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„Ist niemand verboten, ein Besseres zu machen.“ Stellen wir uns mal an das Ufer, an den Rand eines fremden Gewässers. Das Wasser trennt uns von der anderen Seite. Eine Brücke ist nicht in Sicht. Wir halten nach der Fähre Ausschau, zumindest einem Boot, mit dem wir hinübergelangen können. „Hol über“, haben die Menschen früher dem Fährmann auf der anderen Seite zugerufen, wenn sie übersetzen wollten. Übersetzen? Das Wort hat in unseren Ohren meistens eine andere Bedeutung. Wir verstehen darunter die Übertragung eines gesprochenen oder schriftlichen Textes von einer in eine andere Sprache. Dass wir nur ein einziges Wort für beides haben, hat seinen Grund. Übersetzen und Übersetzen, das hat viel miteinander zu tun: Man verlässt vertrautes Gelände, geht das Risiko ein, von einer starken Strömung fortgerissen zu werden oder gar zu kentern, und landet, wenn’s gut gegangen ist, an einem an-deren Ufer, in einer anderen Kultur, gewinnt neues Land und eine neue Perspektive. Übersetzerinnen und Übersetzer sind risikobereite Fährleute. In den zurückliegenden Monaten hat die neueste Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache für viel Gesprächsstoff gesorgt. Das 2.400 Seiten dicke Buch nennt sich „Bibel in gerechter Sprache“.* Ein Team von 52 Übersetzerinnen und Übersetzern hat fünf Jahre daran gearbeitet, über 1.000 Menschen haben das Geld gespendet, um das Projekt zu ermöglichen. Das Interesse an dieser Übersetzung war so groß, dass gleich nach Fertigstellung alle Exemplare der ersten Auflage verkauft waren und weitere nachgedruckt werden mussten. Heftig war aber auch die Kritik an dieser „Bibel in gerechter Sprache“. Und es gab, das war nicht anders zu erwarten, auch reichlich dümmliche Polemik. Schon Martin Luther hatte in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ darüber geklagt, dass an seiner Bibelübersetzung am lautesten diejenigen Kritik üben, die sich nie selbst an solch einer Arbeit versucht haben: „Ist niemand verboten, ein Besseres zu machen.“
Pfarrer Helwig Wegner-Nord leitet das MEDIENHAUS der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser Wie immer das Urteil über diese Bibelübertragung ausfällt, was man auch von Qualität, Schönheit und Angemessenheit der übersetzten Texte hält – in einem kann man sich einig sein: Das Interesse daran, Bibeltexte neu zu lesen und den ungewohnten mit dem gewohnten Klang zu vergleichen, wurde in einem solchen Maß geweckt, wie das nur wenige erwartet hatten. Die Bibel sorgte für Schlagzeilen und Gesprächsstoff, nicht nur in kirchlichen Hauskreisen. Die einen entdeckten ihre vernachlässigte Liebe zur vertrauten Lutherbibel neu, andere wurden darauf aufmerksam, dass es in der Tat längst eine Vielzahl von deutschen Übersetzungen und Übertragungen der bibli-schen Texte gibt, die sie bislang gar nicht zur Kenntnis genommen hatten. Dieses große und mutige Projekt hat noch ein-mal deutlich gemacht, dass Gott in jedem Fall die Möglichkeiten der Sprache übersteigt. Was wir können, bleiben Annäherungen. Oder eben auch: ein immer neues Übersetzen an neue Ufer. Helwig Wegner-Nord echt info Zürcher Bibel: Herausgegeben vom Kirchenrat des Kantons Zürich, geht auf die Reformation Zwinglis zurück |
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erschienen
in echt, 2. Quartal 2007
Copyright by EKHN, Darmstadt |