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Ehrfurcht vor dem Leben |
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„Der Landmann, der auf seiner Wiese tausend Blumen zur Nahrung für seine Kühe hingemäht hat, soll sich hüten, auf dem
Albert Schweitzer hat lange nach der Beschreibung gesucht,
die den Platz des Menschen zwischen den anderen Lebewesen zutreffend kennzeichnet:
„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. So
schlicht der Satz klingt, er beinhaltet eine gar nicht so selbstverständliche
Basis um weiter zu denken. Es gibt nicht nur ein menschliches Recht auf
Leben. Auch Tiere, sogar Pflanzen, alles, was lebendig Gegen die Gedankenlosigkeit Und wird doch immer wieder daran gehindert, auch von Dr. Schweitzer. Als Arzt ist er nicht nur an der Erhaltung von Leben beteiligt, sondern auch an seiner Vernichtung. Wenn er zum Beispiel die Erreger der Schlafkrankheit, die er unter seinem Labormikroskop ausmachen kann, bekämpft, dann tötet er damit Lebewesen. Im Übrigen besitzt er ein Gewehr, mit dem er Schlangen schießt und manchmal auch Raubvögel, wenn sie die Nester anderer Vögel plündern wollen. Albert Schweitzer ist – das mag manche überraschen – nicht einmal Vegetarier. Stellen wir uns die Sache also nicht zu idyllisch vor. Wenn ich alte Fotos von dem Urwalddoktor mit seinem zahmen Pelikan sehe, dann weiß ich, dass er ihn am liebsten mit frisch gefangenen Fischen gefüttert hat. Und trotzdem: Aus einer tiefen Ehrfurcht heraus, die er vor allem Leben hatte, hat er einen Augenblick später den in der Hitze siechenden Regenwurm zurück ins feuchte Gras gesetzt. Es ist gut, dass es ab und zu solche Menschen wie Albert
Schweitzer gibt, Menschen, die nicht nur ihresgleichen, sondern alles
Leben in ihr weites Herz schließen. Sie Helwig Wegner www.albert-schweitzer-zentrum.de |
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erschienen in echt, 2. Quartal 2002 Copyright by EKHN, Darmstadt |