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Vom Tannengrün bis zum Nikolaus, vom Plätzchen-Backen bis zum Kerzenschimmer – auf dem Land haben noch heute die Weihnachtsbräuche eine stärkere Bedeutung als in den größeren Städten.
Ein Streifzug durch die Vorweihnachtszeit mit Karl-Heinz Stier.
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- In Lauterbach kennt man sie, die Gebildbrote, auch “Nickelsbubbe” genannt: Teigtiere oder Götterteigbilder, die als Ersatz für
Opfertiere gebacken und in heidnischer Zeit den Winter- und Totengottheiten verehrt wurden und die vor allem um den Niklaustag verkauft werden. Die – fast – benachbarten Alsfelder halten sich traditionell
lieber an ihre Puppen und Hasen und schenken sie an Weihnachten den Patenkindern – streng wie es die soziale Rolle seit je her verlangt: die Puppen den Mädchen und die Hasen den Jungen.
- Im Odenwald werden seit über 200 Jahren Lebkuchen nach alten Rezepten zubereitet. Sie sollen böse Geister abwehren, die Menschen gesund
erhalten und die Lebensfreude stärken. In alten Tagen waren sie der Preis, den junge Männer einstecken konnten, wenn sie den Jungfrauen des Dorfes „eine gepfeffert“, mit der frischen Lebensrute leichte
symbolische Schläge ausgeteilt hatten – mehr sanfte Berührung als rohe Gewalt.
- Auch der Nikolaus zieht noch immer am 6. Dezember – oder auch am Vorabend – mit der Rute durch die Straßen. Meist gemeinsam mit Knecht
Ruprecht – schenkend der eine, strafend der andere. Wobei Letzterer sicher zu den üblen Gestalten zählt. Er, der angeblich Tanzende und Tobende in Tote verwandeln kann, rasselt mit den Ketten, stampft und
schreit, poltert gegen die Häuser. Ein furchterregendes Szenario gerade für Kinder, die sich eben viel lieber an den Nikolaus, den lieben, guten Weihnachtsmann, hielten und halten. Oder, wie im Odenwald, an
das Christkind mit dem Strohnickel – wie der Nikolaus dort heißt. Allesamt sollen sie seit grauer Vorzeit Dämonen und böse Geister austreiben.
- Denn Glaube und Aberglaube liegen bei den Weihnachtsbräuchen dicht beieinander. So legte man in einigen Gegenden Oberhessens in der
Christnacht einen alten Holzklotz in den Ofen, riss ihn beim letzten Glockenschlag heraus und schleppte ihn halb angekohlt unters Dach – als Schutz gegen Blitz und Brand.
- Im Mossautal im Odenwald schmückt man einen Apfelbaumzweig mit Stroh und umwickelt ihn mit Strohquasten. In der Weihnachtszeit – so der alte
Wunderglaube – schlagen kahle Zweige aus, blühen Rosen und Tiere können sprechen.
- In Leeheim im hessischen Ried bringen die Kinder noch heute am Heiligen Abend während des Glockenläutens ein Bündelchen Heu zur Tür ihres
„Petters und der Goth“ (des Paten und der Patentante) – als gute Gabe fürs Eselchen des Christkindes, das sich daran satt fressen soll.
- In osthessischen Örtchen soll es noch den Brauch geben, dass junge Mädchen, die sich in Liebesdingen nicht sicher sind, nach dem Festmahl am
Heiligen Abend zum Hühnerstall gehen und leere Nussschalen im dunklen Stall unter die Hühner werfen. Dann lauschen sie, wer zuerst einen Ton von sich gibt: „Gackert der Hahn, kriegste en Mann, gackert die
Henn, kriegste kenn“, so die Weissagung.
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