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Es ist kein Fest, das ein Höhepunkt des Alltags wäre. Es ist ein Beisammensein im Reich zwischen Vergangenheit und Zukunft. Bei der Beerdigung ist
das gerade vollendete Leben meiner Mama ganz präsent. Danach reden wir zunächst nur von ihr. Und lösen uns ganz allmählich, bis die Themen der Menschen, die weiterleben, das Gespräch bestimmen. Rückschau
halten, mich vorsichtig umdrehen und dann wieder Gegenwart und Zukunft betrachten: Diesen Prozess, den ich in den kommenden Monaten vollziehen werde, erlebe ich an diesem Nachmittag im Zeitraffer schon einmal
voraus. Auch dafür gibt es dieses Fest.r
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Zum letzten Mal kommen Menschen für meine Mama zusammen. Manche begegnen einander gar zum letzten Mal, denn nichts verbindet sie als Freundschaft
oder Verwandtschaft mit diesem einen Menschen. Und so wie in einigen Wochen sogar die Dinge, die ihr Leben möblierten, auseinander driften und sich an neuen Orten finden werden, so zerstreuen sich auch die
Menschen. Bei dieser Feier trinken wir nicht allein auf das Leben meiner Mama, sondern auch auf die Verbindungsfäden, die jetzt ein loses Ende haben. Bei der Beerdigung flüstern die Menschen meiner Mama noch
einmal zu, was sie ihnen bedeutet hat. Bei der Feier danach beginnen sie das lose Ende zu verwahren.
In Mamas Sinne sollte die Feier sein. Mein Vater und ich mussten die Worte zum ersten Mal denken, wir konnten nur noch aus den Jahren der Erfahrung
schöpfen und uns vorstellen, wie sie es wohl gerne gehabt hätte. Meine Mama war nicht auf den Tod vorbereitet, deshalb hatten wir keine Regieanweisungen. Und das war gut. Zur Härte des Abschieds gehört es, den
Stab anzunehmen, den sie weiter gereicht hat.
Zu Hause findet die Feier statt. In Mamas Atmosphäre. Hier ist ihr Geist präsenter als in irgendeinem Lokal. Außerdem gibt uns das jetzt
etwas zu tun. Das Schicksal des Todes müssen wir ertragen. Im Kleinen jedoch können wir handeln. Das beruhigt. Wohltuend ist das: Kuchen bestellen, Kaffee kaufen. In den banalen Alltagshandlungen ist mir meine
Mama nah – wie viele tausend Male hat sie Kaffee gekauft? – und außerdem füllt das Gewohnte in diesem Moment ein wenig von der Leere. Auch dafür gibt es dieses Fest.
Aber kann ich mit aufgewühlter Seele und zitternden Händen für alle sorgen, Kaffee kochen, freundlich sein? Hilfe kommt da von Kurt, dem Partner
von Mamas langjähriger Freundin. Er könne doch Mundschenk sein, sagt er. Ein Dienst der Freundschaft. Er rettet mich. Das Lebendige, das meine Mama mit ihren Bindungen geschaffen hat, findet neue Formen. Das wird
sie freuen, wenn sie zusieht und aus einer anderen Welt ein Lächeln in unsere irdischen Tränen sendet.
Hedda Heiter
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