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Und
wie kam die Idee zu Tabaluga?
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Meine damalige
Frau war Lehrerin und hat mir oft erzählt, welche Rolle Werte
in der Schule spielen. Wir haben gemerkt, dass vieles in der Gesellschaft
verrohte und auch das Fernsehen Gewalt immer mehr verherrlichte.
Die Fantasie ging immer mehr verloren. Das wollten wir mit einer
kleinen Arbeit ins rechte Licht rücken.
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Daraus
ist etwas Großes geworden. Was ist heute Ihre Rolle
dabei?
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Als einfacher
Musiker bin ich immer auf die Kompetenz von Fachleuten angewiesen.
Umgekehrt kann ein Lehrer, der nicht selbst Musik macht, etwas von
meiner Emotionalität mitnehmen.
| echt
Tipp |
| Peter
Maffay "Tabaluga und das verschenkte Glück"
live - mit Rufus Beck, Heinz Hönig, Sissi Perlinger
u.v.a.: In der Festhalle Frankfurt vom 31. Oktober bis
3. November je zwei Konzerte pro Tag, in Köln (Kölnarena)
vom 24. bis 26. Oktober. Tickets: 01805/570000 (12 Cent/Min). |
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Was
bedeutet denn ein Rock-'n'-Roll-Leben?
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Es ist der Versuch,
möglichst frei von Konventionen zu leben, bedeutet Anti-Haltung
und Auflehnung. Und das ist mit jedem gelingenden Schritt gefährdet.
Möglicherweise stirbt der Rock'n'Roll irgendwann in einem.
Das heißt aber nicht, dass man als kreativer Künstler
aufhört zu existieren. Die Formen und die Prioritäten
mögen sich ändern, der Kern nicht so schnell.
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Ältere
Musiker werden ja bisweilen als Rock-Opis belächelt
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Ich glaube,
viele Leute sagen so etwas, weil sie selbst ihre müden Knochen
nicht mehr bewegen wollen. Obwohl sie es von ihrer Gesundheit her
könnten, sind sie nicht ehrgeizig und arbeiten nicht an sich.
Da spielt sehr viel Neid und eigenes Versagen eine Rolle.
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Wie
möchten Sie im Alter gerne leben?
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Ich träume
von Würde und hoffe, dass ich die richtigen Entscheidungen
treffe. Es muss attraktive Alternativen geben zu dem, was ich irgendwann
nicht mehr kann. Die sollten mich genauso ausfüllen.
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Sie
werden demnächst Vater. Was möchten Sie ihrem Kind
mit auf den Lebensweg geben?
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Ein Gleichgewicht,
das aus Zufriedenheit hervorgeht. Das Gefühl, mit Situationen
klarzukommen und Konflikte mit Zuversicht und Energie zu überstehen.
Und am Ende seiner Zeit ist es ja für jeden schön, wenn
man zurückschaut und nicht nur verbrannte Erde sieht, sondern
auch das eine oder andere Pflänzchen, das gedeiht.
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Woraus
schöpfen Sie Ihre Kraft?
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Ich habe die
Stehaufmännchen-Mentalität. Die Tatsache, dass ich zwei
Schritte machen muss, wenn ein Zweimeter-Mann einen macht, hab ich
irgendwann auf mein ganzes Leben übertragen. Das ist wie bei
einer Schildkröte, die langsam auf das Wasser zugeht, weil
sie es nie aus dem Kopf verliert. Sie will es erreichen, koste es,
was es wolle.
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Ein
Song von Ihnen heißt "Lieber Gott". Glauben
Sie?
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Absolut. Das
ist die Kraft, aus der alles resultiert. Obwohl ich atheistisch
erzogen wurde, ist bei mir irgendwann die Gewissheit entstanden,
dass es eine Institution gibt, an der ich mich ausrichten kann,
wenn alles andere versagt. Und das ist eine Kraft, die durch nichts
zu ersetzen ist.
Das Gespräch
mit Peter Maffay führten
J. Rainer Didszuweit und Jörn Dietze
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Können
Erwachsene auch von Kindern lernen?
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Wenn uns jemand
gefragt hat, für wen wir Tabaluga machen, haben wir immer gesagt:
für Kinder und solche, die es geblieben sind. Nicht ahnend,
dass Kästner* noch einen viel schöneren Satz gesagt hat,
nämlich: "Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist
ein Mensch." Darin liegt die Quintessenz: Die Kraft, die man
aus der Fantasie schöpft, ist durch nichts zu ersetzen.
(*
Erich Kästner)
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Als
Herbert Grönemeyer "Kinder an die Macht" sang,
warfen ihm viele Kritiker Naivität vor
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Ich wundere
mich immer, wie viele intelligente Menschen es gibt, die sich mit
der linken Hand am rechten Ohr kratzen. Ist es nicht schade, dass
unsere Gesellschaft geschlagen ist mit einer solchen Seriosität?
