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Wenn verschiedene Religionen gemeinsam beten, hat das eine wichtige Außenwirkung. Die Menschen sehen: Sie schaffen
nicht etwa nur Krieg, sondern Frieden. Da keine Religion ohne Spiritualität denkbar ist, gehören multireligiöse Gebete zu
gemeinsamen Erklärungen oder Diskussionen dazu. Die Beteiligten wachsen sehr eng zusammen, denn sie treffen sich nicht
nur zu einem Anlass, sondern bleiben kontinuierlich im Gespräch.
Während der intensiven Vorbereitung in einer Gruppe wird man sich besonders gut über den eigenen Glauben bewusst, denn wir
müssen den anderen Antworten geben: Warum betet ihr so, wie ihr das tut? Was drückt für euch das Vaterunser aus?
Multireligiöse Gebete ermöglichen eine besonders intensive Verständigung, denn man erfährt sehr viel über die Anderen. Je mehr
Vertrauen man gewinnt, umso mehr kann man auch über die essenziellsten Dinge seines Glaubens reden.
Es gibt gute Liturgien für multireligiöse Gebete, die nach außen hin nicht nur die Gemeinsamkeiten, sondern auch klare Unterschiede deutlich werden lassen. Wenn sehr verschiedene Gebetsformen direkt hintereinander folgen, drückt das unmissverständlich aus, dass wir vor einem Gott stehen, aber unterschiedliche Vorstellungen von ihm haben. Da wir aber dennoch
den gemeinsamen Willen zum Frieden haben, beten wir miteinander.
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Die Religionen haben noch keine gemeinsame Form, Gottesdienst zu feiern, und können noch nicht gemeinsam beten.
Toleranz heißt, was fremd ist, fremd sein zu lassen. Unterschiede muss man aushalten und nicht alles als gleich gültig ansehen.
Ansonsten wird alles gleichgültig und ich nehme weder meinen christlichen Glauben ernst noch den Glauben von Juden oder
Muslimen. Abraham ist die gemeinsame Wurzel, doch in der Interpretation trennen sich die Wege.
Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft, sind aber als Einzelne nicht multikulturell. Gemeinsame Gebete beinhalten immer die Gefahr, dass entscheidende Unterschiede in einem gemeinsamen Harmoniegefühl untergehen. Man mutet sich gefühlsmäßig wie intellektuell das wirklich Fremde nicht zu und lernt auch nicht, es auszuhalten. Zudem verschwimmt die eigene Identität. Nur wenn ich weiß, wer ich bin, kann ich anderen angstfrei und offen begegnen.
Bei gemeinsamen Gebeten stehen die Vertreter der einzelnen Religionen außerhalb ihrer Gemeinderealität. Es lässt sich nicht vermeiden, dass irgendjemandem eine fremde Form übergestülpt wird. Weitaus mehr dient es Frieden und Verständigung, wenn man sich gegenseitig bei den eigenen, originalen Gebetstreffen besucht. Ich gehe zu besonderen Anlässen gerne in die Moschee oder die jüdische Gemeinde.
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