Abendmahl
Was man zum Leben
braucht
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Das
letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, so wie es
sich der Filmemacher Mel Gibson in seinem neuesten Werk
"Die Passion Jesu Christi" vorstellt.
Aber der friedliche Eindruck täuscht: Größtenteils
besteht der Film aus blutigen Szenen von Verhör, Folterung
und Hinrichtung Jesu.
Foto:
Constantin Film
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Manchen trifft es unvorbereitet. Die Orgel erklingt eher in Moll,
Pfarrerin oder Pfarrer heben am Altar vorsichtig kleine Tücher
hoch. Ein Kelch und eine Kanne kommen zum Vorschein. Auch ein
Teller ist dabei. Wenig später sammelt sich die Gemeinde
um den Altar. Spätestens jetzt beschleicht den ungeübten
Kirchgänger ein beklommenes Gefühl: Soll ich auch -
oder lieber doch nicht? Jeder erhält eine Oblate und trinkt
einen Schluck Wein. Pfarrer oder Pfarrerin sprechen ein Segenswort.
In
der Nacht des Verrats
Das Abendmahl ist eine Erinnerung an den letzten Abend, den Jesus
vor bald 2.000 Jahren mit seinen Jüngern verbrachte, bevor
er verhaftet und hingerichtet wurde. Im Orient nimmt man die Hauptmahlzeit
nach dem Sonnenuntergang zu sich. Es war kein Festessen damals
- keine Rede von Fleisch, Gemüse oder Süßigkeiten.
Eher ein Essen der Armen. Brotfladen als Grundnahrungsmittel,
ebenso Wein für die Lebensgeister. Der älteste Bericht
über diesen Abend wird Jahrzehnte später formuliert.
Der Apostel Paulus schreibt in einem seiner ersten Briefe Worte
auf, die offenbar schon lange in den Gemeinden der Christen in
Umlauf waren: "In der Nacht, als Jesus verraten wurde, nahm
er das Brot, dankte, brach es, gab es seinen Jüngern und
sprach: Nehmt hin und esst, das ist mein Leib
Das tut zu
meinem Gedächtnis." (1. Korinther 11, 23 ff.) Diese
"Einsetzungsworte" werden auch heute noch gesprochen.Leider
hat damals niemand Protokoll geführt. Was wir über jenen
Abend wissen, kommt aus späteren Erinnerungen. So kann niemand
sagen, ob Jesus das Brot wirklich als seinen Leib und den roten
Wein wirklich als sein Blut bezeichnet hat. Oder ob er nur meinte:
Erinnert euch an dieses Mahl, wenn ich nicht mehr bei euch bin.
Mehr
als nur eine Erinnerung
So haben es die Christen dann in den ersten Jahrzehnten wohl auch
gehalten: Anfangs täglich, später am ersten Tag der
Woche versammelten sie sich um einen Tisch, beteten, teilten Brot
und Wein, lasen in den heiligen Schriften der Juden und erzählten
sich von
Jesus. Sie erlebten ihre Gemeinschaft und sie waren sicher, dass
er in diesen Momenten unter ihnen war, so sicher wie Brot und
Wein vor ihnen auf dem Tisch. Beides waren Symbole für seinen
Leib und sein Blut, aber sie waren mehr als ein reiner Erinnerungswert.
Sie zeigten seine lebendige Gegenwart. So sehen das die meisten
Christen auch heute noch, nach 2.000 Jahren.
Glaubenssache
Symbole haben zwar auch heute eine Bedeutung, aber die Sache selbst
sind sie nicht. In der Antike sah man das anders: Das Symbol und
die Wirklichkeit waren fast das Gleiche. Die ersten Christen haben
es ganz konkret verstanden: Beim gemeinsamen Mahl ist Christus
unter ihnen, in der Gestalt von Brot und Wein. Christus, nicht
Jesus. Der von den Toten Auferstandene, nicht der Gestorbene.
Das Abendmahl ist vom Glauben an die Auferstehung nicht zu trennen
und das gilt bis heute. Wer Jesus Christus für tot hält,
der wird auch mit dem Abendmahl nicht viel anfangen können.
Der Evangelist Matthäus berichtet, dass Jesus einmal zu zwei
Blinden, die ihn um Heilung baten, gesagt habe: "Wie ihr
geglaubt habt, so soll es geschehen." (Matthäus 9,29)
Und sie wurden sehend. Es gibt wohl Momente, da fallen Glaube
und Wirklichkeit zusammen. Das ist der Punkt, auch beim Abendmahl.
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Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt ist Pfarrer und Publizist
und leitet die Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen
Kirche in Hessen und Nassau.
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Kein
spiritueller "Schnellimbiss"
Wer zum Essen einlädt, bestimmt die Gästeliste. Nach
uraltem christlichem Verständnis ist es Jesus Christus selbst,
der zu Tisch bittet, wie damals, am Vorabend seines Todes. So
haben es die Christen von Anfang an gesehen - und zunächst
einmal sich selbst eingeladen gefühlt. Nicht jeder war geladen.
Nur wer getauft war und deshalb dazugehörte, durfte teilnehmen.
Später wurde die Taufe der Kinder ergänzt durch eine
feierliche Zulassung der Halbwüchsigen zum Abendmahl - die
Erstkommunion der Katholiken und die Konfirmation der Protestanten.
Wer also "verdient"
eine Einladung? Muss man auch heute noch getauft sein und konfirmiert?
Braucht man vielleicht sogar den "Check" durch die Mitgliedschaft
in der Gemeinde? Und: Was ist mit Menschen, die aus der Kirche
ausgetreten sind oder vielleicht nie dazu gehört haben? Reicht
schlichtes persönliches Interesse? Die Antwort ist buchstäblich
eine Glaubensfrage. Natürlich wird in der Praxis kein Pfarrer
und kein Priester einen Fremden beim Abendmahl oder der Kommunion
zurückweisen. Aber das geschieht "auf Treu und Glauben".
Das Abendmahl ist nun einmal kein spiritueller "Schnellimbiss"
für jedermann. Andererseits: Wie sollen Menschen denn erfahren,
dass hier eine Kraftquelle für ihr Leben liegen kann? Und
schließlich: "Verdienen" kann man sich Gottes
Nähe ohnehin nicht. Sie ist ein Geschenk. Und darin sind
sich nun wieder alle einig.
Joachim
Schmidt