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echt
Leben
Unbeschwert drauflos Leichtsinn nennen es erschrockene Eltern, wenn ihre Kinder sich was trauen. Das macht den Eltern Angst. Doch auch Erwachsene gehen Risiken ein, immer wieder. Dazu gehört Vertrauen. Und ein Quäntchen Mut. Es ist eng und riecht modrig. Die Fackeln aus Harz flackern, werfen Schatten. „Ist da jemand?“, ruft Fritz. Stille. Mit seinem Freund Werner ist der 11-jährige in die Höhle gekrochen, vorbei am Schild „Zutritt strengstens verboten! Lebensgefahr!“ Wie viele Gänge es sind, weiß keiner. Da lagert noch Munition aus dem Krieg, heißt es. Rechts oder links? Links. Es geht über herabgefallene Steine. Endstation, der Gang ist eingestürzt. Also umdrehen. Finden wir zurück? Leichtsinn ist jugendlich. Ausprobieren ist die Devise – Hauptsache Risiko: Schwarzfahren, das Moped auf Vollgas drehen, im Supermarkt klauen, Drogen testen oder wie viel Bier am Abend reingeht. Eltern treibt das Sorgenfalten auf die Stirn. „Das sind meist ganz normale Entwicklungsschritte.“ Für die Psychologin Claudia Haase von der Universität Jena macht der Leichtsinn junger Menschen Sinn, denn sie müssen besonders viel Neues lernen. „Sich abnabeln. Die eigene Identität bilden – wer bin ich? Wo will ich hin?“ Eine „erhöhte Risiko-bereitschaft“ helfe, sich da ran zu trauen. Mit leichtem Sinn Auch Erwachsene gehen immer wieder Neugier aufs Leben Es gibt einen Teil in uns, der weiß, wo’s lang geht, wenn der Verstand sich noch mit dem Für und Wider quält. Manche nennen es den guten Riecher, andere Intuition oder Bauchgefühl. Hirnforscher nennen es das emotionale Erfahrungsgedächtnis. Im „limbischen System“, dem zentralen Steuerungszentrum des Gehirns, ist alles in Form von Gefühlen und Körpererfahrungen gespeichert, was dem Organismus Zeit seines Lebens widerfahren ist. Mit Körpersignalen, mal schwächer, mal stärker, meldet es uns: „Das nicht!“ oder „Passt“ – und „Jetzt!“. Von Rio nach Genua etwa mit dem Luxusdampfer, wie Britta. Die Sekretärin hat ihre Ersparnisse geopfert, um sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen. Oder von Hamburg nach Freiburg. Sabine hat ihren Job als Krankenschwester und ihre Wohnung gekündigt. „Die Kinder sind groß und ich habe mich genug gekümmert.“ Was in Freiburg wird, „wird sich zeigen“. Die Gewichte des Lebens bleiben zurück. Unbeschwertheit braucht Vertrauen. Je mehr wir vertrauen, umso sicherer fühlen wir uns. Dass wir gehalten sind. Und alles gut wird. Rainer Lange echt Info: » Forschung und Texte zum Risikoverhalten
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erschienen
in echt, 3. Quartal 2005
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