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echt
Das Ehepaar, beide Jahrgang 1946, leben bis-lang mit ihren fünf Kindern im badischen Schönau völlig unauffällig bürgerlich. „Können die Kinder noch im Sand spielen? Was essen? – Wir waren ganz naiv damals und weder politisch noch ökologisch engagiert. Mein Mann hatte hier die Praxis und ich ver-sorgte die Kinder. Was uns aber klar wurde: Es muss was geschehen. Am Anfang haben wir noch geglaubt, jetzt wird die Energiewirtschaft, die Politik, was tun, nachdem jeder gesehen hat, wie gefährlich die Atomenergie ist. Und was geschah? Die Grenzwerte wurden in die Höhe gesetzt, damit die Radioaktivität nicht mehr so gefährlich scheint. Und das war der Punkt, an dem wir gedacht haben, jetzt müssen letztendlich wir etwas tun.“ Und sie taten was. Schlossen sich einer Elterninitiative an, planten Aktionen, schrieben Briefe, an diese und jene, die Welt und Gott und so auch an die Kirche.
Bodenständig mit Visionen: Die Schönauer lassen nicht nur ihre denkmalgeschützte Kirche im Dorf, sondern bestücken sie pfiffig mit einer Fotovoltaik-Anlage (Pilotprojekt der Evangelischen Landeskirche in Baden) Foto: E. Kirchengemeinde Schönau „Michael war im katholischen Kirchengemeinderat und ich habe gesagt, hier geht es um Schöpfungsbewahrung. Aber die Reaktionen waren eher traurig. Keine klare Absage an die Atomenergie oder den festen Willen, etwas zu ändern.“ Sie erkennen mit ihren Mitstreitern, deren Zahl wächst, einen falschen Weg gewählt zu haben. Politiker, Funktionäre, Experten helfen nicht. So ändern sie auch ihre Argumentation, um deutlich zu machen, was sie antreibt. Und das heißt Kärrnerarbeit. Die Karre mit eigner Kraft aus dem Dreck ziehen. „Sie können die Schraube nicht von oben drehen. Sie kommen nicht umhin, die mühsame, schwere Arbeit von der Basis aus zu leisten. Ökologische Energieversorgung findet immer lokal und dezentral statt. Die Sonne scheint in der Fläche und der Wind weht überall und das Wasser fließt. So muss man auch mit den Menschen vor Ort den Kontakt suchen und pflegen.“
„In den Auseinandersetzungen hatten alte Menschen oft einen größeren Weitblick und freuten sich nun. Andere, auch große Wirtschaftsunternehmen sagten, dass jetzt die Anarchie ausbricht, wenn auf einmal die Bürger bestimmen, wo es langgeht.“
Ursula Sladek: „Man sollte sinnvolle Strukturen nützen. Trotzdem klar machen, das ist mein Thema, hier bin ich konsequent.“
„Es war zunächst einmal nur eine Provokation. Wir waren gespannt, wie die Obrigkeit mit ihren rebellischen Bürgern umgeht. Und marschierten im Juni 98, allen voran die Trommler des Fanfarenzugs in Revoluzzertracht von 1848, von der Gerichtslinde hoch zur evangelischen Bergkirche. Trachten- und Heimatgruppe, Pferdekutschen waren dabei.“ Und das Denkmalamt teilte selbigen Tages die bisher verweigerte Genehmigung für die 50 kWp große Gesamtanlage mit. „Ist das nicht eine super Geschichte dafür, wie man sich nicht abfinden muss, wenn etwas diktiert wird, sondern sich dagegen öffentlichkeitswirksam wehrt und alle einbindet?“ Nett gesagt, aber woher kommt die Power, der lange Atem, der nötig ist, um auch quälende lange Strecken durchzuhalten, umzukehren, falsche Wege zu verlassen? „Man braucht eine Motivation und das schaffen Sie nicht 20 Jahre lang mit einem triefenden Matschauge. Da muss doch auch Spaß und Freude sein und es gibt eine heilige Zielsetzung: Schöpfungserhalt heißt, ich lebe auf dieser Welt, soll und kann sie gestalten und hinterlasse sie so, dass meine Nachkommen auch auf ihr leben können. Das ist eine heilige Motivation. Schöpfungsbewahrung ist so konservativ – da lebt man in der Welt wie in einem Museum drin.“
Dr. Michael Sladek: „Unser Förderprogramm mit dem Sonnencent ist wie ein Akt, die Hände aufzutun und die Sonne zu ernten.“
„Wir haben sehr viele Menschen kennengelernt – das ist der bereichernde Teil. Die Kinder haben manchmal gelitten, aber auch Freundschaften, man ist sehr fokussiert in der Arbeit. Freundschaften kosten aber auch Zeit. Und das werden wir erst im Alter erleben – das eigentliche Opfer sieht man erst, wenn man dann älter geworden ist.“ Was ist es dann, was Menschen wie Ursula und Michael Sladek antreibt und einen Weg gehen lässt, der auch beschädigt? „Ich hab‘ ein komisches Glaubensbild. Gott ist auch in mir. Das ist die Freiheit, die Kreativität und Möglichkeit der Lebensgestaltung. Man darf sich nicht durch die lange Distanz zum Ziel aus der Ruhe bringen lassen. Man hat einen freien Willen und kann viel mehr Dinge entscheiden, als man meint. Das Schlimmste ist bei uns der vorauseilende Gehorsam, nicht zu hinterfragen, sondern zu gehorchen. Man muss nicht nur von der Würde des Menschen reden, sondern einen respektvollen Umgang mit sich selber haben. Man kann entscheiden, ob man ein Mückenschiss im Weltall ist oder zur Fraktion ‚Auf-mich-kommts-an‘ gehört, die mit Lebensfreude was gestalten will...“ J. Rainer DidszuweitPfarrerinnen und Pfarrer, Lehrer oder andere „Multiplikatoren“ im Bildungsbereich können sich bei Fragen zu Klima, Energie, Technik oder Naturwissenschaften unter theologischer Perspektive wenden an Dr. Hubert Meisinger, Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung, h.meisinger@zgv.info oder Tel.: 06131 2874450. Herr Burkhard Müller in der EKHN-Kirchenverwaltung bietet für Gemeinden einen Service in Sachen Energie-Controlling, Tel.: 06151 405 127 Die EKHN führt darüber hinaus zur Zeit Gespräche mit Energieanbietern über vergünstigte Rahmentarife für Kirchengemeinden, die Öko-Strom und Gas beziehen möchten.
Link-Tipps: Elektrizitätswerke Schönau Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN: Verbraucherportal mit Strompreisvergleich (auch für Öko-Strom) Checkliste Energiesparen in Kirchengemeinden als Download |
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erschienen
in echt, 4. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt |