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echt
„Unerwartet unverstaubt...”
„Ich bin evangelisch getauft und konfirmiert, aufgewachsen jedoch bin ich inmitten einer überwiegend katholischen Umgebung auf dem Land in Bayern. Wir drei Evangelischen waren da natürlich kaum in eine Gemeinde eingebunden. Manchmal bin ich mit Schulkameraden in die katholische Kirche gegangen. „Ein weiteres Negativ-Kirchenbild habe ich durch einen evangelischen Pfarrer verinnerlicht, der uns ab und an besuchte. Ein furchtbarer Mensch. Ich habe immer seine Kinder bedauert, die Sätze sagten wie ‚Mutter, darf ich den Vater fragen, ob ich schwimmen gehen darf?‘ Das war Anfang der sechziger Jahre! Damals wurde man mit 21 erst volljährig – aber, sich für oder gegen die Kirche entscheiden, das durfte man schon mit 18. Ich begrüßte diese Freiheit und trat aus. Trotzdem habe ich mich mit religiösen Themen beschäftigt. Mich hat immer interessiert, wie soziale Fragen mit religiösen zusammenhängen.“
„Meine vier Geschwister und ich wurden ganz selbstverständlich nach einer christlich geprägten Ethik erzogen. Wie auch meine eigenen Kinder aus erster Ehe, Julia und Florian. Wir Eltern haben ihnen die Entscheidung pro oder kontra Kirche selbst über-lassen – mit 14 oder 15 haben sie sich dann taufen lassen. Julia ist auch konfirmiert, Florian hat darauf verzichtet, ist aber jetzt kirchlich verheiratet – und hat mich vor zwei Jahren zum Opa gemacht.“ „Mittlerweile bedeutet ‚Kirche‘ für mich vor allem hohes soziales Engagement. Vor fünf Jahren fand da bei mir ein Hinwenden statt, letztendlich angestoßen durch unsere Kirchengemeinde. Die suchten Unterkunft für eine Praktikantin. Da haben meine Frau und ich sofort einen Platz angeboten und sie war dann sechs Wochen bei uns. Jeden Abend saßen wir zu dritt in unserem Wohnzimmer bis in die Nacht und haben im wahrsten Sinn des Wortes über Gott und die Welt diskutiert. Diese Theologiestudentin war ganz unerwartet unverstaubt und hat mich durch ihre Lebendigkeit und ihre Frische überrascht. Mittlerweile ist sie Pfarrerin und wir sind mit ihrer ganzen Familie befreundet.“
„Der letzte Auslöser für meinen Wiedereintritt im letzten Jahr war recht profan. Mein – kirchlicher – Arbeitgeber bot mir nach zehnjähriger freier Mitarbeit eine Stelle an. Der Eintritt war kein Muss, aber bei Mitarbeitern, die eine gewisse Verantwortung tragen, wäre das doch schön, hieß es. Ich habe mir Bedenkzeit genommen und gemerkt: Da ist kein großer Graben zu überspringen. Kirche war mir seit etlichen Jahren nicht mehr fern. Meine zweite Frau singt im Kirchenchor und engagiert sich sehr in unserer Gemeinde. Und ich habe mich in meiner ‚Gemeinde‘, meinem Betrieb engagiert. Jetzt auch als Betriebsrat.“ „Seit kurzem wird dort eine alte Tradition wiederbelebt. Mitarbeiter halten freitagmorgens kleine Andachten – eine halbe Stunde, wo man mal zur Besinnung kommt und etwas ganz anderes macht. Früher bin ich nicht hingegangen, jetzt nehme ich das ganz bewusst wahr. Es ist eine Ver-langsamungsstra-tegie, ein Ruhepunkt. Es gibt einen Satz, der mich schon lange begleitet: ‚Nichts ist Gott ähnlicher als die Stille.‘ Eine Formulierung vom Mystiker Meister Eckhart. In diesem Sinne war sicher auch mein Vater religiös. Er ist so gern ins Gebirge gegangen und sagte dann immer: ‚Mei is des schön staad – (still) – da heroben.‘“ AUFGEZEICHNET VON SYLVIA MEISE echt info
In die evangelische Kirche eintreten können Sie bei den Kirchengemeinden sowie speziellen Eintrittsstellen, die es an verschiedenen Orten unseres Kirchengebietes gibt. Weitere Informationen finden Sie unter www.ekhn.de/eintreten
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erschienen
in echt, 2. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt |