echt Posaune

Barbara Alban

Klang und Gefühl

Welche Musik die Frau gerne hört, verrät ihre Frisur: „Ich mag Punk mit politischen Texten – zum Beispiel von den Toten Hosen“, erklärt Barbara Alban aus dem idyllischen Rheingau. Doch im Wohnzimmer der 44-Jährigen steht nicht etwa eine E-Gitarre, sondern ein Instrument, das genau doppelt so alt ist wie sie selbst.

„Auf meine Posaune bin ich stolz“, sagt die begeisterte Bläserin im evangelischen Posaunenchor von Eltville-Erbach. Und empfindet es keineswegs als ungewöhnlich, dass sie so unterschiedliche musikalische Vorlieben in sich vereint: „Auch Kirchenmusik ist doch etwas sehr Zeitgemäßes“, erteilt sie Klischees sofort eine klare Absage, die hinter dem Posaunenblasen eine verstaubte und spießige Tradition vermuten. Das Repertoire der Chöre umfasse heutzutage neben Chorälen und Kirchentagsliedern ganz selbstverständlich auch Jazz oder Bearbeitungen von Pop- und Rocksongs. „Gigantisch“ findet es die Mutter von drei Söhnen, wenn ihr Posaunenchor Gospelsongs in der Kirche spielt und die Leute spontan mitklatschen.

Evangelische „Task-Force“
Mit 36 Mitgliedern ist er einer der größten in der Region und im katholisch geprägten Rheingau eine feste Größe. Zum Beispiel bei Veranstaltungen wie dem überregional bekannten Erdbeerfest oder bei Events in Weingütern. „Durch uns nehmen die Menschen hier evangelische Kirche ganz bewusst wahr“, erklärt Barbara Alban, die Landwirtschaft studiert hat, und ergänzt: „Posaune-Blasen ist eine Form von Verkündigung und fügt dem Wort etwas Wichtiges hinzu: Klang und Gefühl.“

Als besondere Stärke empfindet sie die hohe Mobilität: „Wir können an so gut wie jedem Ort spielen.“ Ihr ältester Sohn Adrian hat dafür einen ganz besonderen Ausdruck: „Posaunenchöre sind die ‚Task-Force‘ der evangelischen Kirche“, sagt der 18-Jährige. Und obwohl sie militärische Begriffe eigentlich gar nicht mag, empfindet das auch Barbara Alban als durchaus passend, denn: „Posaunenchöre sind schnell bereit, flexibel einsetzbar und nicht zu überhören.“

Ohne jede Schwere
Gerne verweist sie auf die „soziale Aufgabe“ der Chöre: „Eltern müssen außer einem kleinen Mitgliedsbeitrag kein Geld investieren, damit ihre Kinder ein Instrument erlernen können“, erklärt sie, „Posaunen oder Trompeten werden meist gestellt und der Unterricht ist kostenlos.“ Auch bei Barbara Alban, die jede Woche in Eltville unterrichtet. „Das ist eine wunderbare Möglichkeit Kinder und Jugendliche an die Kirche heranzuführen, ohne dass gleich so eine Schwere reinkommt.“ Besonders freut sie sich, wenn ihre Schülerinnen und Schüler irgendwann ganz automatisch Kirchenlieder auf der Straße vor sich hinsummen, die sie bei ihr im Unterricht geprobt haben. „Das wäre sonst nie vorstellbar“, lacht sie.

Nicht zuletzt gefällt ihr, „dass die vielen Posaunenchöre eigentlich ein einziger, riesengroßer Chor sind.“ Eine Gemeinschaft von so verschiedenen Menschen unterschiedlichsten Alters könne viel bewirken. Schließlich habe man als Posaunenbläserin einen entscheidenden Vorteil: „Ohne lange zu proben, kann man in fast allen Chören Deutschlands sofort mitspielen.“ Eindrucksvoll erlebte Barbara Alban das bei einer Demonstration gegen den Irak-Krieg auf dem Frankfurter Römerberg. „Da haben 300 Bläser die Stadt erbeben lassen.“

Jörn Dietze

Echt info
Posaunenchöre sind ein wichtiger Teil der evangelischen Tradition. Alleine im Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gibt es insgesamt 350 Ensembles mit über 4.500 Mitgliedern. Vernetzt sind sie im Posaunenwerk der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das sie durch Aus- und Fortbildung unterstützt.
Posaunenwerk der EKHN
im Zentrum Verkündigung
Markgrafenstraße 14, 60487 Frankfurt

Tel.: 069/71379-112

www.posaunenwerk-ekhn.de

 


erschienen in echt, 2. Quartal 2006
Copyright by EKHN, Darmstadt
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