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echt
Wenn Raupen wüssten ... Als junge Frau war die spätere Ärztin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross 1947 einmal im Konzentrationslager Majdanek. Sie besichtigt das Lager, in dem wenige Jahre zuvor zahllose Menschen umgebracht wurden. Wie sie selbst später berichtet, entdeckt sie dort, dass Häftlinge, offensichtlich Kinder, auf einer Wand Bilder von Schmetterlingen eingekratzt hatten. Schmetterlinge im KZ?
Schon immer haben sich Menschen verwundert die Augen gerieben, wenn aus der trägen Raupe auf geheimnisvolle Weise ein fantastisch bunter, leichter Flieger wird. Es ist kaum zu glauben, wie das möglich ist, zumal überhaupt keine Ähnlichkeit zwischen der einen und der anderen Existenz besteht. Ist diese Verwandlung des auf der Erde kriechenden Tieres in eine fast unkörperliche flüchtige Erscheinung nicht möglicherweise ein Hinweis, dass auch der Mensch...? Wenn der Raupe Flügel wachsen, sie also eine weitere Dimension dazugewinnt, dann kann das doch auch uns Menschen blühen. Dass wir in und nach dem Tod eine weitere Dimension erleben, die uns alles Erdenschwere vergessen lassen wird. Der Tod wäre dann nicht mehr das Letzte. Wie sich die Raupe in den starren und unansehnlichen Kokon verpuppt, aus dem danach wie durch ein Wunder der Schmetterling schlüpft, wäre auch unser Sterben nichts weiter als ein Übergang in ein verwandeltes Leben. Und Jesus hat recht, der über dieses andere, jenseitige Leben der Menschen sagt: „Wenn sie von den Toten auferstehen werden, so werden sie wie die Engel im Himmel sein!“ (Markus, 12, 25). Werden also weder Mann noch Frau sein, weder jung noch alt, sondern in einem neuen, uns unbekannten Zustand existieren, eben wie Engel.
Pfarrer Helwig Wegner-Nord leitet das MEDIENHAUS der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser Und diese Erinnerung ist nötig. Denn Raupe wie Mensch haben ein Problem. Sie wissen nicht, was aus ihnen einmal wird. Sie überblicken nur den Zeitraum bis zu dem, was sie für ihr Ende halten, den Tod, die Verpuppung. Was dann folgt, bleibt so lange ein Geheimnis, bis es selbst erlebt wird. Wenn wir aber darauf vertrauen, dass uns dann eine neue Existenz in himmlischen Dimensionen erwartet, dann können wir, wie der Schriftsteller Heinrich Böll es beschreibt, anders leben: froher, zuversichtlicher, hoffnungsvoller. Helwig Wegner-Nord |
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erschienen
in echt, 3. Quartal 2007
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