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Kirchentage
können nicht ein ganzes religiöses Leben zusammenhalten. Das
wäre zu viel verlangt. Aber viele Menschen finden auf dem bunten
Fest des Lebens und Kirchenlebens Anregung für ihren Glauben. Und
noch mehr: Sie nehmen Ideen mit, wie sie ihrer Verantwortung in
der Welt gerecht werden können. ECHT hat eine Frau und einen jungen
Mann besucht, die beide ganz persönliche Erwartungen an den Kirchentag
vom 13. bis 17. Juni in Frankfurt haben. Und sprach mit einem der
zahlreichen Ehrenamtlichen, ohne die eine solche Großveranstaltung
nie möglich wäre.
Jeder
Mensch ist wichtig. Auch sie, die bis dahin nur Mutter war, Ehefrau
und im Übrigen schwieg in der Gemeinde und Welt-Gemeinschaft. „Beim
Kirchentag habe ich gelernt“, sagt Annemarie Kleffmann (69), „dass
jeder – und vor allem jede Frau – ein Recht hat, zu sprechen.“ Sie
strahlt. Bei Kirchentagen öffnete Annemarie Kleffmann die Türen
zu ihrer Kraft und Weiblichkeit – alle zwei Jahre ein Stück weiter.
„Ich
bin so stolz auf das, was wir angeregt und aufgebaut haben.“ Resignation
hat keinen Raum in ihr, nichts redet sie klein. „Alles, was heute
zum besseren Leben gehört, hat bei Kirchentagen begonnen.“ Das geht
vom Essen – Vollwertkost aus fairem Handel – über die Sprache – Frauen
werden genannt, die Lehrerin etwa verschwindet nicht im Plural der
Lehrer – bis zur Weltpolitik: „Unsere Gebete und Demonstrationen haben
Gorbatschow sicher gestärkt. So konnte er den Kalten Krieg beenden.“
Mit
der Frauengruppe der evangelischen Versöhnungskirche in Ratingen
hat Annemarie Kleffmann Stände gestaltet. Ein „Giftzahntraining“
haben sie zum Beispiel angeboten. Frauen sollten üben, „Nein“ zu
sagen, „Nein“, wenn Männer, Kinder, Chefs überzogene Forderungen
stellen und „Nein“, wenn es wieder heißt: „Die Frau schweige in
der Kirche!“
So
waren denn auch Frauen auf Kirchentagen für Annemarie Kleffmann
prägend: die Theologinnen Dorothee Sölle und Bärbel Wartenberg-Potter,
die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich. „Wie sich so eine
hässliche Messehalle verändert, wenn ein Mensch einen Vortrag hält
und wir danach darüber sprechen. Die Papphocker-Demokratie!“ Sie
kichert.
Annemarie
Kleffmann findet, dass sie von Kirchentag zu Kirchentag vollständiger
wurde, als Frau und als gläubiger Mensch. Sie ist katholisch und
brauchte Jahre, um den fernen, strengen Gott ihrer Kindheit aus
ihrem Leben zu verbannen. Wie sie Gott heute erlebt, sieht, fühlt?
„Freiheit ist er und Freiheit gewährt er mir.“ Das sagt sie jetzt.
Und kann sich gut vorstellen, dass sie dieses Bild mit den Eindrücken
vom Kirchentag in Frankfurt noch genauer zeichnen kann.
Kirchentage sind für mich Veranstaltungen, wo ich auftanken kann
und immer wieder Gleichgesinnte treffe“, freut sich Peter Ziesecke.
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Als
der Unternehmensberater 1985 in Düsseldorf zum ersten Mal einen
Kirchentag miterlebte, war er beeindruckt: „Hier kann man etwas
bewegen“, war er sich sicher, ob der zahlreichen „friedensbewegten
Menschen mit lila Tüchern“. Eine Begeisterung, die weit reichende
Folgen hatte. Bereits zwei Jahre später, als das „Protestantentreffen“
in Frankfurt am Main zu Gast war, beherbergte der heute 58-jährige
in seinem gerade fertig gestellten Haus in Ober-Roden Kirchentagsgäste
und bot sein Grundstück zum Campieren an. In Kirchentagen sieht
der Kommunikationsexperte die Chance, einer Tendenz entgegenzuwirken,
die er mit Sorge betrachtet: „Die Menschen sind es immer weniger
gewohnt, über ihren Glauben zu reden, weil die Kirche eine Sprache
spricht, die sie nicht verstehen.“
Als
ihn Kirchentagspräsident Martin Dolde fragte, ob er ein „Forum“
beim Kirchentag 2001 in Frankfurt mit vorbereiten könne, zögerte
er nicht. Unter dem Titel „Was glauben Sie eigentlich?“ werden
dabei am 14. Juni in der Festhalle nun unter anderem die Hannoversche
Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann und der ehemalige PDS-Chef
Gregor Gysi diskutieren. „Mit solchen Veranstaltungen wollen wir
auch diejenigen erreichen, die sonst nicht in die Kirche kommen“,
betont der engagierte Ehrenamtliche, der seit über acht Jahren
Vorsitzender des Kirchenvorstands seiner Gemeinde in Ober-Roden
ist, und ergänzt: „Frankfurt als multikulturelle und weltoffene
Stadt ist dafür ein idealer Ort.“
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Thimm
Theves (17) wollte das Mädchen kennen lernen. Er hatte gehört, dass
er bei Susanne Chancen hätte. Und Susanne machte in der Kirchengemeinde
in Düsseldorf-Garath Jugendarbeit. Also ging er da mal hin. Der
Lauf der Dinge: Susanne wurde Thimms Freundin, ist es aber inzwischen
nicht mehr. Was bleibt: Thimm macht jetzt auch Jugendarbeit. „Kleinen
Kindern Werte zu vermitteln macht mir Spaß.“
Thimm
leitet Gruppen, und jeden Nachmittag hilft er ehrenamtlich im
Diakonischen Werk Schülern bei ihren Hausaufgaben. Im Juni wird
er nach Frankfurt zum Kirchentag fahren – das erste Mal. Thimm
hofft, dort andere Leiter von Jugendgruppen zu treffen und mit
ihnen Erfahrungen auszutauschen. Er will wissen, ob seine Art,
Kindern die Bibel zu vermitteln, auch in anderen Gemeinden angesagt
ist. Ob ihn auch die Mädchen nach Frankfurt locken, verrät er
nicht.
Texte:
Irene Dänzer-Vanotti, Jörn Dietze
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www.kirchentag.de
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