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Nach
Bethlehem
Zwischen dem staubigen Weg, der sich am Hügel hoch schlängelte, und dem Bach unten im Tal lagen Terrassen mit Olivenbäumen, unter denen der rote Mohn blühte. Josef blieb stehen, um auf den kleinen Reitesel zu warten, der Mirjam trug. Linker Hand sah er, in der tief stehenden Sonne, die Mauern und Türme Jerusalems, gekrönt vom Palast des Herodes. An manchem dieser Gebäude hatte er als Junge mitgebaut. Mirjam lächelte, während sie langsam näher kam, und es schien Josef, als würde auch der kleine Esel lächeln, der sie trug. Als sie ihn erreicht hatten, konnte Josef die Wärme spüren, die das Tier und seine Frau abgaben. Seit Sonnenaufgang waren sie ohne längere Rast unterwegs.
Er brachte den Esel vor einem kleinen, fensterlosen Gebäude zum Stehen. Einige Frauen standen um die tiefe Eingangstür herum. Mirjams fragenden Blick beantwortete Josef, indem er ihr die Hand reichte, um ihr vom Esel zu helfen. Dann sagte er: "Rahels Grab." Dieser Ort galt als bedeutendes Heiligtum. Hier hatte Jakob einen Grabstein errichtet, nachdem Rahel bei der Geburt ihres zweiten Sohnes gestorben war, und es hatte sich gezeigt, dass dieser Stein imstande war, Frauen zu helfen, die eine schwere Geburt befürchteten. "Fürchte dich nicht, denn auch diesmal wirst du einen Sohn haben", hatte die Wehmutter zu Rahel gesagt, und diesen Satz der Schrift wiederholte Josef im Stillen, während Mirjam von einigen Frauen ins Innere geführt wurde.
Als er das Gebet beendet hatte, bemerkte er, dass er nicht der Einzige war, der vor dem Heiligtum auf seine Frau wartete. Ein junger Bauer ordnete die Taschen seines Maultiers, einige Männer standen zusammen und sprachen leise. Sie schienen nicht weniger nervös als er selbst. Josef schaute immer wieder zur Tür und ertappte sich bei der Befürchtung, Mirjam könnte das Gebäude nicht wieder verlassen. Doch da erschien sie schon, begleitet von einer der alten Frauen, die sich um den kleinen Garten kümmerten. Die Alte führte Mirjam am Arm und strahlte Josef an. "Die Niederkunft steht bald bevor", sagte sie lachend. "Vielleicht schon heute Abend." Auch Josef begrüßte sie lächelnd, doch ihm war, als würde ihn jeder Mut verlassen. Heute Abend schon? Die Alte plapperte weiter, ohne dass Josef ihr zuhörte. Er wusste, dass die Schwangerschaft bereits weit fortgeschritten war, viele hatten ihnen deshalb von der weiten Reise abgeraten. Seit Monaten schien es ihm, als könne Mirjams Bauch gar nicht runder und praller werden. Und doch war ihm die Vorstellung, dass Mirjam bluten und schreien würde, wie er es schon von so vielen Frauen gehört hatte, und dass bald ein winziges, verschrumpeltes Wesen als sein Kind in ihren Armen liegen würde, vollkommen unglaubwürdig. Die alte Frau lachte, als sie Josef so schweigend dastehen sah. Sie erkundigte sich nach ihrer Unterkunft und versprach, später am Abend vorbeizuschauen, falls eine Wehmutter gebraucht würde. Josef, der aus einer frommen, chassidischen Familie stammte, murmelte ein kurzes Gebet, eher er den heiligen Ort verließ. Dann half er Mirjam wieder auf den Reitesel, und sie gingen hinunter nach Bethlehem. Unterdessen war die Nacht hereingebrochen.
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