echt Pro und Contra:
Werden Spätaussiedler ausreichend gefördert?

 Sie kommen aus Russland, Kasachstan oder Belarus und suchen in Deutschland ihre alte, neue Heimat. Doch hier angekommen erwartet sie vielfach ein Land mit einer fremden Kultur – und einer Sprache, die sie nicht oder nur bruchstückhaft beherrschen. Wird in der Bundesrepublik genug dafür getan, um diese Menschen zu integrieren? echt hat nachgefragt.

Uwe MartiniPro: Jochen Welt, 54, ist Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen im Bundesministerium des Innern in Berlin.

Contra: Lena Khuen-Belasi, 54, arbeitet mit jungen Zuwanderern im Jugendgemeinschaftswerk des Internationalen Bundes, Verbund Baden, in Karlsruhe.

Durch die Anpassung der Quote auf die tatsächliche Zuwanderung von 100.000 im Jahre 2000 erreichen wir eine sozialverträglichere Integration von Spätaussiedlern, da wir der Ghettobildung in einzelnen Gemeinden entgegenwirken.

Was die Integration von Spätaussiedlern betrifft, gibt es zur Zeit eine negative Entwicklung. Integration erreicht man nicht durch eine Zuwanderungsbegrenzung.

Dass verschiedene ethnische Gruppen in den Sprachkursen sind, etabliert Deutsch schneller als Kommunikationssprache. Der Entwurf für ein neues Zuwanderungsgesetz sieht zum ersten Mal den Anspruch auf Sprachförderung auch für die Schwiegerkinder von Spätaussiedlern vor.

Der Bund plant, seine Sprachförderung kostenneutral auf alle bleibeberechtigten Zuwanderer auszudehnen und auf drei Monate zu reduzieren. Verglichen mit der bisherigen Förderung von beispielsweise zwölf Monaten für junge Spätaussiedler und Asylberechtigte ist das eine Katastrophe für das Ziel der Bildungsfähigkeit.

Seit 1999 bewilligt die Bundesregierung im Rahmen des „Jump-Programms“ jährlich eine Milliarde Euro für die Ausbildung und Qualifikation von Jugendlichen. Fast 20Prozent von den auf diese Weise Geförderten sind Aussiedler.

Spätaussiedler geraten auch auf dem Arbeitsmarkt immer mehr ins Abseits. Indem man die Sprachförderung zurück-schraubt, entzieht man auch einer vernünftigen beruflichen Qualifikation jegliche Grundlage.

Die Fördermittel für Integrationsprojekte haben wir um etwa 70 Prozent aufgestockt. Jährlich unterstützen wir so um die 8.500 Integrationsprojekte im Jugend- und Sportbereich.

Die Bundesmittel für die Beratung von Zuwanderern sind im vergangenen Jahrzehnt erheblich gekürzt worden, so dass sich manche Organisationen aus diesem Arbeitsfeld verabschieden mussten.

Aufgezeichnet von Jörn Dietze. Fotos: Daniel Kilian

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