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echt
Glaube

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Das
Glück von Gottes Nähe
Jesus
lehrte sie und sprach:
Glücklich sind, die arm im Geist sind; denn ihnen gehört
das Himmelreich.
Glücklich sind, die trauern; denn sie sollen getröstet
werden.
Glücklich die Sanftmütigen; denn sie werden die Erde
besitzen.
Glücklich, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden satt werden.
Glücklich sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit
erfahren.
Glücklich die im Herzen Reinen; denn sie werden Gott schauen.
Glücklich sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes
Kinder heißen.
Glücklich, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Aus
dem Matthäusevangelium (Kapitel 5)
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Bei allem, was die
Bibel ist, eine Anleitung zum Glücklichsein scheint sie nicht zu
sein. Und der Unterschied zur gängigen Ratgeberliteratur liegt auf
der Hand. Während ich da oft gar nicht mal so schlechte Tipps finde,
wie das Glück zu erreichen ist oder zumindest ein Stück davon
auch für mich Wirklichkeit werden kann, ist es in beiden Testamenten
schwer, das Wort Glück überhaupt zu entdecken. Und doch finde
ich an einer Stelle der Bibel Sätze, die wie kaum ein anderer Text
ausdrücken, wer glücklich zu nennen ist: Das sind die "Seligpreisungen"
am Anfang der Bergpredigt Jesu.
Die "Glücklichpreisungen",
wie sie auch genannt werden, gehören zum Kern der Botschaft Jesu.
Allerdings klingen sie so befremdlich und fast verrückt in unseren
Ohren, dass sie nicht sehr populär sind. Wer wird da als glücklich
aufgezählt? Die Einfältigen, die Naiven, die Leidenden, die
Schwachen, die Verfolgten. Die Sätze stehen quer zu allen gängigen
Vorstellungen. Schon zu Jesu Zeiten hielt man für glücklich
und von Gott gesegnet, wer Erfolg, Gesundheit und Wohlstand auf seiner
Seite hatte. Und dass das Glück die Tüchtigen belohnt, davon
redet der Volksmund heute noch.
Zynischer
Jesus?
Wenn Jesus den Trauernden und Mühseligen zuruft, dass sie doch glückselig
sind, und wenn er ihnen Himmel und Erde zuspricht, dann klingt das geradezu
zynisch. Erst wer einen zweiten Blick auf diese einigermaßen absurden
Glücklichpreisungen der Bergpredigt wirft, kann feststellen, dass
in Jesu Augen das Glück nicht einfach darin liegt, zu trauern oder
verfolgt zu werden. Er nennt die glücklich, die sich als Gottes Tochter
oder Sohn sehen und sich bei ihm zu Hause fühlen. Das Glück
liegt für Jesus nicht darin, irgendetwas an sich zu raffen und als
Auszeichnung sozusagen auf dem eigenen Haben-Konto festhalten zu wollen.
Glück und Seligkeit erfahren die, die Gott spüren und seine
Gnade, seinen Trost, seine Gerechtigkeit bereits erfahren können.
Glücklicher
Jesus
Ich glaube, Jesus von Nazareth war der "glücklichste Mensch,
der je gelebt hat", wie es einmal die Theologin Dorothee Sölle
festhielt. Er hatte Gott so nahe bei sich, dass er an nichts anderem festhalten
musste. Weder an Besitz noch an seiner Herkunft, noch nicht mal an seinem
Leben. Jesus war so selbst-los, dass nur die wenigsten darin ein gelingendes,
glückliches Leben sehen konnten. Und doch war es genau dies.
Pfarrer
Helwig Wegner-Nord leitet das MEDIENHAUS der Evangelischen
Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt. Er ist unter anderem
Rundfunkautor und gehört zum "Wort zum Sonntag"-Team
(ARD).
Foto:
Rolf Oeser
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Denn unter Glück
versteht die Bibel offensichtlich etwas anderes als die Abwesenheit von
Leiden, Trauer und Armut. Glück, so kann man in der Bibel lesen,
erfährt, wer Gottes Nähe erlebt. Und dafür sind Menschen
gerade dann am empfindsamsten, wenn sie barmherzig sind und gewaltlos,
wenn sie sich ohne alle weiteren Absichten nach Gott und seiner Gerechtigkeit
sehnen.
Helwig
Wegner-Nord
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