Der Weisheit 
 letzter Schluss

Das harmonische Zusammenleben der Geschlechter ist eigentlich unmöglich. Zu sonderbar die einen, zu rätselhaft die andern. Doch uns Christen ist die Liebe aufgetragen. Auch und gerade in der verschärften Form der Liebe zwischen Frau und Mann. Wir schenken Ihnen deshalb 9 Tipps für den Alltag aus über 100 Jahren Feldforschung. Holzschnittartig, ungesichert. Politisch etwas unkorrekt. Aber mit Liebe.

Hilf ihm suchen, Weib! Dein Mann ist ein Jäger. Seine Augen sind gemacht, in der Ferne den Hirsch zu erspähen. Er besitzt weder die Gabe, einen ganzen Kühlschrank nach einer Butterdose zu durchforsten, noch die Fähigkeit, den Brief vom Finanzamt wiederzufinden. "Liebling, wo ist denn...?" - In dieser Sekunde weiß er die Überlegenheit des weiblichen Blicks aufrichtig zu schätzen!
Sei ein Gentleman, charmant ohne Murren. Frauen sind zart und schreckhaft und brauchen Zeit, sich auf die Annäherung ihrer Männer einzustimmen. Zeig dich geduldig, schenke ihr nach, dimme das Licht. Ein gepflegtes Äußeres (Rasur) ist gerade jetzt keine Zeitverschwendung. Es hilft dir natürlich auch anderswo, dein Ziel zu erreichen.
Nutze den Waldspaziergang mit dem Mann für kleine Ratespiele, Frau. Frag ihn: Welche Kaffeesorte trinken wir eigentlich immer? Wie viel Prozent Fett darf der Quark haben? Das macht Spaß und hilft ihm beim nächsten Einkauf.
Apropos. Deine Frau muss hie und da "nur noch mal schnell" in ein Schuhgeschäft "reinschaun". Während sie fast alle Paare anprobiert, errechnest du das Verhältnis der ausgestellten Schuhe zur Quadratmeterzahl des Ladens. So bleibst du fit im Kopf und sie freut sich über deine Geduld.
Dein Mann kann unmöglich einschätzen, wie lange seine Bastelarbeit noch dauert, und wann er dazu kommt, seine Saunahandtücher aufzuhängen. Häng sie einfach selbst auf und fang dann schon mal mit dem Abendessen an. So hast du es gemütlich und er seine Ruhe.
Es kommt vor, lieber Mann, dass sämtliche Handschuhe plötzlich in einer anderen Schublade liegen. Sie findet das "praktischer". Steck ihr ein Pralinee in einen ihrer Fäustlinge zum Zeichen deines Einverständnisses. Oder zwei. Für euch beide.
Wenn du mit deinem Mann ein heikles Thema besprechen willst, wähle eine reizarme Umgebung. Frag keinesfalls, was er fühlt, mach bloß keine Szene. Sag schlicht, was er tun kann, um dein Herz zu erfreuen. Und warte, was passiert.
Er kann nicht erklären, wie es geht, er kann es nur tun. Bleib gelassen, lass ihn machen. Wenn du es partout selber können willst, geh in einen Kurs von Frauen für Frauen und sag ihm nichts davon. So seid ihr beide überlegen.
Der Weisheit letzter Schluss: Erziehungsarbeit, Beziehungsarbeit, Liebesarbeit ... alles zwecklos. Nur eine Art von Arbeit gibt der Liebe eine Zukunft. Das ist die Arbeit am Humor.

Marie Lampert



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