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Liebe kennt keinen Kalender
Man nennt es das Fest der Liebe und denkt dabei vielleicht an das Kind in der Krippe, das man einfach lieb haben muss. Aber für viele Menschen ist Weihnachten jedes Jahr auch mit Zwang, Heuchelei und Enttäuschung verbunden. Einmal im Jahr muss so getan werden, als ob. Als ob sich alle gut verstünden. Als ob man Verständnis einfach anordnen, Konflikte einfach vergessen und giftige Bemerkungen leicht herunterschlucken könnte. Wäre der Name nicht so festgelegt, dann ließe sich unter einem Fest der Liebe ja auch etwas ganz anderes vorstellen: entspannte Geborgenheit zum Beispiel, Verstehen, Nähe und Zärtlichkeit. Das gibt es alles sicher auch, aber es scheint nicht leicht zu sein. Ich höre es von vielen Menschen jedes Jahr nach den Feiertagen: Es war schön, aber es war auch nicht einfach. Die Weihnachtszeit lebt von wachsenden Erwartungen, und manche Erwachsene werden da wie die Kinder. Viele Wochen lang scheinen alle Lebensstränge auf dieses eine Fest zuzulaufen. Dann soll sich erfüllen, was das Jahr über so selten geklappt hat: das Verständnis füreinander, die Geduld miteinander, die Zuneigung zueinander. Die Erwartungen sind groß und oft sind es auch die Enttäuschungen hinterher. Weil sich eben nicht annähernd eingestellt hat, was alle erwartet haben: Friede, Freude und Harmonie. So funktioniert
das Leben nicht. Weihnachten, das sind ein, zwei Tage im Jahr, manchmal
nur wenige Stunden. Wie soll da auf einen Schlag das vorhanden sein,
worum man sich das ganze Jahr über so wenig bemüht hat? Menschliche
Nähe und Liebe kennen keinen Knopfdruck, und sie stellen sich auch
nicht nach dem Kalender ein. Das Fest der Liebe braucht Zeit zum Wachsen
- oder es findet nicht statt. |
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