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echt
Reportage
„Ich will doch nur spielen...“
Er liebt mich, er liebt mich nicht – das Blümchenorakel ist ein Kinderspiel, die Liebe manchmal auch. Weglaufen, fangen, flirten, Krallen zeigen: In den ersten Momenten des Kennenlernens ist alles erlaubt, was Spaß macht. Und danach?
„Ob es was Ernstes sein soll oder nicht – das muss man gleich klären.“ Sascha Hell grinst seine Freundin Lorena Silvestre an. „Man muss über alles reden, das hab ich von ihr gelernt.“ Seit fünf Jahren sind die zwei ein Paar. Verbindlichkeit ist für beide unverzichtbar, aber einen „gewissen Spielraum“ will Lorena schon haben. Kein Wunder: Sascha schaut sich gern Fußballspiele an, Lorena mag Jazztanz. So haben sich zwei unterschiedliche Freundeskreise entwickelt, weshalb sie oft getrennt zu Partys gehen. „Da flirten wir auch“ und sehen, „dass man für andere noch interessant ist“.
„Knackpunkte“ zwischen Freiheit und Treue
„Dass du fast verbrennst unter meiner Hand, wenn ich dich berühr’, hab ich nicht geahnt“, bedauert die Sängerin Annett Louisan. Am Ende singt sie, „Lass mal lieber sein, hab’ zu viel Respekt vor deinen Gefühlen“, verweigert dem Entflammten ihr Herz und wiederholt mit püppchenhafter Coolness im Refrain, was für sie zählt: „Ich will doch nur spielen, ich tu doch nichts.“ Der Hit verkauft sich gut. Trifft das den Nerv der jungen Erwachsenen? Treue ist ebenso ein „Knackpunkt“ wie Freiheit oder Abwechslung, findet Markus Lotz, der erst seit vier Wochen mit Kristina Bolz zusammen ist. „Wären da Bedenken gewesen, dass ich ihr nicht vertrauen kann, hätte ich die Beziehung gar nicht angefangen.“
Kein Spiel ohne Grenzen
Sascha hält viel von Vereinbarungen. „Je mehr Abstriche du bei der Freiheit machst, umso größer wird das Verlangen, wieder mehr Freiheit zu haben.“ Das sei Zündstoff für Konflikte. „Da muss man halt einen Kompromiss finden, sonst ist man bald wieder Single.“ Die Eltern der vier haben da für manches gar kein Verständnis: „Wie – du gehst alleine in die Disko?“, hört die 20-jährige Lehramtsstudentin Kristina regelmäßig von ihrer Mutter. „Als ob ich da was anderes machen würde als tanzen“, empört sie sich. Dabei sei es so wichtig, etwas erzählen zu können, das der andere nicht miterlebt hat. „Und zu merken, dass man ihn noch vermisst“, fügt Lorena an. Nach einem Jahr Schule in den USA freute sie sich umso mehr, Sascha wiederzusehen. Auch in Zukunft dürfe die Beziehung nicht zur Gewohnheit erstarren, „sonst ist der Reiz weg“.
Sylvia Meise
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