echt bunt

„... und unten tobt der Bär“

Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker

 

 

Im Langener Zentrum
für Jung und Alt (ZenJA)
werden Generationen
gemeinsam aktiv.

 

 

„Bingo!“ die neunjährige Charlotte blinzelt stolz zur Oma und flitzt zur Spielleiterin. Die bestätigt lächelnd: „Ja, gewonnen!“, und zahlt den Gewinn aus. Vor Aufregung kann die Kleine kaum zählen. Schließlich flüstert sie: „Ein Euro zwanzig.“ Zwischen acht und 80 Jahre alt sind die Frauen und Kinder, die heute im Café des Langener ZenJA zusammen spielen. Die aus Eigen-initiative entstandene Spielrunde ist nur ein Farbtupfer auf der Palette des Zentrums. Mittlerweile gehört es zum Förderprogramm „Mehrgenerationenhäuser“ des Bundesfamilienministeriums. Um eine Art Marktplatz geht es – mit Austausch, Hilfe, Fortbildung – für jedes Alter. Auch Bundesministerin Ursula von der Leyen wuchs unter mehreren Generationen auf und will nun auf moderne Weise wiederbeleben, was an gegenseitiger Unterstützung verloren gegangen ist. Mit dem Fünf-Jahres-Programm fördert sie 500 Häuser mit jährlich je 40.000 Euro.

Seit Januar gehört auch das ZenJA dazu, es sei so etwas wie die A-Klasse unter den Mehrgenerationenhäusern, erklärt die Sprecherin des Bundesprogramms Christina Vardakis. Besonders schön, besonders gut ausgestattet, vor allem aber leuchte es durch besonders viel Erfahrung in der Kinderbetreuung. Andere haben mehr Know-how im Dienstleistungsbereich oder im Umgang mit Sponsoren. Im Austausch miteinander sollen sie sich gegenseitig befruchten und später als Vorbild dienen. Wie einige andere Häuser auch ist ZenJA von bereits bestehenden Gruppen aufgebaut worden: von Mütterzentrum, Seniorenhilfe und Elternservice. Als die Idee reifte, sich zusammenzutun, waren alle drei bereits seit Jahren etabliert – und doch wäre niemand von den Senioren auf die Idee gekommen, ins Mütterzentrum zu einem Vortrag zu gehen. Auch umgekehrt wäre undenkbar gewesen, was heute selbstverständlich auf der Tagesordnung steht – etwa, dass muslimische Mütter Deutschkurse der Seniorenhilfe besuchen.

Gesucht – gefunden
Die Augen von Geschäftsführerin Monika Maier-Luchmanns blitzen unternehmungslustig, während sie Beispiele nennt: Ältere Frau sucht jemanden, der ihr eine Lampe anschraubt, älterer Mann jemanden, der Hemden bügelt – passt. Eine Mutter lässt sich im Rahmen des Elternservice zur Tagesmutter fortbilden, eine andere sucht händeringend nach einer solchen – gefunden. Eine 70-Jährige, deren Enkel weit weg wohnen, will Leihoma werden – im Café lernt sie eine junge Mutter mit zwei Kindern kennen. „Bloß nichts aufgesetztes“, schüttelt sich die Hüterin der Generationen. Die Leute sollen selbst aktiv werden. So wie die drei Mütter, die draußen auf der Terrasse plaudern. Aber in welcher Sprache? „Japanisch“, zwinkert Yoshie Mizutani und erzählt, wie sie in dem von einer deutschen Übersetzerin initiierten Deutsch-japanisch-Kreis zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Sie verbessert ihr Alltagsdeutsch und kommt in ihrer Muttersprache zu Wort. „Das geht sonst so selten, ich habe oft richtig Heimweh danach.“

Bunt und fröhlich
Das Bundesprogramm spricht werbedeutsch von „Dienstleistungsdrehscheibe“, Maier-Luchmann sagt, „unten tobt der Bär und oben haben wir auch viel zu tun“. Mit „unten“ meint sie das Herzstück des Hauses, das ganztags geöffnete Café, sowie den Sportraum, wo gerade Kindertanzen stattfindet, und die Seniorenhilfe; „oben“ heißt Tageskinderbetreuung, Krabbelgruppe, Fortbildung und – Verwaltung. Dank des guten Zuspruchs braucht das Haus immer mehr davon. Gerade das offene, flexible Prinzip nämlich lebe von guter Organisation und Verbindlichkeit. Dennoch sei ihre Arbeit keinesfalls uneigennützig, lächelt die Mittvierzigerin: „Wenn ich mal alt bin, hoffe ich sehr, dass es dieses Haus noch gibt. Genauso bunt und fröhlich wie jetzt. Damit ich einen Platz habe, wo ich hingehen und mich wohl fühlen kann!“
SYLVIA MEISE
Illustration: Heiko Sakurai

Link-Tipps:

Website des Zentrums für Jung und Alt in Langen: http://www.zenja-langen.de

Website des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser mit Verzeichnis aller beteiligten Häuser in Deutschland: http://www.mehrgenerationenhaeuser.de/


erschienen in echt, 3. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt
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