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echt Interview
„... dass die Liebe sich auf den Weg macht“
Die Musikerin Sarah Brendel (29) lebt in der Nähe von Mainz und ist als christliche Künstlerin weit über Deutschland hinaus bekannt. Ihr neuestes Album hat sie in Nashville aufgenommen und spielte in den USA Konzerte vor Zehntausenden von Menschen. Mit Erfolg: Das auflagenstärkste christliche Magazin Christianity Today wählte sie im Februar zum „Best new artist of the year 2005“. echt sprach mit ihr über Musik, die Menschen bewegt.
Frau Brendel, Ihr Kollege Xavier Naidoo stürmt im Moment mit christlichem Pop die deutschen Hitparaden. Gibt es eine neue Spiritualität bei jungen Leuten?
Zumindest eine Sehnsucht nach tieferen Werten. Unsere Jugend scheint ja auf den ersten Blick sehr oberflächlich zu sein. Gerade durch Sender wie MTV oder VIVA. Aber es gibt so viele Jugendliche, die hungrig sind nach Lyrik, nach der Sinnfrage. Auf meiner aktuellen Tour lese ich Gedichte
vor und spiele ruhige Folksongs. Und ich war baff: Da kamen nach der Vorstellung 12- bis 18-Jährige zu mir und sagten: Die Gedichte haben uns so bewegt...
Was genau möchten Sie bewirken?
Ich möchte Zeichen in dieser Zeit setzen und vermitteln, dass die Liebe sich auf den Weg gemacht hat. Mir gefällt auch Partymusik, aber meine eigenen Lieder kommen aus meinem tiefen Glauben.
Heißt das, dass Sie Menschen auf einen Weg bringen wollen?
Ich singe nicht plakativ von Gott und falle mit der Tür ins Haus, sondern erzähle Geschichten, wie er mir persönlich begegnet. Das kann bei anderen ja völlig anders aussehen. Ich möchte jungen Leuten vor allem Mut machen, dranzubleiben und die Suche nicht aufzugeben, möchte Beispiele geben, dass Gott sich ganz normal im Alltag zeigt und man nicht unbedingt in die Kirche gehen muss, um ihn zu finden.
Aber man kann ihn doch dort finden?
Ich habe oft erlebt, wie in der Kirche nicht die persönliche Beziehung zu Gott, sondern eine Religion mit klaren Regeln und starren Formen im Vordergrund stand. Das ist oft auch der Grund, warum sie jungen Menschen so kalt und oberflächlich erscheint. Jetzt, nachdem ich Gott getroffen habe, macht Kirche Sinn für mich. Ich merke, dass sich da auch etwas verändert, und gehe gerne in Kirchen, weil ich dort mit anderen etwas teilen kann.
War es die Musik, die Ihnen einen Zugang zum christlichen Glauben eröffnet hat?
Eher umgekehrt: Als ich 16 war, hat mich die Frage nach dem Sinn stark beschäftigt und ich war auf der Suche. Eines Abends habe ich mich vor mein Bett gekniet und gesagt: O.K., Gott, wenn es Dich gibt, dann möchte ich Dir begegnen. Und plötzlich habe ich erlebt, dass etwas mit meinem Herzen passiert ist. Das war ein Gefühl, wie nach Hause zu kommen. Und danach hab ich angefangen, Musik zu machen, weil mich das so bewegt hat, dass ich es mit Worten alleine nicht ausdrücken konnte...
Wie ging es dann weiter?
Ich habe mir eine Gitarre geliehen und Lieder geschrieben. Weil meine Stimme nicht gut war, habe ich mit Gott einen Pakt geschlossen und gesagt: Gott, wenn Du mir eine bessere Stimme schenkst, dann versprech’ ich Dir eins: Ich werd’ immer nur für Dich singen. Schon bei meinem ersten Auftritt in einer Kapelle habe ich gemerkt, dass ich Menschen berühre. Manche haben während der Konzerte geweint. Denn durch die Musik spricht Seele zu Seele.
Christliche Rock- und Popmusik findet aber oft in einer ziemlich abgeschlossenen Szene statt, die nur wenige wahrnehmen...
