Mit separaten Gottesdiensten für Kinder machen wir seit einigen Monaten sehr gute Erfahrungen. Mein Team und ich können viel gezielter auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Altersstufen eingehen. Auch die Begabungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen besser zum Tragen, ebenso der seelsorgerliche Aspekt. Für all das, was Kinder in ihrem Alltag erleben, ist genügend Raum. Sie können ausführlich erzählen, was sie bewegt, freut oder beunruhigt. Insgesamt wächst die Nähe der Kinder zur Gemeinde.
Kinder lassen sich in eigenen Gottesdiensten sehr gut an die wichtigen liturgischen Elemente heranführen, die von der Form her ähnlich sind wie im Hauptgottesdienst. Dass sie dabei zu keiner Zeit in einen Nebenraum abgeschoben werden, sondern die Kirche komplett für sich haben, erleben sie als besondere Wertschätzung. Im normalen Gottesdienst dagegen wird meist das geboten, was die Erwachsenen wünschen, und Kinder haben oft das Gefühl: Dafür bin ich noch zu klein. In eigenen Gottes-diensten hingegen können wir Inhalte kindgerecht verständlich machen und eigene Formen von Spiritualität entwickeln.
Hauptgottesdienste beinhalten viele traditionelle Elemente, mit denen Kinder ihre Schwierigkeiten haben. Durch ihre Unruhe fühlen sich andere dann leicht gestört. So entsteht für beide Seiten eine unangenehme und konfliktbeladene Situation, die der Atmosphäre nicht zuträglich ist. Insgesamt gilt es, sowohl die Interessen der Kinder als auch das Bedürfnis anderer Gottesdienstbesucher nach Andacht und Spiritualität zu achten. Eine eigene Gottesdienstform leistet einen wichtigen Beitrag zu einem solchen Ausgleich.
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Die Begegnung von Generationen
ist ein wesentlicher Teil des Gemeindegottesdienstes. Da sich unsere Gesellschaft immer mehr ausdifferenziert und auch in Familien immer weniger Generationen aufeinandertreffen, gewinnt dies an Bedeutung. Es ist wichtig, Kinder auch zum Abendmahl einzuladen. Die Versammlung der Familie Gottes um den Tisch ist dafür ein gutes Bild. Dass Jesus Christus dabei gegenwärtig ist, können bereits die Kleinsten sehr gut nachvollziehen. Familien machen so gemeinsame spirituelle Erfahrungen.
Wenn Kinder im Gemeindegottesdienst als wichtige Gruppe wahrgenommen werden, signalisiert es ihnen besondere Wertschätzung. Auch wenn man sie gezielt einbezieht und kindgerechte Lieder aufnimmt. Dafür muss die Gemeinde ein Bewusstsein entwickeln. Das ist bei den Kleinen wie bei den Großen ein Lernprozess, der seine Zeit braucht, doch man sollte den Mut haben, ihn zu wagen. Schließlich geht es im Gottesdienst nicht nur um die Erwartung der Erwachsenen, sondern darum, dass sich alle willkommen fühlen. In unserer Gemeinde verlassen die Kinder daher nur während der Predigt den Kirchenraum und erarbeiten das Thema in kreativer Form.
Befürchtungen, dass Kinder durch Laut-Sein im Gottesdienst stören, haben sich bei uns in keiner Weise bestätigt. Oftmals sind Erwachsene sogar unruhiger als Kinder, die sehr konzentriert mitfeiern und in dieser Hinsicht für viele ein Vorbild sind. Wenn Kinder oder Konfirmanden im Gottesdienst kichern, ist das kein böser Wille, sondern meist Unsicherheit, die genau dadurch entsteht, dass sie sich als Fremdkörper fühlen, weil sie sich mit Formen und Inhalten des Gottesdienstes nicht früh genug vertraut machen konnten. |