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Soziale Gerechtigkeit
gehört zu den Grundpfeilern unserer Gesellschaft. Kirche
und Diakonie als ihr sozialer Arm tragen Mitverantwortung dafür,
dass Talente, Kräfte und Vermögen zum Wohl aller eingesetzt
werden und dass das soziale Gleichgewicht nicht aus den Fugen
gerät. Wo die soziale Balance in Gefahr ist, muss sich die
Diakonie zu Wort melden.
Frieden und
Gerechtigkeit sind zentrale Werte in der Bibel. Ohne Bereitschaft
zum Teilen gibt es nirgendwo dauerhaften Frieden. Davon sprechen
nicht nur die Texte des Alten Testaments, die Weltgeschichte belegt
es. Sozialstaat und soziale Marktwirtschaft verbinden die Leistungsfähigkeit
des Einzelnen und die solidarische Verantwortung für das
Ganze in vorbildlicher Weise: Jeder Mensch wird seinem Vermögen
und seinen Fähigkeiten entsprechend belastet.
Reichtum wird
zum Segen, wo er hilft, dass Schwache gestärkt werden. Ich
denke an die wachsende Zahl von Menschen, die Hilfe brauchen -
weil sie krank sind oder pflegebedürftig, weil sie ohne Arbeit
sind oder kein Dach über dem Kopf haben. Sie alle brauchen
Unterstützung, sie brauchen Hilfe zur Selbsthilfe und sie
brauchen eine Stimme, die leidenschaftlich für sie spricht.
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Anstatt Sozialpolitik
zu betreiben, sollten die Kirchen Menschen gewinnen, die Zeit
und Mittel zur Verfügung stellen. Wenn ein kirchlicher Bericht
zum Ergebnis kommt, wir seien zu einem armen Land geworden, lässt
er außer Acht, dass wir beispielsweise zahlreiche Asylbewerber
aufgenommen haben und dennoch einigermaßen gut dastehen.
Das sollte uns stolz machen.
Warum kommt
nicht zur Sprache, dass ein Arbeitnehmer, der auf der 35-Stunden-Woche
beharrt, unsolidarisch handelt? Er verweigert einen Großteil
seiner Leistungsfähigkeit, weil er es für sich selbst
gemütlich haben möchte. Wenn Banken und Wirtschaft für
alle sozialen Probleme verantwortlich gemacht werden, ist das
größtes Pharisäertum. Beim Abbau von Arbeitsplätzen
verhalten sich Kirchen nicht anders als McKinsey.
Die Kirche
erwartet selbstverständlich, dass ich 80 Wochenstunden arbeite
und fast 10 Prozent meiner Einkommensteuer an sie abführe.
Weil ich aber mehr als das Doppelte des Durchschnittseinkommens
verdiene, habe ich mich als Reicher disqualifiziert. Statt die
Reichen aus dem Tempel zu treiben, sollte man versuchen, ihre
Mittel zu gewinnen.
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Ausführliches Statement von Prof. Norbert Walter
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