Pro & Kontra

Sind Eltern für die Zukunft
ihrer erwachsenen Kinder verantwortlich?

Es ist in der Tat ein heißes Thema, um das in vielen Familien gestritten wird. So heftig, dass mancher lieber nicht mit Namen für seine Überzeugung einstehen möchte. Dürfen sich Eltern in das Leben ihrer erwachsenen Kinder einmischen oder ist das ein Tabu? echt hat nachgefragt.





Albert Koch*, 71, hat einen Sohn (45) und eine Tochter (49).

* Name auf Wunsch des Betroffenen von der Redaktion geändert.

 




Marlies Brandt, 66, hat einen Sohn im Alter von 47 Jahren.


 

 

Pro

Eltern und Kinder sind eine Schicksalsgemeinschaft fürs Leben. Auch wenn die Kinder aus dem Haus sind, verlieren Eltern niemals die moralische Verantwortung. Schließlich haben sie die Töchter und Söhne entscheidend durch ihre Erziehung geprägt.

Ich frage immer sehr genau nach, wie es meinen Kindern gerade geht und was sie in Zukunft planen. Wenn ich etwas nicht für richtig halte, sage ich das sehr deutlich. Ich kenne meine Kinder gut genug und weiß, wann sie sich in etwas verrennen.

Was heißt schon erwachsen? Entscheidend ist die Lebenserfahrung. Ich wäre verantwortungslos, wenn ich sie nicht weitergeben würde. Wenn meine Kinder stur sind, muss ich eben heftig mit ihnen streiten. Und das kommt leider sehr oft vor!

Das Leben für und mit meinen Kindern wird immer ein wichtiger Teil meines Alltags bleiben, der mir viel Befriedigung gibt. Man kann doch nicht plötzlich so tun, als gebe es sie nicht mehr, und sich nur noch um sich selbst drehen.

Kontra

Mit Kindern ist es wie im Tierreich: Sie werden flügge, müssen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst im Leben zurechtfinden und eigene Entscheidungen treffen. Das rechtzeitig zu lernen ist wichtig - auch wenn es manchmal schmerzlich ist.

Ich mische mich nicht in das Leben meines Sohnes ein und gebe nie ungefragt Empfehlungen. Wenn er mich braucht, stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Aber auch dann verteile ich Ratschläge eher sparsam.

Eltern müssen loslassen können und irgendwann akzeptieren, dass die Kinder gleichwertige Partner sind. Nur so können sie dauerhaft eine gute Beziehung zu ihnen aufbauen. Kinder machen eigene Erfahrungen und beurteilen daher Dinge anders.

Ich selbst bin froh, dass ich nicht mehr für alles verantwortlich bin. Das entlastet. Alles hat seine Zeit: Früher habe ich mein Kind erzogen. Nun kann ich auch mal meine eigenen Interessen verfolgen und tun, was ich damals nicht konnte.



 

Aufgezeichnet von: Jörn Dietze


erschienen in echt, 4. Quartal 2003
Copyright by EKHN, Darmstadt
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