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Veit Wilhelmy, 41, ist Geschäftsführer der IG-Bau, Bezirksverband Wiesbaden-Limburg.
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Jutta Seliger, 57, ist Objektleiterin in einem großen Frankfurter Unternehmen.
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Als wichtige gesellschaftliche Kraft hat die Kirche eine staatspolitische Verpflichtung, sich in die Politik einzumischen – gerade auch in Wahlkampfzeiten. Zu allem, was mit Gerechtigkeit zu tun hat, muss sie klar Stellung beziehen – durch kritische Predigten der Pfarrer ebenso wie durch Protestaktionen, Verlautbarungen und Demonstrationen.
Bei Themen wie Entwicklungshilfe oder Hunger mischt sich die Kirche angemessen ein. Warum aber hält sie sich so stark aus der Bundespolitik heraus? Dabei müsste sie zu Hartz 4, Arbeitslosengeld II oder auch in der Mitbestimmungs- und Arbeitszeitdebatte schonungslos Position für diejenigen beziehen, die benachteiligt werden.
Wenn sich die Kirche nicht mehr für die Schwachen in unserer Gesellschaft engagiert, stellt sie sich in ihren Glaubensgrundla-gen selbst in Frage. Dann braucht sie sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen austreten. Zur Bundestagswahl sollten kirchliche Einrichtungen Wahlprüfsteine veröffentlichen, die Parteiprogramme auf entscheidende Werte hin abklopfen. |
Die Kirche sollte das Evangelium predigen und nicht Politik betreiben. Ich halte es nicht für angemessen, mündigen Bürgern Ratschläge und Empfehlungen zu geben. Für jeden kann eine andere Partei gut sein – und das kann und soll auch jeder selbst entscheiden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die biblische Botschaft zurechtgebogen und verwässert wird.
Die Kirche sollte Menschen einzeln und persönlich beraten und nicht pauschal Meinungsäußerungen abgeben. Sie kann durchaus den Kontakt zu Politikern suchen, jedoch nicht über Medien wie Zeitungen oder Fern-sehen, sondern im persönlichen Gespräch. Seelsorge ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der Kirchen.
Anstatt Wahlprüfsteine für Politiker aufzustellen, sollten Kirchenleute ihre Energie effektiv einsetzen: zum Beispiel, indem sie einen interessanten Konfirmandenunterricht als Lebensabschnittsbegleitung anbieten. So könnte die Kirche Werte bereits in jungen Jahren prägen und müsste nicht über eine ungerechte Gesellschaft lamentieren.
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