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Zoff auf dem Schulhof, Randale im Klassenzimmer, Mobbing von Mitschülern. Gewalt – und was dagegen zu tun ist, ist ein viel diskutiertes Thema an Schulen. Die Schillerschule in Offenbach macht seit drei Jahren mit einem Projekt von sich reden, bei dem Schüler Konflikte untereinander besprechen und lösen – ganz ohne Lehrer.
„Alle Gespräche durchlaufen die gleichen Phasen – das gibt Sicherheit“, erklärt Lehrerin Kara Drechsler-Schubkegel. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Ulrike Hoyer-Schützhofer und Gabi Reinhold betreut die 48-Jährige seit drei Jahren das Streitschlichter-Projekt. Am Anfang stehen stets die Fragen: Was ist passiert? Warum ist das Problem entstanden? Dann sollen die am Konflikt Beteiligten miteinander ins Gespräch kommen. „Wir sind keine Richter, sondern Verständiger zwischen Streitparteien, die selbst eine Lösung für ihren Konflikt vorschlagen müssen“, betont die 15-jährige Steffi. Die Streitschlichter halten sich mit ihrer Meinung zurück. Das ist, so Johannes, nicht immer einfach: „Oft hat man die Lösung direkt vor Augen.“ Ziel ist ein schriftlicher Vertrag zwischen den Kontrahenten. „Meistens müssen wir aber zuerst Einzelgespräche führen, bevor wir alle an einen Tisch bringen“, erörtert der
Jeweils zwei Schülerinnen und Schüler pro Klasse bilden die Lehrerinnen auf Seminaren zu Streitschlichtern aus. Sie werden mit den unterschiedlichsten Konflikten konfrontiert: Da hat ein Mädchen vermeintlich Lügen über ihre Klassenkameradin verbreitet oder Mitschüler fühlen sich vom selbst ernannten „Klassenboss“ erpresst. „Wenn ein Lehrer dann eine Ordnungsmaßnahme verhängt, schafft das Luft, aber es löst nichts“, weiß Ulrike Hoyer-Schützhofer. Und die vierzehnjährige Streitschlichterin Patricia ergänzt: „Es ist wichtig, die Probleme in einer Atmosphäre ohne Druck zu besprechen.“ Auch die Streitschlichter selbst profitieren von ihrem Engagement: „Viele sind nun besser fähig, Dinge in Worte zu fassen“, hat Kara Drechsler-Schubkegel festgestellt. Und Steffi möchte lernen, „sich besser in andere hineinzuversetzen“.
Jörn Dietze, Fotos: Cathia Hecker * Die Namen der Streithähne wurden von der Redaktion aus Gründen der Vertraulichkeit geändert.
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Streitschlichter sind nur ein Teil des umfassenden Anti-Gewalt-Programms an der Offenbacher Schillerschule. Mit Projekttagen in allen fünften Klassen wollen Lehrerin Ulrike Hoyer-Schützhofer und ihre Kolleginnen möglichst früh die Klassengemeinschaften stärken. Die Streitschlichter sind aktiv mit von der Partie, wenn die Schülerinnen und Schüler hier spielerisch „Teamgeist“ erlernen. „Es ist wichtig, dass die Kinder von Beginn an wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Probleme haben“, erklärt die Pädagogin. Auch ihre Klassenräume und die Flure können die Jugendlichen selbst verschönern, müssen sie jedoch auch pflegen und sauber halten. Durch all diese Maßnahmen, freuen sich die Projektleiterinnen, seien die von Lehrern und Direktion verhängten Ordnungsmaßnahmen stark zurückgegangen und die Jugendlichen aufmerksamer füreinander geworden. “Für die meisten Schülerinnen und Schüler ist es mittlerweile selbstverständlich, nicht mehr nur zuzusehen, sondern schlichtend einzugreifen, wenn sich zwei auf dem Schulhof prügeln“, hat Lehrerin Kara Drechsler-Schubkegel festgestellt. Weitere Informationen über die Offenbacher Schillerschule erhalten Sie hier |
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“Fass mich nicht an” Die CD-ROM “Fass mich nicht an”, hat die Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik in München im Auftrag von BMW realisiert. “Die CD ist etwas für Leute, die wissen und verstehen wollen, was hinter der Gewalt, hinter der Faszination und hinter der Bedrohung steckt,” schreiben die Macher. Gewalt ist facettenreich und die CD fächert ihre Erscheinungsformen auf: Gewalt gegen andere, gegen sich selbst, in der Familie, der Schule und Gewalt in den Medien. Fünf Mainscreens (Hauptwege) bietet “Fass mich nicht an”, von denen wiederum thematische Pfade abgehen – genug für eine interaktive Reise durch das Thema Gewalt. Die interaktive CD “Fass mich nicht an” ist kostenlos erhältlich bei: BMW AG, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit “Fass mich nicht an”gibt es auch online. Konfliktlösungen im kommunalen Bereich Eine Dokumentation des Mindener Projekts “Kreative Konfliktbearbeitung im Kommunalen Zusammenhang", herausgegeben von: Bund für Soziale Verteidigung, Ringstr. 9a, 32427 Minden Tel.: 0571/29456, Fax: 0571/23019
Konfliktlösung macht Schule Konzepte und Impulse, Darstellung praktischer Beispiele aus Hessen, Schulprofil und Wege zur Konfliktkultur, Konflikte und Gewalt gehören in unterschiedlichem Umfang zum "täglichen Brot" von LehrerInnen. Patentrezepte, wie man damit umgehen kann, gibt es nicht, aber es gibt Ansätze, die die Arbeit in der Schule auf längere Sicht erleichtern. Im ersten Teil finden sich konzeptionelle Artikel, die zum Teil Erfahrungen aus anderen Ländern referieren. Im zweiten Teil werden Erfahrungen aus Hessen vorgestellt. Der dritte Teil ist dem Offenbacher Modellprojekt gewidmet, das sich der Ausbildung von Streit-Schlichtern an Schulen und in Jugendeinrichtungen verschrieben hat. Rademacher, H.; Franz, F.; Angor, S.: Konfliktlösung macht Schule, 1997, Herausforderung Gewalt Im Sinne einer präventiven Arbeit der Schulen gegen die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen entwickelt die in Zusammenarbeit von Schule und Polizei Baden-Württembergs entstandene Broschüre konkrete Anregungen für den Umgang mit Gewalt, ihren vielschichtigen Ursachen und Handlungsmustern. Neben einer didaktischen Einführung finden sich praxisnahe Materialien zu folgenden Stichwörtern: Richtiges Streiten anstatt Gewalttätigkeit - Erste Hilfe im Gewaltfall - Pädagogischer Tag zum Thema "Gewalt und Schule". Innenministerium Baden-Württemberg: Herausforderung Gewalt, 199, 93 Seiten, Preis 8.00 DM, Gegen die Gewalt anspielen Die negativen wie auch die positiven Seiten von Wut und Aggression beleuchtet der Praxisband der Reihe 8-13 aus dem Burckhardthaus-Verlag. Spiele und Aktionen zum Thema Gewalt werden vorgestellt und durch Praxisberichte anschaulich gemacht. H. Bücken: Gegen die Gewalt anspielen – Vom Umgang mit Aggressionen, Offenbach 1999
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erschienen in echt, 1. Quartal 2001 Copyright by EKHN, Darmstadt |