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echt
Einfach Ernst machen
Es kommt immer was dazwischen. Und dauert länger als geplant. Wieder nicht dazu gekommen, das Geburtstagspäckchen auf den Weg zu bringen. Die Gartenmöbel in den Keller zu bringen. Und wieder mal zu lange vor dem Computer gesessen. Kann man da nichts gegen tun? Es gibt Anzeichen dafür, dass Menschen ziemlich oft über sich selbst stolpern. Weil vieles zu viel ist. Und vieles zu schnell geht. Wir merken, dass es nicht so einfach ist, gegenzusteuern und einfacher zu leben. Wir merken das in unserem eigenen Alltag, in dem unserer Freunde, und wir merken es in der Buchhandlung. Da liegen nämlich meterweise Sachbücher für Zeitmanagement und gegen Schweinehunde, für Ordnung und gegen Gerümpel. Für das einfache Leben! Der Pfarrer Werner Tiki Küstenmacher hat dazu einige Bestseller beigesteuert. Seine Formel heißt: Simplify your life. Vereinfache dein Leben. Echt hat ihn gefragt – und zwar ganz im Ernst: Wie lebe ich einfacher? Wenn Sie die Frage wörtlich nehmen, enthält sie schon die Antwort: Tun Sie nur eine Sache zu einer Zeit. Schluss mit dem ungesunden Multitasking (Lesen beim Essen, E-Mails bearbeiten beim Telefonieren). Leisten Sie sich den noblen Luxus, sich nur mit einer Aufgabe zu befassen. Mit der aber intensiv, liebevoll und dankbar. Widmen Sie sich auch Aufgaben wie: den Sternenhimmel bewundern; das eigene Herz schlagen hören; den Menschen, den Sie lieben, nur ansehen. Wie finden wir einen Anfang, wenn wir etwas vorhaben – was tun gegen Aufschieberitis? Fangen Sie nicht mit dem Anfang an. Sondern mit dem, worauf Sie sich am meisten freuen. Im Computerzeitalter ist es kein Problem, bei einem Brief oder Artikel mittendrin zu beginnen und später die (meist schwierige) Einleitung dazuzufügen. Bringen Sie sich in Zugzwang. Indem Sie alle Sachen für das Päckchen auf Ihren Arbeitstisch stellen. Dann kommen Sie zu den alltäglichen Aufgaben erst, wenn Sie die Blockade erledigt haben. Träumen Sie. Stellen Sie sich in das vermüllte Kellerabteil und malen Sie sich vor
Und wie wird man eine lästige Gewohnheit los, vom Rauchen bis zum grenzenlosen Internetsurfen, vom Dauermeckern bis zum Naschen? Formulieren Sie Ihre Sucht. Jede kleine oder große Sucht ist eine Suche. Sie soll Ihnen etwas geben, was Sie auf dem normalen Weg nicht bekommen. Schreiben Sie auf: Ich rauche, weil ich eigentlich ... möchte. Wenn Sie dieses „...“ formulieren können, sind Sie schon ein riesiges Stück weiter. Unterschätzen Sie Ihren Gegner nicht. Sehen Sie Ihre lästige Gewohnheit als Feind, der zwar Ihr Gesicht trägt, aber nicht mit Ihnen identisch ist. Sie können ihn nur besiegen, wenn Sie ihn als Gegner ernst nehmen und würdigen. Stellen Sie sich bildlich vor, wie Gott auf Ihrer Seite steht – etwa in der Gestalt Jesu. Wie fühlt sich das an? Jetzt sind Sie doch stärker als der Feind, oder? Scheitern Sie richtig. Wenn Sie einen guten Vorsatz gefasst haben, dann begreifen Sie eine einzelne Zigarette (eine Surf-Orgie, einen Wutausbruch, ein Stück Schoko) nicht als Ende Ihres neuen Weges, sondern als ganz normalen Rückschlag. Geben Sie nicht auf, sondern sorgen Sie mit viel Sportsgeist dafür, dass Rückfälle immer seltener Alles klar? Jetzt fragt sich natürlich noch, wann Sie anfangen wollen, einfach zu leben. Schon im Dezember – der eine besondere Herausforderung darstellt. Oder lieber erst im Januar. Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Marie Lampert
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erschienen
in echt, 4. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt |