![]() Wovon träumen Kinder, wenn sie ans Erwachsensein denken? Wie soll ihr Leben später aussehen? Was möchten sie tun? Was ist ihnen wichtig? Nach was sehnen sie sich? ECHT hat nachgefragt. |
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Ann-Sophie
ist 12 Jahre alt, lebt mit drei Geschwistern in Frankfurt und geht in
die sechste Klasse des Gymnasiums. Mein Leben stelle ich mir ungefähr so vor: zuerst Studium und dann arbeiten und dann ein Mann und Kinder und ein Haus. Und schauspielern nebenbei. Ich will auf jeden Fall zwei oder drei Kinder haben, aber nicht mehr, das wäre mir zu anstrengend. Das ist ganz schön viel Arbeit! Und wenn man zum Beispiel wegfahren will, das ist mit vier Kindern ganz schön schwierig. Ich habe drei Geschwister und finde es gut, in einer großen Familie zu leben. Wenn auch nur einer fehlt, ist das gleich eine ganz andere Atmosphäre, es ist so still. Als zum Beispiel meine Schwester mehrere Monate lang in England war, habe ich sie echt vermisst. Wenn meine Freundinnen fragen, wie ich das schaffe, mein Zimmer zu teilen, sage ich, das ist ganz einfach: Wir machen Regeln, und an die müssen sich dann alle halten. Wenn ich zum Beispiel Musik hören will und mein Bruder nicht, setze ich eben Kopfhörer auf. Oder jetzt gibt es die Regel, dass die Tür zwischen unseren Zimmern nur aufgemacht werden darf, wenn das alle wollen. Also ein Leben als Einzelkind könnte ich mir nicht vorstellen. |
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Josef ist 11 Jahre alt, asylberechtigt und vor neun Jahren mit seinen Eltern und Geschwistern aus Eritrea nach Deutschland gekommen. Josef lebt mit seiner Familie in Frankfurt. Ich möchte gerne eine Ausbildung schaffen und einen Beruf haben. Wünsche habe ich ein paar: Flugzeugpilot – ich mag Fliegen – oder Doktor, der kann anderen Leuten helfen. Oder Koch. Ein Koch macht gutes Essen. Ich kann schon ein bisschen kochen, Spaghetti und noch andere Sachen. Wo ich leben möchte, wenn ich groß bin? – Das ist egal. Wenn ich die Auswahl habe zwischen Deutschland und Eritrea, dann beides. Hier kann man ganz lange fernsehen und es gibt Arbeit. In Eritrea war ich in den Sommerferien mit meiner Mutter. Das war schön. Ich war viel draußen, habe mit Freunden Fußball gespielt. Und wir sind spazieren gegangen, haben andere Leute besucht. Die Verwandten haben sich gefreut, als wir gekommen sind: Ihr seid wieder da. Ich glaube, am liebsten wäre ich hier. Wenn ich groß bin, wünsche ich mir ein eigenes Zimmer und einen eigenen Fernseher. Eine Katze auch, denn die sind so klein und süß. Heiraten will ich natürlich – und zwei Kinder haben, einen Jungen und ein Mädchen. Meine Frau sollte Deutsch reden können und Eritreisch. Ich glaube, es wird schwerer sein als heute. Ich muss dann immer zur Arbeit gehen, den Kindern sagen, was sie machen sollen ... Aber es gibt auch Schönes. Ausflüge machen mit dem Auto, verreisen ... |
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Max ist neun Jahre alt, lebt in Bad Homburg und besucht die vierte Grundschulklasse. In diesem Jahr wechselt er auf das Gymnasium. Meine Oma hat mir eine Golfausrüstung zum Geburtstag geschenkt und jetzt möchte ich das Jugendgolfabzeichen schaffen – und dann einen 18-Loch-Parcours spielen. Hockey spiele ich auch. Wir sind eine der besten C-Jugend-Mannschaften in Hessen. Ich will da immer besser werden und irgendwann in der Nationalmannschaft spielen. Auf keinen Fall möchte ich später so einen Schreibtischjob haben wie mein Vater bei seiner Bank. Ich sitze in der Schule ja schon 13 Jahre lang am Schreibtisch – da muss danach was mit Abenteuer kommen. Mein Traumberuf ist, bei der GSG 9 zu arbeiten und zum Beispiel Flugzeugentführer zu schnappen. Wenn das nicht klappt, möchte ich zur Kriminalpolizei gehen und Verbrecher jagen. Spaß muss man ja haben, auch wenn’s manchmal gefährlich wird. Ich würde auch gerne mal Bungee-Jumpen, aber meine Eltern verbieten mir das, bis ich 18 Jahre alt bin. Genauso wie das Terrarium mit Giftschlangen und Spinnen, von dem ich träume. Mein Freund hat so eins, da machen wir immer Mutproben, wer die Spinnen am längsten auf sich aushält. Als Erwachsener will ich mir aber auf jeden Fall einen Jeep kaufen und damit durch den Dschungel fahren. Wohnen möchte ich ganz oben in einem Hochhaus in New York. Das kenne ich aus Filmen. Ob ich dann Frau und Kinder haben möchte, weiß ich noch nicht – die Mädchen in meiner Klasse sind oft ziemlich frech! |
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Peter* ist 13 Jahre alt, lebt in einem oberhessischen Dorf und besucht die siebte Klasse der Hauptschule Ich möchte
nicht Waldarbeiter werden wie mein Vater. Da ist man zwar immer an der
frischen Luft, aber abends fix und fertig. Und das ist nix für die Knochen.
Ich möchte Kfz-Mechaniker werden, da kann man sich dann auch selbst helfen.
Und deshalb mach’ ich auch das zehnte Schuljahr wegen der besseren Chancen
für eine Lehrstelle. Und mein Vater sagt immer: „Sei gut in der Schule,
dann geht’s dir besser.“ Mein Bruder hat ein neues Fahrrad, meines ist
alt. Aber ich sage immer, was man hat, das hat man halt. |
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Tatjana ist 13 und seit einem Unfall mit sechs Jahren querschnittsgelähmt, sie geht in einem Rehabilitationszentrum in die Schule. Ich denke öfter über die Zukunft nach und habe auch Wünsche. Der erste: Ich möchte in einer eigenen Wohnung leben, wenn ich erwachsen bin. Kinder möchte ich auch haben. Eines oder zwei. Das weiß ich noch nicht genau. Wenn nur eines, dann soll es ein Mädchen sein. Ich wünsche mir einen Mann, der mich unterstützt, so dass wir uns die Arbeit teilen. Er soll kochen können, den Haushalt machen und auf die Kinder aufpassen, wenn ich arbeiten bin. Als Beruf möchte ich Sekretärin lernen. Es gefällt mir, mit dem Computer zu arbeiten und zu telefonieren. Ich habe gerne mit Menschen Kontakt. Freundschaft ist mir sehr wichtig. Wenn ich groß bin, sollen meine Freundinnen in der Nähe sein, dass wir uns leicht treffen können. Und ich möchte ein Auto haben, damit ich auch mal in die Stadt fahren kann und etwas unternehmen, wenn ich es will. Und reiten möchte ich. Ich bin schon ein paar Mal geritten und finde das sehr schön. Als ich eine Operation hatte, durfte ich es nicht mehr – und da hat es mir sehr gefehlt. Ein eigenes Pferd – das ist ein großer Traum. Ich freue mich darauf, erwachsen zu sein. Dann kann ich auch was machen, was ich jetzt nicht darf, also alleine weggehen zum Beispiel. Das kann ich dann selbst entscheiden. Was mir schwer fallen wird, ist hier wegzugehen, von den Lehrern, Erzieherinnen, den Schulkameraden, meinen Freundinnen. |
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Protokolle:
Andrea Teupke, Rainer Lange, Jörn Dietze, Rainer Didszuweit |
erschienen in echt, 1. Quartal 2001 Copyright by EKHN, Darmstadt |