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Aus
einem Psalm Davids:
"Von
allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über
mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann
sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist und
wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen
Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe,
so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort
deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten."
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Bis
hierher
und dann weiter
Eigentlich unbeschreiblich,
dieser Gott, der immer schon da ist, zu Wasser und zu Lande, im Himmel
und unter der Erde. Ein Gott, der keine Grenzen kennt, der kann zutiefst
beruhigend sein. Denn Gott hält seine Hand über mir, schützt
und führt mich, gibt mir Halt. Nicht mal im letzten Winkel der
Erde brauche ich auf dieses Geleit zu verzichten. Andererseits entkomme
ich ihm auch dann nicht, wenn ich es wollte. "Wohin sollte ich
fliehen vor dir?" - Das ist eine rein rhetorische Frage, wie auch
der Psalmdichter David weiß: Gott ist immer da, sieht dich, entdeckt
dich überall.
Der Gott, der immer schon da ist, sagt über sich selbst: "Ich
bin, der ich bin." Oder: "Ich werde sein, der ich sein werde."
Er kennt keinen Anfang und kein Ende, sondern er ist allenfalls Anfang
und Ende, das A(lpha) und das O(mega), wie der erste und der letzte
griechische Buchstabe heißen. Das ist gerade das Göttliche
an Gott, dass ihn nichts begrenzt und ihn keine Schranken halten. Das
Menschliche am Menschen dagegen sind eben seine Grenzen. "Der Mensch
ist frei wie der Vogel im Käfig; er kann sich innerhalb gewisser
Grenzen bewegen." Mit diesem Satz hat Johann Kaspar Lavater, ein
evangelischer Theologe aus der Schweiz im 18. Jahrhundert, die Situation
spöttisch beschrieben. Auch wer das Bild vom Vogelkäfig für
überzeichnet hält, weiß, dass Grenzen das ganze Leben
eines Menschen umgeben. Er erfährt es als Säugling, der nicht
wieder zurück in die schützende Wärme des mütterlichen
Bauches kann, als Erwachsener, dessen hochfliegenden Pläne sich
als nicht machbar erweisen, und zuletzt am Lebensende, wenn der Tod
die Grenzlinie zieht: "Bis hierher und nicht weiter!" Grenzen
und Einschränkungen, Enge, Verbote von A bis Z. Menschenschicksal.
Darum sehnen sich die Menschen nach Grenzenlosigkeit, nach Entgrenzung,
wollen wenigstens einmal im Leben über die Stränge schlagen,
einmal die elende Schwerkraft abschütteln, die uns die Füße
an den Boden fesselt, einmal alle Schranken vergessen.
Auch wer glaubt, hat Lust aufs Grenzenlose. Aber nicht nur. Wer glaubt,
versteht das Licht zu deuten, das hin und wieder in den grauen und begrenzten
Alltag fällt, das Licht von einer anderen Welt. Jenseits der Endlichkeit
gibt es Gottes Ewigkeit, jenseits meiner engen Grenzen kann ich Gottes
Weite spüren.
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![Helwig Wegner [Foto: Ilona Surrey]](img/h_wegner.jpg)
Helwig Wegner
(53) ist Pfarrer und Publizist in Frankfurt am Main.
Seit 1999 leitet er das MEDIENHAUS,
Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in
Hessen und Nassau
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Deswegen heißt es an den alltäglichen und auch den großen
einmaligen Grenzen, die ich erfahre: Bis hierher und dann weiter! Der
grenzenlose, ewige Gott wird schließlich nach der Begleitung durch
dieses endliche Leben zum letzten Ziel, in das sich der Mensch getrost
verlieren darf.
Helwig Wegner