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Sie
beginnen, die Überlieferungen ihres Glaubens zusammenzutragen:
uralte Erzählungen der Väter, von Abraham, Isaak, Jakob
und Mose, Geschichten der Könige Israels, Lieder, Psalmen,
Gebete, auch alte Rechtsvorschriften, Mord und Totschlag, manchmal
auch handfeste Erotik. Alles gehört zum Leben, zum Glauben.
Sie begreifen: Gott ist nicht im zerstörten Tempel in Jerusalem
geblieben. Er ist bei ihnen, mitten im Leben. Die deportierten Juden
dürfen eines Tages in ihr besetztes Land zurückkehren.
Andere gehen nach Ägypten oder Kleinasien und gründen
dort jüdische Gemeinden. Die Eroberer Palästinas wechseln
in den folgenden Jahrhunderten, der jüdische Glaube bleibt.
Er wandelt sich, treibt auch viele merkwürdige Blüten.
Wie das so ist, wenn Menschen über ihren Glauben nachdenken.
Ein
Rohrstock als Maß-Stab
Wer legt fest, was auf Dauer zu den heiligen Schriften des Glaubens
gehört und was nicht? Im Laufe der Zeit entsteht so etwas wie
ein Kanon. Das ist ein altes hebräisches Wort für ein
gerades Rohr, einen Mess-Stab beim Handel auf dem Markt: das Maß,
das gilt. Ein solches Maß bildet auch die Sammlung der uralten
Glaubensüberlieferungen. Am Kanon entscheidet sich, was als
Heilige Schrift gilt. Im Glauben soll nicht das Gefühl entscheiden,
sondern die Erfahrung von Generationen. Viele Teile des jüdischen
Kanons stehen bald fest: die fünf Bücher Mose, die Richter-
und Königsgeschichten, die Psalmen. Über andere wird weiter
jahrhundertelang gestritten. Als Jesus geboren wird, gibt es noch
immer keine Einigkeit unter den Theologen.
Todesstrafe
für die Liebe Gottes
Jesus ist ein jüdischer Handwerkersohn, seine Jünger sind
Fischer, Zöllner und Kleinbauern. Sie verehren die "Schrift",
die Mosegeschichten, die Psalmen, die Propheten. Aber Jesus predigt
auch Neues: Der jüdische Kanon, das Gesetz, der Bund Gottes
mit seinem Volk, sei erneuert und verändert worden. Nicht mehr
die alten, starren Regeln sollten entscheiden, sondern die friedliche
Kraft der Liebe Gottes. Das Reich Gottes ist nahe, pflegt er zu
sagen. Das bringt ihm die Todesstrafe ein, deren Vollstreckung am
Kreuz.
Q
wie Quelle
Etwa eine Generation lang sind die Christen erfüllt von den
Berichten über die Auferstehung des totgeglaubten Jesus. Warum
soll man etwas aufschreiben, wenn doch das Reich Gottes und das
Ende der Welt so nahe bevorstehen? Dennoch kursieren schon bald
Aufzeichnungen über die Reden Jesu, etwa die Bergpredigt. Man
hat sie die Quelle "Q" genannt. Ein Original ist nicht
erhalten und die Fachleute haben heute auch Zweifel, ob es nicht
mehrere Quellen dieser Art gegeben hat. Aber viele "Q"-Spuren
finden sich in den Evangelien, die später das Leben Jesu schildern.
Das
Reich Gottes dauert noch
Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus wird klar: Das Ende
der Welt lässt auf sich warten. Oder hatte man den Meister
falsch verstanden? Ein bekehrter jüdischer Funktionär
namens Paulus hat die Botschaft Jesu inzwischen begeistert nach
Kleinasien und Europa getragen. Nun stellt sich auch für die
Christen die Frage: Was gibt man jenen mit, die später und
anderswo als in Palästina geboren sind? Wie könnte ein
christlicher Kanon aussehen? Mehr als 200 Jahre dauerte es, bis
auf mehreren Konzilien einigermaßen Einigkeit über diese
Frage hergestellt ist. Der Grundstock des Neuen Testaments liegt
fest: die vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes,
Berichte über das Leben Jesu, die so genannte Apostelgeschichte
des Lukas, viele Briefe, besonders die des Paulus, und die merkwürdige
Schau vom Ende der Welt, die Offenbarung des Johannes.
"Bund"
oder "Testament"?
Die jüdische Glaubenstradition wusste vom uralten Bund Gottes
mit seinem Volk, geschlossen in grauer Vorzeit am Sinai. Der Glaube
der ersten Christen war, dass durch Tod und Auferstehung Jesu ein
neuer Bund geschlossen sei. Deshalb nannten sie ihren Glauben den
Neuen Bund. Erst allmählich setzten sich die Begriffe Altes
und Neues Testament durch: Bezeichnungen für die Vermächtnisse
des Glaubens, auch als deutliches Signal: Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Das
Wasser der Quellen
Man hat den Christen vorgeworfen, sie missbrauchten die Bibel der
Juden für ihre eigenen Zwecke. Diese Kritik übersieht
den breiten Strom des Glaubens, der das Alte mit dem Neuen Testament
verbindet: Ein einziger, allmächtiger Gott hält die Welt
und was auf ihr lebt, in seiner Hand. Der Grund unseres Lebens ist
seine unbegreifliche Liebe zu den Menschen und am Ende wird nicht
der Tod, sondern diese Liebe das letzte Wort haben.
Der
Strom des christlichen Glaubens in unserer Zeit mag breit sein,
unübersichtlich, und manchmal sieht man den Grund nicht. Aber
er führt das Wasser der Quellen weiter.
Joachim Schmidt
Fotos: Corel
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Die wichtigsten Übersetzungen
der Bibel

Übersetzungen der Bibel oder von Teilen wurden geschaffen,
wenn die Sprache
der Heiligen Schriften nicht mehr verstanden wurde:
Die
Septuaginta
Im dritten Jahrhundert vor Christus wurden große Teile des
Alten Testaments aus dem Hebräischen ins damals rund ums Mittelmeer
gesprochene Griechisch übertragen. Der Legende nach lieferten
in Alexandria (Ägypten) siebzig (septuaginta) Gelehrte unabhängig
voneinander die gleiche Übersetzung ab.
Die
Vulgata
Die Schriften des Neuen Testaments entstanden sämtlich in griechischer
Sprache. Außerdem hatte man die Septuaginta. Aber im vierten
Jahrhundert nach Christus hatte das Griechische sehr an Bedeutung
verloren. Die wichtigste Sprache war Latein. Eine Übersetzung
der ganzen Bibel ins Lateinische musste her. Gelehrtere Geister
nannten sie abschätzig die "Gewöhnliche" (Vulgata).
Die
Bibel Martin Luthers
Im Mittelalter war die Kenntnis der Bibel zu einer Art Geheimwissenschaft
weniger geworden. Obwohl nur Gelehrte Lateinisch konnten, wurden
sogar die Gottesdienste auf Latein gehalten. Martin Luther, der
Begründer des evangelischen Glaubens, übersetzte deshalb
ab 1517 die "Bibel für alle" ins Deutsche - und schuf
dabei auch gleich die moderne deutsche Sprache.
Und
heute?
Weltweit gibt es heute Bibel-Übersetzungen in mehr als 2.300
Sprachen. Aber noch längst nicht jeder kann die Bibel in seiner
Muttersprache lesen. Denn auf der Erde gibt es rund 6.500 Sprachen.
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