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echt
Leben
Was die Musik macht Musik bewegt. Musik berührt. Der Kontakt mit Tönen, Klängen, Melodien verändert. Vier Beispiele, was Musik mit Menschen macht – und Menschen mit ihr.
Der Cello-Umarmer Was bedeutet dir Musik, Christoph? „Eine solche Frage geht an einem Taubblinden vorbei“, sagt Torsten Burkhardt, der Leiter der Schule. Zwar wäre es möglich, Christoph die Frage zu stellen. Eine Lehrerin könnte die Worte in Gebärdensprache übersetzen. Sie kennt ihn seit Jahren. Sie hat ihm geholfen, die Flut von Eindrücken, die jeden Tag auf ihn einwirkt, zu sortieren und zu verstehen. Sie hat mit ihm geübt, sich im Alltag zurechtzufinden und sich mit anderen über wesentliche Dinge zu verständigen. Christoph liest ihre Gebärden mit seinen Händen von ihren Händen ab. Vielleicht würde er antworten und die Lehrerin würde seine Antwort für uns übersetzen. „Musik macht mir Spaß“, würde er dann sagen, oder: „Ich finde sie sehr schön.“ Aber dann würde er wieder zurücksinken in seine Welt, in der Worte – unsere Art, uns mit anderen über Sachen und Gefühle auszutauschen – kaum eine Rolle spielen. „Wir wissen nie, was ein gehörloser Mensch tatsächlich hört“, sagt Torsten Burkhardt. „Aber wir erleben immer wieder, wie Rhythmen und auch Melodien die Kinder erreichen. Und jedesmal wird dann ihre Welt ein wenig größer.“ Cornelia Gerlach Abgeschottet Ich höre alles von Gothrock oder Gothmetal, Paradise Lost oder HIM bis ins Klassische hinein, auch Mozart und Bach, am liebsten was Melancholisches und hintergründig Zweideutiges. Musik berührt mich und das ist das Wichtigste, was Musik tun sollte. Wenn sie nicht berührt, dann ist sie sinnlos. Das mit dem Stöpsel hat sich dann verändert. Ich war mit meinem Onkel in einem sehr speziellen Konzert mit einem Trommler, man lag da auf dem Boden und hat dem Klang gelauscht, da hab ich die Musik ganz stark gefühlt und gesehen. Das war sehr sonderbar und teils erschreckend, weil ich gemerkt hab, dass meine Wahrnehmung weiter geht als das, was ich mir bisher vorgestellt hab. Mir machen neue Horizonte immer Angst. Man weiß ja nie, was kommt. Ich habe jetzt gemerkt, dass ich meinen MP3-Player nicht mehr brauche. Mittlerweile hör ich die Natur sehr gerne, wenn der Wind durch die Bäume pfeift und seine Power zeigt, oder einfach nur das Vogelzwitschern. Das ist schon fast wie Musik. Oder einen Bach rauschen zu hören ist auch wundervoll. Ich wusste gar nicht, was ich früher durch die Stöpsel weggefiltert habe. Marie Lampert Auszeit vom Dauerstress Am meisten leide ich darunter, dass ich nie wirklich meine Ruhe habe. Dadurch bin ich oft sehr nervös, außerdem bekomme ich immer wieder heftige Drehschwindelanfälle. Dann kann ich nur da sitzen und warten, bis es vorbei ist. Dabei höre ich meist Musik, schöne Balladen mit anspruchsvollen Texten. Seit ich auf dem einen Ohr auch schwerhörig bin, höre ich viel genauer zu und fühle mich vor allem über die Worte in die Musik ein. Ich bin ein großer Fan von Herbert Grönemeyer und besuche möglichst oft seine Konzerte! Sonst gehe ich nur selten aus. Unter vielen Menschen kann ich schwer einer Unterhaltung folgen und bin schnell müde oder gereizt. Ein Konzert ist dagegen ein echtes Highlight. Ich sage mir vorher: Mein Tinnitus kann mir später wieder das Leben schwer machen, jetzt ist Pause. Und dann gibt es nur noch die Musik und mich – und ein Gefühl von Freiheit. Mit den Engeln im Himmel tanzen Wenn Kinder sich freuen, dann müssen sie tanzen, müssen sie sich bewegen. Freude zum
Ausdruck bringen, genau darum geht es beim Seniorentanz. Tanz und Bewegung ist für mich
immer etwas Fröhliches, wenn auch manchmal in getragener Form. Ich liebe die Ruhe und Eleganz des langsamen Walzers. Und die Freude an der Musik, die steckt sowieso drin, wenn man lange getanzt hat. Jeder tanzt mit jedem, ohne festen Partner, das ist die Idee und das funktioniert auch. Wenn jemand neu dazukommt, ist jeder von uns bereit, ihn an der Hand zu nehmen, damit er in
Eva Ludwig
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erschienen
in echt, 2. Quartal 2006
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