Pro & Kontra

Kirche der Zukunft -
lieber klein, aber fein ?

Immer wieder wird diskutiert, ob wir uns von einer Kirche verabschieden müssen, die fest in unserer Gesellschaft verankert ist. Sind kleinere Gemeinden, die das persönliche Bekenntnis in den Vordergrund stellen, eine Alternative zur Volkskirche? echt hat nachgefragt.echt hat nachgefragt.

Arnd Schnepper ist Pressesprecher des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.





Pro

 

Dore Struckmeier-Schubert
ist Mitglied im Kirchensynodalvorstand der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).



 

Kontra

 

Freie evangelische Gemeinden heben sich bewusst vom Modell der Volkskirche ab. Es ist für uns unakzeptabel, Menschen zu Christen zu erklären, die sich dazu nicht bekennen. Das Kriterium für eine Kirchenmitgliedschaft ist der persönliche Glaube, wie er im Evangelium begründet ist.

Es ist bedenklich, wenn man sich zu sehr an den Zeitgeist anpasst, um Mitglieder um jeden Preis zu halten. Ein Beispiel ist die Segnung von Homosexuellen. Es muss vielmehr darum gehen, Männer und Frauen für verlässliche Gemeinschaften zu gewinnen. Vergrößerung der Gemeinden auf Kosten der Inhalte ist nicht akzeptabel.

Freikirchen zeichnen sich aus durch übersichtliche Strukturen. Wir sind keine Pastorenkirche, jeder kann sich mit seinen Fähigkeiten engagieren - auch im Gottesdienst. Wenn alle Gemeindeglieder an Leitungsaufgaben teilhaben, entsteht lebendige Gemeinde. Menschen geben ihren finanziellen Beitrag gerne freiwillig und können vor Ort sehen, wo er eingesetzt wird.

Die Volkskirche ist die einer modernen demokratischen Gesellschaft angemessene Organisationsform der Kirche. Sie vereinigt verschiedene Frömmigkeits- und Lebensstile unter einem Dach. In ihr Mitglied zu sein und sich in ihr zu engagieren, ist für viele Menschen eine sehr bewusste Entscheidung - und auch ein Bekenntnis.

Die Vielfalt in der Volkskirche verhindert, dass man es sich mit den eigenen Ansichten in einer Nische bequem macht. Sie fördert den Austausch über Glaubensfragen und erhält die Kirche diskussionsfähig. Um Wahrheiten muss man gemeinsam ringen. Eine Kirche, in der alle die gleiche Frömmigkeit haben, wird auf Dauer langweilig.

Nur eine Volkskirche kann sich den Menschen auf so breiter Basis zuwenden. Man denke nur an die vielfältigen diakonischen Hilfsangebote, die ohne Kirchensteuer nicht möglich wären. Sie sind ein besonderes Zeugnis von gelebtem Glauben. Die vielfältigen Veranstaltungs- und Gottesdienstformen sind Ausdruck einer modernen Volkskirche, die einladend ist für alle.

Aufgezeichnet von: Jörn Dietze


erschienen in echt, 3. Quartal 2004
Copyright by EKHN, Darmstadt
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