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Schule„In jedem Menschen gibt es einen göttlichen Kern“
Enja Riegel war bis 2003 Leiterin der berühmten Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die in Deutschland die besten PISA-Ergebnisse erzielte. Die Schul-Reformerin spricht über Toleranz, Kraftquellen und Seelenfrieden.
Wie Enja Riegel einen Latte macchiato zubereitet und behutsam Milch und Kaffee schichtet und eine Haube aus Schaum auf den Kaffee setzt, versinnbildlicht ihr Lebensgefühl. „Den Augenblick leben“, sagt sie nach einem bedächtigen Schluck, „das gehört zum Seelenfrieden dazu.“ Für die 65-Jährige ist das mehr als ein Spruch aus besinnlichen Büchlein mit Fotos von Tautropfen in Spinnweben. Auf der Suche nach sich selbst und nach Gott verbrachte die Schulleiterin ihre Ferien in Meditationskursen, wie in einem Seminarzentrum im Südschwarzwald, wo sie mit der Praxis des Zen-Buddhismus in Berührung kam. Später reist sie mehrfach nach Indien und in ein buddhistisches Kloster in Südfrankreich. „Gott ist eine Kraft, die notwendig ist zum Leben, keine Person auf einer Wolke“, sagt Enja Riegel. Sie habe mit Hilfe der Meditationsübungen sich selber spüren müssen, um zu erfahren: „Gott ist auch in mir.“ Wie andere Menschen Bernsteinketten oder kleine Eiffeltürmchen bringt Enja Riegel inneren Frieden von ihren Reisen mit nach Hause. In ihrer Wiesbadener Schule richtete sie einen „Raum der Stille“ ein. Und für sich selbst hält sie Momente für die innere Einkehr frei. Die Frau, die am Hessischen Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung wirkte und dann eine Schule mit 600 Schülern und 42 Lehrern leitete, braucht regelmäßig eine Konferenz mit sich allein. Sonst hätte sie es wohl nicht geschafft, ein traditionelles Gymnasium in eine Vorzeige-Gesamtschule umzuwandeln, eine Schule, in der Begabte mit Hauptschülern in einer Klasse lernen, in der Kinder auf ihre Ferien verzichten, um eine Theateraufführung vorzubereiten. Sie hätte nicht die Kraft gehabt, in einer Schule zu bleiben, in der ihr pädagogisches Konzept bei zahlreichen Kollegen zunächst auf massive Widerstände stieß. „In dieser sehr, sehr schweren Zeit“ am Anfang holte sie sich Unterstützung: Enja Riegel ging zu einer Psychotherapeutin. Diese Begleitung hat ihr geholfen, die Widerstände in der Schule auszuhalten und mit sich selbst ins Reine zu kommen. In der Therapie erlebt sie Ähnliches wie später in meditativer Versenkung: Der Weg zu sich selber führt sie letztendlich zu Gott. „Ich spürte am Ende, dass es in mir und in jedem anderen Menschen etwas Göttliches gibt.“ Enja Riegel tritt wieder in die evangelische Kirche ein, die sie in den siebziger Jahren verlassen hat. Heute ist sie überzeugt, dass sich alle Weltreligionen letztendlich sehr ähnlich sind. „Was die Menschen eint, ist die Suche nach Spiritualität.“ Obwohl Enja Riegel sich intensiv mit fernöstlicher Religiosität befasst hat, wird sie keine Buddhistin. „Meine Wurzeln liegen im Christentum.“
Uta Kruse-Allgaier
echt Info Weitere Informationen zur Wiesbadener Helene-Lange-Schule gibt's
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erschienen
in echt, 4. Quartal 2005
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