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Kerze

Ein Licht wandert von Haus zu Haus

 

Im Dezember hat Christine Ziesecke immer eine Kerze in der Jackentasche. Abends zündet sie sie an und stellt sich gemeinsam mit anderen Frauen, Männern und Kindern im Halbkreis vor einem Haus auf. Dort steht hinter einem Fenster ebenfalls eine Kerze, die ein warmes Licht verströmt: ein Symbol für Jesus, der als Licht in die Welt gekommen ist.

Im Rödermarker Stadtteil Ober-Roden wird die Adventszeit mit einem ökumenischen „Lebendigen Adventskalen-der“ begangen. Jeden Tag ist ein Fenster in einem anderen Haus weihnachtlich geschmückt, jeden Tag gehen Menschen dorthin, die Ruhe und Besinnung suchen. „Es ist eine schöne Art, ruhig zu werden und sich auf das große Fest vorzubereiten“, sagt Pfarrer Oliver Mattes. Als „eine Oase, eine stille Zeit“, beschreibt Christine Ziesecke, ehrenamtliche Mitarbeiterin der evangelischen Gemeinde, die 20 Minuten.

Bundesweit schätzt Matthias Hiller die Zahl der Gemeinden mit „Lebendigen Adventskalendern“ auf rund 2.500. Hiller ist Sprecher des 2005 gegründeten Vereins „Lebendiger Adventskalender“. Vor allem in Süddeutschland hatten Gewerbevereine das sich seit den 1990er-Jahren entwickelnde Brauchtum für sich genutzt. „Lebendiger Adventskalender  hieß dann, dass jeden Tag ein anderes Geschäft ein Sonderangebot anbietet. Das wollten wir unterbinden und haben daher auch den Begriff schützen lassen“, sagt Hiller.

Gedankliche Vorbereitung
In Ober-Roden stimmen die Bewohner des Hauses ein Lied an, spielen Trompete oder Blockflöte oder lesen eine Geschichte vor. Manchmal erzählt jemand, was ihn oder sie im zu Ende gehenden Jahr bewegt hat, ob ein naher Angehöriger gestorben ist oder ein Kind geboren wurde. „Die Gastgeber wissen schon, wie sie die Menschen dazu bringen, in ihre Gedanken zurückzufallen“, sagt Christine Ziesecke. Punsch oder Plätzchen sollen sie nicht anbieten. „Bei der gedanklichen Vorbereitung auf Weihnachten wollen wir bewusst bei der Andacht bleiben“, betont Pfarrer Mattes. Wenn es am 24. Dezember dann soweit ist, brennt die wandernde Kerze in der Kirche.

Gemeinsam auf dem Weg
Auch in der Mühlheimer Friedensgemeinde endet der „Lebendige Adventskalender“ mit einem Familien-gottesdienst. Vom 1. bis 23. Dezember sind dort allerdings die Kinder eingeladen, gemeinsam Advent zu feiern. Erkennungszeichen der Gastgeber ist das große Kalenderdatum an den Häusern. Schon Tage vorher sind die Kinder gespannt, was sie dort erwartet. Wenn die Mädchen und Jungen dann ankommen, öffnet sich ihnen eine Tür und sie werden ins Haus gebeten. „Wir nehmen meist zwölf bis 15 Kinder mit. Damit ist die Kapazi-tät der meisten Wohnzimmer erschöpft“, sagt Pfarrerin Martina Grombacher, die den Adventskalender in Mühlheim eingeführt hat. Seit dem ersten Aufruf vor neun Jahren ist die Sache zum Selbstläufer geworden. „Die Kinder sind begeistert. Manche fragen schon im Sommer, wann es endlich wieder losgeht“, freut sich Grombacher.

Die Seelsorgerin möchte Kindern eine Möglichkeit geben, den Advent und das Voranschreiten der Zeit bewusst zu erleben. Da in den meisten Familien die Zeit fehlt, jeden Tag Advent zu feiern, übernimmt das die Gemeinde. Die Gruppe trifft sich um 17 Uhr, singt ein Lied und macht sich gemeinsam auf den Weg. Am Ziel angekommen, übernehmen die Gastgeber: Sie basteln mit den Kindern, singen,  zünden ein Feuer im Garten an, erzählen, wie Weihnachten früher war und wie es in anderen Ländern gefeiert wird. Eine besondere Attraktion war der sprechende Papagei einer alten Dame. Weihnachtslieder hat er nicht gesungen, dafür aber immer „Kuckuck“ gerufen und massig Schokolade gefressen.

Renate Haller

Logo Weltweit Wichteln

Foto: weltweit wichteln„Meine Puppe hat sogar Ohrringe“

Mit der Adventsaktion, „weltweit wichteln“ machen sich Kinder weltweit eine Freude und lernen dabei andere Kulturen und fairen Handel kennen.

Ob mit Ohrringen, goldenen Locken, in Weihnachtsmannkostüm oder traditioneller äthiopischer Kleidung – Wichtel sind Handpuppen aus Stoff. Ab Herbst kann man sie in den Weltläden kaufen oder bestellen. Kinder können sie dann im Kindergarten, in der Schule oder im Kindergottesdienst selbst gestalten. Zusammen mit einem Brief oder Foto schicken sie die bunten Wichtel an eine Partnergruppe ins Ausland. Von der Antwort lassen sie sich überraschen. Informationen und kostenlose Materialien erhalten Sie bei: weltweit wichteln, Vogelsangstraße 62, 70197 Stuttgart, Tel.: 0711/63678-44, E-Mail: starz@ems-online.org

 

echt info

Verein Lebendiger Adventskalender e.V.:
www.lebendiger-adventskalender.de

Aktion Weltweit Wichteln:
www.weltweit-wichteln.de/

Advent in der EKHN: Veranstaltungen, Kampagnen, Advent in Bibel und Tradition
www.ekhn.de - Advent

Kampagne „Advent ist im Dezember“ der Evangelischen Kirche in Deutschland
http://www.advent-ist-im-dezember.de/

Aktion „Der andere Advent des Vereins „Andere Zeiten e.V,“

http://www.anderezeiten.de/advent.php

 


erschienen in echt, 4. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt
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