhölzer, das Weib unterstützt ihn dabei, ein kleiner Knabe muss die Ware verkaufen helfen. Er ist minder glücklich als seine in rechtmäßiger Ehe geborenen elf Geschwister, die alle bis auf eine elfjährige Schwester bereits verstorben sind. Vor einigen Jahren hatten jene Menschen (dürfen wir sie noch Eltern nennen?) den armen Knaben eingesperrt, um ihn erfrieren und verhungern zu lassen. Das Gewinsel des Knaben zog die Nachbarn herbei; so ist er gerettet, hat aber an einem Fuß einen Teil der Zehen und an einer Hand die Hälfte der Finger eingebüßt.“ Die Öffentlichkeit und auch die Kirchen standen den Problemen in den Elendsvierteln vieler Städte eher hilflos gegenüber. Nur wenige erkannten, dass da ein soziales Problem entstanden war, für dessen Lösung es in der überkommenen Gesellschaft keine Vorbilder gab. Die fortschreitende Industrialisierung in Deutschland hatte Millionen auf der Suche nach Arbeit in die Städte gezogen, wo sie meist unter furchtbaren sozialen und hygienischen Bedingungen hausten. Die Zahl der Straßenkinder vervielfachte sich in wenigen Jahren. Öffentliche Unterstützung für die Ärmsten der Armen gab es so gut wie nie.
Wicherns Appell zeigte Wirkung. Zwei Monate nach seiner aufrüttelnden Rede von Wittenberg wurde der „Centralausschuss für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche“ ins Leben gerufen. Zahlreiche Hilfseinrichtungen entstanden in den folgenden Jahrzehnten: Rettungsanstalten, Sonntags- und Kleinkinderschulen (Vorläufer der heutigen Kindergärten), Suchthilfe-Einrichtungen, Obdachlosenfürsorge und viele mehr. Wichern wurde zu einem der Väter moderner diakonischer Arbeit der Kirchen. Diakonie, die aktive und professionell organisierte Zuwendung zu Menschen in Not, gehört seitdem zum Kernbereich kirchlicher Arbeit. Nächstenliebe und Glaube gehören zusammen. ![]() Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt ist Pfarrer und Publizist und leitet die Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Heute arbeiten in Deutschland rund 450.000 Menschen in der Diakonie und noch einmal so viele tun es ehrenamtlich. Die Diakonie mit ihren 27.000 Einrichtungen und rund einer Million Plätzen oder Betten ist nicht mehr wegzudenken. Nächstenliebe und Glaube gehören zusammen. Und die Schere zwischen Arm und Reich ist ein aktuelles Thema. Das ist das Vermächtnis von Johann Hinrich Wichern, der vor 200 Jahren, am 21. April 1808 geboren wurde. Joachim Schmidt echt info |
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erschienen
in echt, 1. Quartal 2008
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