Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, riskiert das Leben anderer. Keiner grenzt sich ab, ohne schuldig zu werden. Dabei geht das Spiel nur auf Zeit. Dem Tod kann niemand ausweichen, dem großen Elend, in das jeder Mensch eines Tages hinübermuss. Wer diese Grenze überschritten hat, kehrt nicht wieder. Vom Sterbebett steht keiner mehr auf.

Zurück aus dem Ausland des Todes?
Als die ersten Christen erzählten, der Rabbi Jesus sei drei Tage nach seiner Hinrichtung am Kreuz von den Toten zurückgekehrt, auferstanden und für einige Wochen wieder lebendig geworden, fasste man sich wohl bedeutungsvoll an die Stirn. Aus dem Elend des Todes zurück ins Leben kommen, die brutale Grenze des Todes überwinden? Da wären wohl erst einmal ein paar Beweise fällig.

Beweise hatten die ersten Christen so wenig wie die Christen heute und Augenzeugen der Auferstehung gab es nicht. Alle waren ja geflohen, standen unter Schock. Zu entsetzlich war das Geschehen auf dem Hügel Golgatha gewesen. Die Ausweglosigkeit der grausamen Hinrichtung Jesu durch die römische Militärmacht. Die Stunden seines qualvollen Sterbens. Die Verzweiflung der wenigen Freunde und Hinterbliebenen, die sich dorthin gewagt hatten.

Den ersten Christen dämmerte was
Aber dann der Ruf der Frauen, die den Leichnam Jesu am Morgen des dritten Tages hatten besuchen wollen: „Er ist auferstanden!“ Fassungslosigkeit angesichts des leeren Grabes. Bald die ersten Gerüchte. Dann glaubwürdige Zeugen, die ihn gesehen, mit ihm gesprochen, mit ihm gegessen hatten. Es begann den ersten Christen zu dämmern, dass der entsetzliche Tod Jesu am Kreuz vielleicht doch nicht sinnlos gewesen war.

Sie erinerten sich, wie er von ihnen Abschied genommen und seine Angst überwunden hatte und dann freiwillig seinen einsamen Weg über die Grenze des Todes gegangen war. Er gehorche Gott, seinem Vater, hatte er gesagt. Damals verstanden sie nicht, dass er auf diese Weise die schwerste aller Bedrohungen besiegen musste: die Angst vor dem Tod. 

Sieg über die Grenze
Jesus Christus hat die Macht des Todes gebrochen, die Grenze geöffnet. Er ist auferstanden, er lebt. Und dieses Leben steht allen offen, die an ihn glauben. Das war das erste Bekenntnis der Christen. Die Erinnerung daran feierten sie am Sonntag zum Beginn jeder Woche. Nach dreihundert Jahren wurde daraus das Osterfest.

Zu Ostern feiern die Christen den Sieg Jesu über die Grenze des Todes. Vielleicht tun sich deshalb die Sesshaften etwas schwerer mit der Auferstehung.

Joachim Schmidt


erschienen in echt, 1. Quartal 2002
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