Was Herbert gesagt hat, ist, dass Unverbogenheit an die Macht gehört.
Die großen Lügner gibt es zuhauf. Aber diejenigen, die
ihre Meinung unverblümt sagen, das sind die Kinder. Auch, wenn
sie fachlich nicht in der Lage sind, das Bruttosozialprodukt zu
steigern, (lacht).
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Sie
haben sich stets politisch engagiert. Nutzen Künstler
heute zu wenig ihren Einfluss?
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Die Gesellschaft wiegt sich allgemein in einer trügerischen
Sicherheit. Es kracht zwar, aber in einer Dimension, die nicht alles
in Frage stellt. Die Toten in New York rütteln die Weltöffentlichkeit
nicht so wach, wie Hiroshima das getan hat. Andere Aspekte stehen
im Vordergrund, wie wirtschaftlicher Erfolg oder Luxus. Und plötzlich
spielen Nebensächlichkeiten eine Hauptrolle. Künstler
können diese Umstände durch Impulse ändern.
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Was
sind denn für Sie Hauptsächlichkeiten? Hat sich
da mit zunehmendem Alter etwas verschoben?
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Zur Lust, Musik
zu machen, sind noch andere Lüste hinzugekommen. Jeden Morgen
bin ich um sechs Uhr auf den Beinen, fahre 15 Kilometer mit dem
Fahrrad ins Dorf und nehme dort meinen Kaffee. Das würde ich
so in Deutschland nie machen. Ich könnte mich dort auch nicht
so anziehen, ohne Aufsehen zu erregen. Die Einheimischen hier interessiert
nicht, was ich bin, sondern wie ich bin.
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Sie
singen viel von Freiheit. Was bedeutet das für Sie?
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Die Freiheit
ist heute eine andere. Früher habe ich das Auto bepackt, bin
für zwei Monate in die Sahara gefahren und habe gedacht: "Wow!"
Jetzt gehe ich hinter dem Haus in den Berg rein und das ist nicht
minder "Wow!" Das Abenteuer liegt für mich jetzt
vor der Haustür.
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Obwohl
Sie sich auch musikalisch entwickelt haben, werden Sie oft
vorwiegend mit alten Hits identifiziert
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Das ist ein
bisschen frustrierend. Es häuft sich, wenn man lange nicht
mehr live gespielt hat und gezeigt hat, wo man gerade steht. Ich
glaube aber nicht, dass mich mit dem Abspielen von "So bist
du" noch jemand festlegen kann auf das, was ich damals war.
Seitdem sind, Gott sei Dank!, ein paar Furchen mehr ins Gesicht
gekommen.
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Manche
Klischees halten sich aber sehr lange
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Das
ist ein typisch deutsches Phänomen, weil wir dem Wort Ordnung
so verhaftet sind. Die Leichtigkeit geht uns ab. Es kann nicht sein,
was nicht sein darf. In Deutschland lernt man sich nicht wirklich
kennen, weil man sich nicht füreinander interessiert. Feste
Bilder zu haben, ist einfacher.
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Sie
sind jetzt 54. Hat Rockmusik nicht vor allem mit Jugendkultur
zu tun?
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Ich glaube schon,
dass Rockmusik ein bevorzugtes Sprachrohr der Jugend ist. Das schließt
aber nicht aus, dass es auch Ältere gibt, die nicht zum Establishment
gehören. Entscheidend ist, ob man den Leuten wirklich noch
etwas zu sagen hat.
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Das
Publikum fordert ja oft Glaubwürdigkeit ein
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Sicher! Es geht
nicht, Millionen für sich selbst zu häufen und über
Armut zu predigen. Wer Geld häuft, muss es auch entsprechend
einsetzen. Wenn nicht, wird aus einem Rock'n'Roller ein veritabler
Geschäftsmann.
| echt
info |

Bereits in den 90er Jahren unterstützte Peter Maffay
mit einem gemeinnützigen Verein zwei TabalugaHäuser
in Tutzing und Peißenberg. In beiden Häusern
werden traumatisierte Kinder aus problematischen Familien
therapiert. Mit einer eigenen Stiftung ermöglicht
er seit Juni diesen Jahres ein Kinderferienhaus in Pollença
auf Mallorca. Hier finden schwer erkrankte und einsame
Kinder aus ganz Europa Hilfe und Erholung. Zudem hat der
Künstler Patenschaften für Projekte in Osteuropa
übernommen.
Kontakt: Peter Maffay Stiftung, Klenzestraße 1,
82327 Tutzing. Spendenkonto der Stiftung:
Raiffeisenbank München, Kto.: 800 104, Blz.: 701
603 00. |
Linktipps:
www.tabaluga.com
www.petermaffay.de
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