echt Diakonisch

Sie betreuen, unterstützen und begleiten alte Menschen, Wohnungslose, Suchtkranke, Flüchtlinge, Frauen in Krisen, Menschen mit Behinderungen …
Die rund 17.000 Beschäftigten der Diakonie arbeiten überall dort, wo Hilfe nötig ist.
Flächendeckend.

Stark für andere

Mit seinen 324 Einrichtungen - Krankenhäusern, Altenpflegeheimen, Tageseinrichtungen, Beratungsstellen und, und, und - ist das Diakonische Werk in Hessen und Nassau der größte Wohlfahrtsverband in Hessen. Diakonie ist vielfältiger Dienst an Menschen. Kürzungen von Landesmitteln in Hessen gefährden die Arbeit. Etwa 2,2 Millionen Euro fehlen dem Diakonischen Werk und seinen Mitgliedseinrichtungen. Die Konsequenz: Einrichtungen sind bedroht, das Beratungsangebot wird ausgedünnt.

Auf eigenen Beinen stehen
Das Zentrum für Frauen in Frankfurt/Main

Jahrelang arbeitete Doris Bergmann [Der Name wurde von der Redaktion geändert] als Prostituierte, finanzierte so die Drogensucht ihres Freundes. Schließlich begann sie selbst zu trinken, wurde depressiv. Als ihr Freund aus dem Gefängnis frei kam, bedrohte er sie so massiv, dass sie nach Frankfurt flüchtete - ins Zentrum für Frauen des Diakonischen Werkes. Bei "Tamara", der Beratung für Prostituierte, fand sie eine vertrauensvolle Gesprächspartnerin und schnelle Hilfe. Sie konnte in das angrenzende Wohnheim einziehen. "Durch die enge Zusammenarbeit unserer Einrichtungen können wir Krisensituationen effizient bewältigen", erklärt die Leiterin des Zentrums, Karin Kühn, "wir möchten den Frauen Selbstvertrauen vermitteln, so dass sie ihre Probleme anpacken und neue Perspektiven entwickeln können."

Kontaktadressen

Zentrum für Frauen
Alfred-Brehm-Platz 15-17
60316 Frankfurt
Telefon 069/ 943 502 - 17

Lilith - Wohnen für Frauen
Telefon 069/ 943502-10
Email:

Beratungsstelle für Frauen
Telefon 069/ 43 96 50
Email:

Tamara, Beratungsstelle für Prostituierte
Telefon 069/ 490374 und 490450
Email:

Tagestreff 17 Ost
Telefon 069/ 94319557
Email:
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 13.00 bis 17.00 Uhr

Dafür sorgen vier Angebote unter einem Dach: Neben "Tamara" sind das "Lilith - Wohnen für Frauen", die Beratungsstelle und nicht zuletzt der "Tagestreff 17 Ost".
In einem Raum mit Bistrocharakter sind Frauen ins Gespräch vertieft, andere lesen, trinken Kaffee - oder ruhen sich einfach nur aus. Die Wände zieren bunte Bilder und ein modern gestalteter Brunnen. "Das schafft ein Ambiente, das den Frauen Wertschätzung signalisiert", erklärt Kühn und ergänzt: "Wir haben hier 14-Jährige ebenso wie 89-Jährige." Die Schwelle möchte sie ganz bewusst für alle niedrig halten.

Eine Küche steht ebenso zur Verfügung wie ein Näh- und ein Spielzimmer oder Schließfächer. Die Besucherinnen haben Gelegenheiten zum Duschen und Wäsche-Waschen, am PC können sie Briefe oder Bewerbungen schreiben. Für wohnungslose Frauen hält "Lilith" 4 Wohngruppen mit insgesamt 28 Plätzen und Einzelzimmern bereit. Doris Bergmann indes hat vor kurzem ein eigenes kleines Apartment bezogen. Mit Hilfe von "Tamara". Denn die Mitarbeiterinnen helfen bei Wohnungsfragen ebenso wie bei der Suche nach Arbeits- und Ausbildungsplätzen. "Auch wenn es darum geht, finanzielle Hilfen - etwa von Sozial- oder Arbeitsamt - zu beantragen oder eine Schuldenregulierung vorzunehmen, unterstützen wir gezielt", betont die Leiterin. Doch obwohl immer mehr Frauen ins Zentrum kommen, sind in den letzten zwei Jahren 37.000 Euro durch Kürzungen von Mitteln verloren gegangen. "Um weiterzuarbeiten", sagt Kühn, "brauchen wir dringend Sponsoren ..."

