„Hätte nie gedacht, dass ich mal geistliche Lieder singen würde“, erzählt Arne Engler lachend und ist eine halbe Stunde später völlig in „Jesu meine Freude“ vertieft, eine Kantate aus dem 17. Jahrhundert von Dietrich Buxtehude. Erst seit einem Jahr gehört der 39-jährige Personalberater zum Kirchenchor und will trotz knapper Zeit die Probe nicht mehr missen. Zur Freude von Heike Liening, der Kirchenmusikerin der Frankfurter Maria-Magdalena-Gemeinde. Wenn nämlich alle Chormitglieder dienstagabends mit den Noten rascheln, sitzen 30 Sängerinnen vor ihr, aber nur fünf Sänger. Denen geht es wie Engler. Wer einmal zum Chor gefunden hat, bleibt dabei. Die Musik rückt ganz nah Deren Intensität erlebte er erstmals vor anderthalb Jahren beim Weihnachtsoratorium, das der Erwachsenenchor für die Kinder der Gemeinde sang. So hatte er Bach noch nie gehört, ganz nah rückte die Musik ihm. Und was für eine Freude die Sänger ausstrahlten: „Die ganze Kirche war davon erfüllt.“ Danach wollte er unbedingt dazu gehören. Zusammen Christsein erleben Womöglich sorgen sie sogar für die Gesundheit ihrer Mitglieder. Das legt eine Studie des Musikpädagogischen Instituts der Universität Frankfurt aus dem Jahr 2004 nahe. Mitglieder eines Kirchenchors wurden vor und nach dem Singen des Requiems von Mozart untersucht. Danach war die Leistungsfähigkeit des Immunsystems deutlich höher. Arne Engler hat das Singen schon über Krisen hinweggeholfen. Letztes Jahr hat sich der selbstständige Arbeitsvermittler „manchmal abgezappelt und trotzdem lief es nicht“. Die Familie forderte auch in harten Zeiten den Vater. Und dann noch Chorsingen? Ihm wurde klar, dass er dabei seine Ruhe fand. „Ich bin ein hektischer Typ, aber genau dieses Gegengewicht hat mir gut getan und mir neue Kraft gegeben.“
Foto: Pat Meise
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erschienen
in echt, 2. Quartal 2006
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