
Als 1993 die erste Ausgabe von echt erschien, kam das einer kleinen
Revolution gleich. Eine Zeitschrift, mit der sich eine Landeskirche
viermal jährlich per Post bei ihren Mitgliedern meldet - so etwas
gab es bis dahin nicht. Das ungewohnt bunte Layout und die nicht nur
rein kirchenbezogenen Themen spalteten die Leserschaft und machten
echt zu einem Politikum, das auch in Spiegel und Focus hohe Wellen
schlug.
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Zehn
Jahre echt
Rückblick |
Von "Blasphemie"
und "Ausverkauf des Glaubens an die Popkultur" war ebenso die
Rede wie von "längst fälliger Offenheit", "unideologischer
Darstellung" sowie "Frische, die der Kirche gut tut". "Die
erste Kirchenzeitschrift, die ich von vorn bis hinten lese", jubilierte
ein Leser, während ein anderer befand: "echt ist echt das Letzte."
In der Tat war manches ungewohnt: Pfarrerinnen und Pfarrer sahen ihre
Gottesdienste von Prominenten wie Nina Ruge, Jürgen Grabowski, Peter
Hunold, Holger Weinert oder Petra Roth kritisch bewertet und eine schrille
Karikatur zierte die letzte Seite.
Dialogmedium
und Kirchenhotline
Einige hatten entdeckt, dass das Wort "Jesus" eindeutig unterrepräsentiert
sei, andere wiederum fragten irritiert: "Ist eure Kirche denn wirklich
so schön bunt wie echt?" Nach und nach jedoch rückten die
Inhalte in den Vordergrund und echt entwickelte sich mehr und mehr zu
einem Dialogmedium in Sachen Kirche. Das Redaktionstelefon wurde schnell
zu einer Art "Kirchenhotline", der Briefkasten zum Kummerkasten.
Ob bei Fragen zu Trauung, Taufe und Konfirmation oder persönlichen
Problemen - Leserinnen und Leser suchen Kontakt zur Redaktion, die auch
an kirchliche Beratungseinrichtungen weitervermittelt.
"Liebesbriefe"
per E-Mail
Manch Skurriles hörten wir am Telefon: Beispielsweise die erregte
Anfrage, ob ein Gemeindepfarrer denn wirklich mit Mitarbeitern in der
Kirche Bier und Wein trinken dürfe. Auch wenn ihnen der Strom gesperrt
wurde oder die Kleider in der Reinigung verschwanden, war das Lesern einen
Brief wert. Der Begeisterung der Redaktion indes, die im Sommer 1999 plötzlich
haufenweise Liebesbriefe per E-Mail erhielt, folgte schnell die Ernüchterung:
Teenies hatten über Internet-Suchmaschinen nach Kontakten zur angesagten
deutschen "Boygroup" Echt gesucht und waren irrtümlich
an die Redaktionsmail geraten. Doch auch eine echte Beziehung hat echt
"gestiftet": Eine junge Frau hatte sich unsterblich in das Foto
eines Mannes aus der Straßenumfrage verliebt und bedankte sich bei
uns, nachdem sie ihren Angebeteten per Telefonbuch aufgespürt und
kennen gelernt hatte.
Servicelisten
als Renner
Die echt-Servicelisten steigern die Kontakte zu den Leserinnen und Lesern
noch einmal gewaltig. So bestellten über 80.000 die Serviceliste
"Wohin wenden, wenn ein Angehöriger stirbt?" und auch das
Heft zum Thema "Tod" war schnell vergriffen. Religionskurse
und Konfirmandengruppen arbeiten immer öfter mit echt und die regelmäßigen
Bestellungen von Klassensätzen steigen stetig. Vor allem Gemeinden
fordern große Stückzahlen der Serviceliste "Kirchliche
Praxis", legen sie ihren Gemeindebriefen bei oder überreichen
sie neu Zugezogenen. Die Listen mit hilfreichen Adressen zu den Themenschwerpunkten
unseres Magazins werden regelmäßig abgerufen. Zahlreiche kirchliche
Einrichtungen übernehmen sie oder verlinken sie mit ihren Websites.
All das, was kirchenintern für Diskussionsstoff sorgte, beschäftigte
auch die echt-Leserinnen und -Leser. Ob es um den "Muezzin-Ruf"
in Deutschland, Mobilfunkantennen auf Kirchtürmen oder unlängst
um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ging - das Redaktionstelefon
stand nicht still. Und vor kurzem randalierte ein Mann in der Redaktion,
weil "alle Pfarrer Heuchler seien". Erst durch einen Polizeieinsatz
konnte er zur Raison gebracht werden. 
echt
als Markenzeichen
Die Tatsache, dass die Zeiten längst vergangen sind, als Leser an
die Redaktion LICHT oder ACHT schrieben, beweist ebenfalls, dass echt
zu einem Markenzeichen geworden ist. Prominente wie Maren Kroymann, Henry
Maske, Hans Eichel, Reinhold Messner oder Dietmar Schönherr stellten
sich in Interviews den Fragen der Redaktion und drei aktuelle Magazine
zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2001 in Frankfurt machten echt
endgültig überregional bekannt. In Zusammenarbeit mit dem landeskirchlichen
Evangelischen Medienhaus sowie der Evangelischen Kirchenzeitung gab die
Redaktion drei aktuelle Hefte heraus, die neben aktueller Berichterstattung
ausgewählte Tipps für die Tagesplanung boten. Bereits Ende 2000
hatte die Synode echt für weitere fünf Jahre beschlossen. Eine
neue, beim Institut IFAK in Auftrag gegebene Akzeptanzuntersuchung, übertraf
die positiven Vorgaben aus der ersten Untersuchung von 1995 - echt wird
von 77 Prozent der Adressaten gelesen und erreicht damit über drei
Viertel der Mitglieder unserer Landeskirche. Wir freuen uns darüber
und wünschen uns weiterhin aufmerksame und kritische Leserinnen und
Leser.
Redaktion
echt
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