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Karen Seßler

„Super freundlich und unkompliziert...”

 

Karen Seßler, 34, lebt in Wiesbaden und hat einen sechs Monate alten Sohn. Die Diplom-Kauffrau arbeitet zurzeit auf Teilzeitbasis für ein Finanzierungsinstitut in Mainz.

Als ich nicht mehr regelmäßig ins Jugendzentrum gegangen bin, ist der Kontakt zur Kirche einfach abgebrochen. Unsere Gemeinde in Flensburg hat ein Jugendzentrum geführt. Da war ich von Anfang an dabei. Eigentlich ging es mit dem Kindergottesdienst los. Freitagnachmittags, das werde ich nie vergessen. Wir haben aus dem Kindergottesdienst heraus die Weihnachtsaufführung gemacht. Einmal war ich Engel und im Jahr darauf die Maria. In dem Jahr war das Lampenfieber am größten, obwohl die Maria gar nicht viel zu sagen hatte. Wir waren auch auf Kinderfreizeiten und haben tolle Lieder gesungen. Die sind mir heute noch im Kopf. Obwohl meine Familie nicht sonderlich religiös war, bin ich eigentlich in der Kirche groß geworden.“

Noch während der Kindergottesdienstzeit bin ich zur Kinderdisco gegangen. Aus dieser Disco heraus hat sich das Jugendzentrum entwickelt. Wir haben Skat gespielt, die Räume gestaltet, sind Kanu gefahren und haben getöpfert. In der Gruppe hat jeder unterschiedlich Verantwortung übernommen. Bei den Freizeiten war man zum Beispiel einen Tag zuständig für das Kochen, am nächsten Tag für das Programm oder für die Betreuung der Kleineren. Wenn die Betreuer gemerkt haben, dass es Streit gibt, wurde das angesprochen und geklärt.“

Das war damals insgesamt eine super Sache. Die Betreuer waren ja neben meinen Eltern auch meine Bezugspersonen. Da konnte man immer hingehen. Es war immer jemand da, der zugehört hat und der auch gesehen hat, wenn man nicht gut drauf war. Die kannten mich einfach jahrelang. Spezifisch kirchlich war das Angebot im Jugendzentrum schon durch die Nutzung der Räume im Gemeindezentrum. Betreut haben uns der Pastor, die Mitarbeiter der Gemeinde und eine Zeit lang eine Sozialarbeiterin. Nach der Konfirmation – ich war schon 15, weil ich mit meiner Schwester zusammen konfirmiert wurde – ging es mit dem Jugendzentrum richtig los. Ich war tagsüber dort bis ich 17, 18 Jahre alt war und sich die Gruppe dann aus beruflichen Gründen voneinander entfernt hat. Ich war zuerst auf der Hauptschule und habe dann Realschule und Abitur nachgemacht. Die meisten meiner Schulfreunde haben aber eine Ausbildung begonnen. Die hatten dann nur noch abends Zeit, wenn das Jugendzentrum schon geschlossen war. So ist der Kontakt zur Kirche abgebrochen.“

Es gab kein Angebot für unsere Altersklasse und wir haben es auch nicht gebraucht. Wir hätten ja aus der Gruppe heraus etwas für abends fordern können, aber als die ersten ihre eigenen Wohnungen hatten, haben wir uns dort getroffen. Nach dem Abi bin ich zum Studium nach Gießen gezogen. Dort hatte ich überhaupt keinen Kontakt zur Kirche, es hat sich auch nie jemand bei mir gemeldet – auch kein Kirchenblatt ist angekommen. Ausgetreten bin ich sechs Jahre später, als ich schon in Frankfurt gelebt und gearbeitet habe. Auch dort hat mich nie jemand angeschrieben. Ich war beruflich sehr eingespannt, hatte keine Zeit, mich in einer Gemeinde einzubringen, und dachte, dann kann ich auch austreten. Außerdem musste ich auch finanziell über die Runden kommen.“

An die Kirche gedacht habe ich wieder, als ich schwanger war. Jetzt ist mein Kind da und ich habe mehr Zeit. Insbesondere für mein Kind möchte ich den Kontakt zur Kirche wieder aufbauen. Denn die Zeit, als ich den Kindergottesdienst und das Jugendzentrum mitgemacht habe, hat mich sehr geprägt. Ich hoffe jetzt, dass mein Sohn auch die Möglichkeit hat, eine solche Einrichtung zu nutzen und das zu erleben. Ich habe deshalb das Telefonbuch aufgeschlagen, um zu sehen, welche Gemeinde zu mir gehört. Im April bin ich dann wieder eingetreten. Es war super freundlich und ganz unkompliziert.“

Dass ich mich wieder der Kirche zugewandt habe, kam nur von mir. In meinem Freundeskreis sind nicht mehr viele in der Kirche. Es war auch gar nicht so leicht, Taufpaten zu finden. Mein Sohn wurde im August in Flensburg getauft – mit katholischen Paten. Im Dezember ziehen wir dann in den Wiesbadener Stadtteil Schierstein. Dort möchte ich dann die Gemeinde kennen lernen.““

AUFGEZEICHNET VON RENATE HALLER

echt info
In die evangelische Kirche eintreten können Sie bei den Kirchengemeinden sowie speziellen Eintrittsstellen, die es an verschiedenen Orten unseres Kirchengebietes gibt. Weitere Informationen finden Sie unter
www.ekhn.de/eintreten

 


erschienen in echt, 3. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt
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