 

Wieder raus ins Leben …
Die psychosoziale Kontaktstelle des Diakonischen Werks Rheingau-Taunus

Noch vor wenigen Jahren ähnelte Werner Andräs Leben einer einzigen Katastrophe: Nachdem sich der Sparkassenbetriebswirt immer mehr Arbeit aufgeladen hatte, fing er eines Tages an zu zittern. "Ab dann ging plötzlich gar nichts mehr", erinnert sich der 51-Jährige. Ein harter Leidensweg begann für ihn und seine Familie. Diagnose: "Psychosen und Depressionen." Er wurde arbeitsunfähig, verbrachte schließlich mehrere Monate in psychiatrischen Kliniken.

"Die Beratungsstelle war ein Glücksfall für mich", sagt er heute, "die vielfältigen Angebote, das Zusammensein mit den anderen Klienten und die tägliche Betreuung haben sehr zu meiner Gesundung beigetragen." Eine Ärztin hatte ihm den Tipp gegeben, sich an die Einrichtung zu wenden. "Das hat wieder Struktur in meinen Alltag gebracht und meine Familie stark entlastet." Auch ins Berufsleben konnte Werner Andrä wieder zurückkehren. Die Kontaktstelle in Bad Schwalbach, die rund 250 Menschen betreut, ist Anlaufpunkt in Konfliktsituationen und Lebenskrisen. Wie die stellvertretende Leiterin Claudia Kohlhaas erklärt, suchen viele Menschen umgehend nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, etwa dem Kiedricher Eichberg, Rat und Hilfe. Neben Gesprächs- und Beratungsangeboten bietet die Einrichtung auch 54 Plätze im betreuten Wohnen sowie eine Notwohnung. "Wir klären zuerst, in welcher Situation sich jemand befindet, und überlegen dann, was die Person benötigt, um sich wieder zu stabilisieren", erklärt Kohlhaas. Auch Reinhard Volkmer (50) kann davon berichten. Eine psychische Erkrankung hatte ihn um seinen Lebensinhalt gebracht: Job weg, Ehe kaputt. "Ich schämte mich sehr und traute mich nicht mehr unter die Leute." Dass er wieder eine Arbeit gefunden hat und auch eine neue Familie gründen konnte, verdankt der stolze Vater von zwei Kindern nicht zuletzt der Kontaktstelle. "Hier sind mir meine Stärken wieder bewusst geworden", sagt er, "ich habe gelernt, dass ich trotz der Krankheit wieder raus ins Leben gehen kann."

Kontakt

Diakonisches Werk Rheingau-Taunus
Gartenfeldstraße 15
65307 Bad Schwalbach
Tel.: 06124/70820
E-Mail: www.dwrt.de

Die Streichung der Zuschüsse von 26.000 Euro durch das Land Hessen indes hat die Einrichtung hart getroffen. "Wir mussten zwangsläufig unsere Sprechstunden um vier wöchentlich reduzieren", bedauert Kohlhaas und Sozialarbeiterin Ulrike Gürlet ergänzt: "Auch die Ausflüge, die für manche das einzige Tor zur Welt bedeuten, fallen nun weg." Als besonders verheerend bezeichnen die Frauen, dass gleichzeitig immer mehr psychisch Kranke aus Kostengründen frühzeitig aus den Kliniken entlassen werden. "Die stehen dann einfach auf der Straße …"

Texte: Jörn Dietze, Petra Jacobi

 

Links
» Diakonisches Werk Rheingau-Taunus
» Diakonisches Werk in Hessen und Nassau
» Diakonisches Werk Frankfurt

 

erschienen in echt, 1. Quartal 2004
Copyright by EKHN, Darmstadt
« Zurück