Pro und Kontra:
Scheidungsgottesdienste für sich trennende Paare?

Der Ruf nach speziellen Gottesdiensten für Paare, deren Ehe auseinander geht, sorgt für Diskussionsstoff innerhalb der Kirche. Was die einen als Chance betrachten, zu einer bewussten und fairen Trennung beizutragen, halten andere für "unbiblisch" und "kirchenzersetzend". echt hat nachgefragt.


Armin Beuscher, 44, ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Lindenthal und bietet Gottesdienste für von Trennung und Scheidung betroffene Menschen an.

 

 


Pastor Dr. Erhard Berneburg, 48, ist Studienleiter des Krelinger Studienzentrums im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen, Walsrode.

 

 

Pro

Ein Trennungsritual bekräftigt Gottes Zusage, dass er nicht nur zu Hoch-Zeiten uns nahe ist, sondern auch im Scheitern. In einem Gottesdienst gestehen Paare, die ihre Ehe ernsthaft vor Gott und den Menschen bekundet haben, vor Gott und vor einander ihre Schuld ein. Ein liturgischer Rahmen hilft dabei. Wir begleiten und stärken die Geschiedenen, nicht die Scheidung.

Trennungsseelsorge ist zentrale Aufgabe der Kirche. Wir müssen da sein für die Generation der 35- bis 60-Jährigen, die uns brauchen, wenn sie sich neu orientieren. Wenn wir nicht da sind, dann treten die Menschen aus, weil sie merken: Wenn es ernst wird, kann ich gleich zum Arzt oder Therapeuten gehen. In einem Ritual kann die Ehe intensiv gewürdigt, das, was verletzt hat, vergeben werden.

Ein Scheidungsgottesdienst ist Teil einer seelsorgerlichen Begleitung. Trennungsarbeit ist Beziehungsarbeit für die Zukunft. Wer jetzt sein Scheitern nicht aufarbeitet, scheitert wieder. Ein solcher Gottesdienst gibt Kraft, sich umso bewusster in neuen Beziehungen um die Liebe zu bemühen.

Kontra

Ein Scheidungsritual widerspricht der biblischen Vorgabe. Sowohl Altes als auch Neues Testament geben deutlich davon Zeugnis, dass die Ehe eine gute Ordnung Gottes ist. Somit ist die Ehescheidung keine normale Situation, sondern ein Ausnahmezustand, der nicht durch ein Ritual zu etwas von Gott Gewolltem uminterpretiert werden darf.

Statt das Scheitern von Ehen durch Rituale zu begleiten, muss es darum gehen, Ehe und Familie zu stärken. Arbeit mit jungen Familien ist eine große Aufgabe der Gemeinden, die Paare begleiten und Krisen auffangen können. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen nicht erst zu uns kommen, wenn die Trennung bereits vollzogen ist.

Für in einer Ehe Gescheiterte und getrennt Lebende sollte die Kirche auf breiter Basis seelsorgerliche und diakonische Angebote bereithalten. Dazu bedarf es jedoch keines Rituals. Im Gegenteil: Ein solches würde zu sehr darüber hinweggehen, dass Trennungen immer mit viel Schmerz verbunden sind. Die Gefahr ist groß, dass ein einmaliges Trennungsritual als Ersatz für eine intensive seelsorgerliche Begleitung betrachtet wird.

Aufgezeichnet von: Jörn Dietze


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