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echt
Reportage
Aufs Herz gezielt Die Wiesbadener Theatergruppe „Traumfänger“ unterstützt Kirchengemeinden bei Gottesdiensten. Und bringt dabei nicht nur schöne Träume auf die Bühne, sondern auch das, worüber man sonst nur ungern spricht. „Du alte Schlampe!“ Die Meute gackert hämisch, doch Wiebke versucht ihre Schulkameradinnen zu ignorieren. „Deine Mutter ist doch eine Hure.“ Die Beschimpfungen werden heftiger und der Pulk rempelt das Mädchen immer wieder an, bis es erschöpft zu Boden sinkt. Niemand hilft und auch die Lehrerin schaut nur gelangweilt weg. Im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Wiesbaden-Bierstadt: Wie jeden Mittwochabend probt hier das „Traumfän-ger“-Theater. „Unser Name ist Programm, denn wir möchten Träume von Menschen auf die Bühne bringen, die positiven wie auch die Albträume“, erklärt Uwe Hausy, Leiter der Gruppe und Referent für Spiel und Theater am Zentrum Verkündigung der EKHN.
Ausspielen statt ausquatschen, lautet der künstlerische Anspruch. „Theater ist keine Talkrunde“, bekräftigt Hausy und setzt gezielt Kassettenrekorder oder Percussion-Instrumente ein. Rhythmus, Bewegung und Tempo sind das A und O. Immer wieder laufen die Schauspielerinnen hektisch durch den Raum und erstarren auf ein Zeichen abrupt zu Standbildern: Wiebke wird in ihrer Resignation zunehmend kleiner, die Anderen deuten mit weit aufgerissenen Mündern immer aggressiver auf sie. „Nicht so zaghaft“, treibt der Leiter an. Geradezu gespenstisch wirkt es, wenn Bewegung und Musik plötzlich abbrechen und man eine Stecknadel im Saal fallen hören könnte. „Die Leute im Publikum sollen merken: Was sie sehen, ist auch ein Teil von ihnen, und sich fragen: Auf welcher Seite stehe ich?“, betont Wiebke Nonne und Uwe Hausy ergänzt: „Wir zielen nicht auf den Intellekt, sondern auf das Herz.“ Dass das beim Publikum ankommt, erlebte die Truppe besonders intensiv, als sie am Karfreitag im Jugendgefängnis auftrat. „Wir sind darauf vorbereitet worden, dass da ganz harte Jungs sitzen, aber dann haben einige sogar geweint“, erinnert sich Nora Hünemohr. Alltag ist Theater Obwohl die „Traumfänger“ in den letzten Monaten auf zahlreichen Großveranstaltungen wie dem Jugendkirchentag auftraten, möchten sie auch in Zukunft hauptsächlich Gemeindegottesdienste mitgestalten. „In einem kleineren Kreis können wir sehr eng mit den Leuten kommunizieren“, freut sich Hausy. Jeder Auftritt sei einzigartig. Schließlich verstehen sich die Traumfänger als Dienstleistungstheater und wollen niemandem „etwas aufs Auge drücken“. „Wir schaun vorher, wie die Leute ticken, und entwickeln mit ihnen gemeinsam eine individuelle Performance, die zu ihnen und dem Anlass passt.“ Die Bibel ins Spiel bringen Uwe Hausy möchte Publikum wie Schauspielerinnen vom Theater profitieren lassen. Ein Mädchen zum Beispiel berichtete ihm, dass sie bei den „Traumfängern“ gelernt habe, Referate in der Schule viel souveräner und erfolgreicher vorzutragen. „Wenn ich erfahre, dass sich jemand durch das Spiel so weiterentwickelt, ist es das größte Kompliment für meine Arbeit...“ Jörn Dietze Kontakt: Uwe Hausy Telefon: 069/71379-126 E-Mail: uwe.hausy@ekhn.deWeitere Infos zur Theatergruppe "Traumfänger" |
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erschienen
in echt, 3. Quartal 2005
Copyright by EKHN, Darmstadt |