Ja, leider. Ich hab schnell gemerkt, dass ich auch diesen Stempel verpasst bekam. Und dann hab ich mich bewusst aus dieser Szene herausbegeben und nur noch in Clubs gespielt. Ich mag nicht in eine Schublade gesteckt werden und mich vereinnahmen lassen.
Gilt das auch für Ihren persönlichen Glauben?
Ja, ich finde es egal, ob man katholisch, evangelisch oder freikirchlich ist. Jeder hat seine persönlichen Zugänge und Wege zu Gott. Da gibt es kein Patentrezept, was man zu tun oder zu lassen hat...
Und was ist für Sie selbst wichtig?
Die Gemeinschaft. Auch die Jünger Jesu haben miteinander geteilt und den Glauben gemeinsam gelebt. Das wünsche ich mir auch für die Kirche. Dass es außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste noch mehr Angebote für Jugendliche gibt, bei denen sie genau das erfahren. Wenn ich in einer schönen alten Kirche singe und die ist voller junger Menschen, merke ich, dass da etwas wächst...
Ist das etwas, was die Jugendlichen sonst nicht erleben?
Meistens schon, denn viele verspüren einen großen Mangel – bereits im Elternhaus. Fast alle Eltern von Jugendlichen, die ich kenne, sind geschieden. Und die Kinder haben nie so ein richtiges Fundament und Liebe zu Hause erfahren.
Sie waren kürzlich auf Tour in den USA. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
Der Glaube geht einerseits erstaunlich tief. Andererseits besteht die große Gefahr, dass er politisch missbraucht wird. Man spricht im Alltag viel über Gott. Ob und wie sich das dann aber im gegenseitigen Umgang wirklich ausdrückt, ist eine ganz andere Frage – aber letztendlich die entscheidende. In den Jugend-kulturen der USA läuft das viel polarisierter ab als hier: Die einen sind sehr extrem und charismatisch, die anderen stehen dem christlichen Glauben total distanziert gegenüber – mit fast atheistischen Zügen.
Wie kommt es überhaupt, dass Sie in Englisch singen, statt in Ihrer Muttersprache?
Als ich es mit deutschen Texten mal probierte, klang das so nach Schlager. Aber es hat vor allem auch damit zu tun, dass ich Musik als eine Weltsprache empfinde – und Englisch ist das eben auch. Das passt für mich zusammen, weil beides in einer gewissen Weise universell ist. Es gibt so gut wie überall Menschen, die so nicht nur die Musik, sondern auch meine Texte verstehen. Zu Hause bin ich mit Bob Dylan und Neil Young aufgewachsen und habe dann in schlechtem Englisch angefangen zu schreiben (lacht).
Musik gehörte also auch zum Lebensgefühl Ihrer Eltern?
Ja, sie waren in den 60er-Jahren immer auf der Suche – mit Musik und Malerei, aber auch mit Drogen. Sie haben alle möglichen religiösen Richtungen ausprobiert und sind über eine geschenkte Bibel zum Glauben an Jesus gekommen. Heute leben sie ohne Drogen, sind aber immer noch Künstler. Und Pastoren in einer kleinen Gemeinde, die sie gegründet haben.
Und was steht für Sie selbst in Zukunft an?
Ich hab mir vorgenommen, wie Bob Dylan auf der ‚Never ending tour‘ zu sein. Und dann wieder für eine Zeit nach Hause kommen und es genießen. Und ich möchte mir immer neu die Frage stellen, wie ich jungen Leuten zeigen kann, dass es sich lohnt, so richtig für eine Sache zu brennen...
Interview: J. Rainer Didszuweit und Jörn Dietze
Fotos: Heike Rost
Übrigens:
Sarah Brendel ist echt-Fan und hat uns 10 ihrer CDs geschenkt. Wir verlosen sie unter den Leserinnen und Lesern, die folgende Frage per Postkarte richtig beantworten: „Mit den Songs welcher beiden Musiker wuchs Sarah auf?“
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Weitere Informationen zu Sarah Brendel sowie Konzerttermine finden Sie unter
www.sarahbrendel.de
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