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echt
interessant
Der
Rumpelstilzchen-Report
Mann, fahr dich runter!"
Er tobt. Er flucht, er schreit. Er benimmt sich schlecht. Ein Choleriker,
der keine Ordnung hält, seinen Schlüssel verlegt, permanent,
und dann bringt er jedes Mal die Rumpelstilzchen-Show. "Was ist denn
das hier für eine verdammte Kacke! Wo ist jetzt der Scheiß-Schlüssel?
Immer wenn ich Druck hab! Ich fass es nicht!" Und so weiter. Die
Gattin kennt es, aber sie schätzt es nicht. Das Schrei-Ritual geht
ihr auf die Nerven und sein Chaos sowieso. Beides ist zu viel.
Kummerverbindung
im Gehirn
Die Gattin hält Ordnung und sie liest gute Bücher. Bücher,
aus denen man was lernen kann, zum Beispiel über das Steuern von
Gefühlen. Das funktioniert so: Ein Tobsuchtsanfall hinterlässt
Spuren im Gehirn. Die Verbindung zwischen den Nervenzellen wird mit jedem
Fluch, jedem Frustgefühl fester und enger, und nach genügend
Wiederholungen ruft der kleinste Ärger wie von selbst den Wutanfall
hervor. Vollautomatisch sozusagen. Der Ausbruch reinigt nicht die Luft,
wie wir gerne glauben möchten. Auch ein Heulkrampf erleichtert uns
nicht, sondern verstärkt noch die Kummer-Verbindung im Gehirn. Und
zu allem Überfluss erinnern wir uns besser an die üblen Gefühle.
So hat uns die Evolution programmiert. Schließlich sollen wir Missstände
so schnell wie möglich beenden, Gefahren abwehren, um zu überleben.
Glücklicherweise hinterlassen auch gute Gefühle ihre Spuren.
Die Wissenschaft rät deshalb, Gemütszustände zu kontrollieren
und zu steuern, was sich einschleifen kann.
Tief
durchatmen
"Mann, ej", sagt die Gattin also, "fahr dich runter!"
Sie denkt: Gib der Wut nicht so viel Raum. Das schont deine und meine
Nerven. Das jetzt zu erklären, wäre vergebliche Liebesmüh.
Im Moment hört er gar nichts außer seinem Wahnsinnsmonolog.
Eingeschränkte Wahrnehmung. Deswegen sieht er auch nicht den Schlüsselbund
unter dem hingeschmissenen Anorak. Der Ausweg, sagt das gute Buch: Das
Aufbrausen des Gefühls im Moment wahrnehmen, in dem es entsteht.
Sofort entscheiden: Davon lass ich mich jetzt nicht beherrschen. Die Aufmerksamkeit
umlenken. Auf den Atem. Auf Musik, auf Arbeit, aufs Aufräumen. Bewährter
Tipp: zehnmal tief durchatmen, bevor man sich erlaubt, auszurasten. Einfluss
nehmen darauf, welche Verbindungen im Hirn entstehen, welche Stimmungen
sich festsetzen dürfen und welche nicht. Übungssache.
Missbehagen
anmelden
Der Volksmund sagt, Gewitter reinigen die Luft. Kann sein, man fühlt
sich besser nach einem Wutanfall. Weil man endlich mal gesagt hat, was
zu sagen ist. Weil man sich getraut hat. Weil man sich Raum genommen hat.
Vielleicht wäre es aber viel erfolgreicher und angenehmer, Schlüssel
einfach auf ihre Haken zu spießen. Missbehagen anzumelden, bevor
es sich zum Gewitter verdichtet hat, Grenzen zu setzen, bevor sich etwas
zusammenbraut. Wünsche deutlich aussprechen, bevor man einen Hals
kriegt. Das geht wirklich. Die Gattin jedenfalls hat hart an sich gearbeitet.
Ruhig bleiben, wenn er seine Attacken hat. Er nervt. Es ist einfach ätzend.
Stopp. Stopp, sobald üble Laune in ihr aufsteigt. Sie fragt sich:
Was will ich eigentlich? Die Ärger-Verbindung im Gehirn verstärken?
Sie stellt sich ganz schnell vor, wie er ihr Sonntag früh Espresso
ans Bett bringt. Jeden Sonntag. Was für ein Glück sie doch hat.
Marie
Lampert
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echt
BUCHTIPP:
Stefan
Klein, "Die Glücksformel oder wie die guten Gefühle
entstehen".
Darin erklärt der Autor gut lesbar und verständlich
die Hintergründe unseres Gefühlshaushalts - inklusive
Hormonspiegel, Ratten- und Mäuseversuche,
Rowohlt, 300 Seiten, 9,90 Euro
Eine kurze
Version des Titels fasst zusammen, wie sich Glück trainieren
lässt: "Einfach glücklich. Die Glücksformel
für jeden Tag",
Rowohlt, 140 Seiten, 6,90 Euro.
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